AG Welt

Der Zeitgeist und seine Weltanschauung (Teil 1)

Foto: AG WELT

von Thomas Schneider

Immer wieder wird von einem Zeitgeist gesprochen – selbst von Nichtchristen. Dieser Geist beschreibt ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.

Gängige theologischen Fachlexika führen das Stichwort „Zeitgeist“ nicht. Dennoch tangieren Theologie (die Lehre von Gott) und Kirche mit dem Zeitgeist, weil auch sie in dieser Welt sind. Säkulare (weltliche) Nachschlagewerke wie beispielsweise das Mackense Deutsche Wörterbuch beschreiben „Zeitgeist“ als „Denk- und Fühlweise eines Zeitalters“. Auf gut Deutsch: das verbreitete Gedankengut einer bestimmten Generation.

Der Zeitgeist kommt in jeder Epoche in einem anderen Gewand. Aber er kämpft zu jeder Zeit um seinen Herrschaftsanspruch. Die westliche Welt ist seit der Französischen Revolution von einem immer stärker abnehmenden Einfluß des Christentums gekennzeichnet. Es wuchsen Wohlstand, allgemeine Liberalität und Neomarxismus, für den die 68-er Bewegung beispielgebend ist. Aber auch der Islam, asiatische Religionen, Mischreligionen und die Esoterik sind in Europa auf dem Vormarsch. Das Christentum hingegen verliert immer mehr an Einfluß auf gesellschaftliche, kulturelle und politische Entwicklungen.

In meinem Archiv habe ich einen Kommentar von Burkhard Brunn in der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2013 gefunden, in dem dieser Journalist schreibt: „An Autorität hat die Kirche in der pluralisierten Gesellschaft eingebüßt, weil sie sich selbst als eine Institution unter anderen sieht und nicht mehr selbstbewußt als die eine, die etwas Einzigartiges zu verkünden hat: Gottes Wort. Die Kirche wird wie ein Wirtschaftsbetrieb geführt und dazu engagiert man Unternehmensberater und Werbeleute. Im Bestreben, auf Teufel komm raus mit der Zeit zu gehen, aus Angst, wie von vorgestern zu wirken, hat die evangelische Kirche sich allen modernen Zeitströmungen angepaßt. Nicht durch Austritte gerät die Kirche in eine Identitätskrise, sondern durch den Verlust ihrer Glaubwürdigkeit.“ – Dieser Kommentar könnte heute im Jahr 2026 genau so wortgetreu veröffentlicht werden.

Den Zeitgeist in unserem Land kennzeichnet erstens das Fehlen fester Werte und Normen, zweitens eine Ethik ohne feste Grundsätze und drittens ein Leben ohne Ewigkeitsperspektive.

Nur am Rande ist noch erkennbar, daß sich einige Menschen auf bestimmte Werte und Normen einlassen. Obwohl der Mensch (das bestätigt die Heilige Schrift) aus sich heraus keine dauerhaften Maßstäbe setzen kann, will er autonom sein, also selbständig und unabhängig von seinem Schöpfer. Das ist seit Adam und Eva so. Alles Denken, Reden und Handeln soll an menschlicher Vernunft orientiert sein. Dahinter steht die teuflische Schlange mit ihrem verlockenden Angebot: „Ihr werdet sein wie Gott!“ (1. Mose 3,5). Was dabei herauskommt, wenn der Mensch seinen Schöpfer ignoriert, ist in unserem Land nicht zu übersehen!

Zum Zweiten: Wenn heute überhaupt noch von einer Ethik gesprochen werden kann, dann handelt es sich doch nur noch um eine Ethik, die (um es am Beispiel der Abtreibung festzumachen) keine festen Grundsätze mehr kennt. Auch hier verabschiedet sich der Mensch von der guten Schöpfungsordnung Gottes. Der Mensch meint, er müsse immer neue Grundsätze und Lebensmodelle erforschen und sie seinen eigenen menschlichen Vorstellungen anpassen.

In Bezug zum dritten Punkt will der Mensch in möglichst kurzer Zeit viel erleben, vergißt aber dabei, daß ihm nur eine kurze Zeitspanne bleibt – nach der Bibel „siebzig, wenn’s hoch kommt achtzig Jahre“. Das Verrückte ist, daß keiner mehr sterben will. Menschen glauben den blödsinnigsten Angeboten, sie könnten ihr Leben irgendwie verlängern. Jesus fragt seine Jünger (Lukas 12,25): „Können all eure Sorgen euer Leben auch nur um einen Augenblick verlängern? Natürlich nicht!

Tausende und Abertausende vom Zeitgeist getriebene Sinnanbieter sind in unserem Land unterwegs. Der Zeitgeist wandelt sich entsprechend seiner Einflußmöglichkeiten, er verändert ständig sein Wesen und paßt sich den menschlichen Begierden an. Deshalb können wir davon ausgehen, daß der Zeitgeist keine geistlose Erscheinung ist.

Gottes Geist, also der Geist des Evangeliums von Jesus Christus und der Zeitgeist stehen sich unversöhnlich gegenüber. Otto von Habsburg soll einmal gesagt haben: „Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, ist morgen verwitwet.“ Die Botschaft des Evangeliums aber mit Braut (Gemeinde) und Bräutigam (Jesus Christus) besteht ewig. Jesus Christus spricht im Matthäusevangelium (24,35): „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Das Evangelium von Jesus Christus ist daher eine Kampfansage an den Zeitgeist, gleich in welcher Zeitepoche er sein Unwesen treibt.

Ein Mensch, der sich mit dem Zeitgeist arrangiert, der arrangiert sich mit dem Widersacher Gottes und bleibt damit unter der Herrschaft des Teufels. „Der Fürst dieser Welt“, wie Martin Luther den Teufel nennt, ist der „Initiator“ des Zeitgeistes. Er treibt den Zeitgeist in die Richtung, wohin er ihn haben will, hin zu Finsternis und Tod.

Die biblische Botschaft steht nicht nur dem Zeitgeist entgegen, sondern sie ruft den Menschen aus der Finsternis ins Licht. Im 1. Petrusbrief (2,9) heißt es: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht…“

Jesus Christus sagt von sich selbst im Johannesevangelium (12,46): „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ Und im 1. Johannesbrief (1,5) lesen wir: „Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.“

Der Zeitgeist, dem der Mensch immer wieder auf den Leim geht, verfinstert seine Gedanken und schafft immer neue dunkle Ecken, in denen er den Menschen hineinziehen und zerstören will. Ein Mensch, der dem Wort Gottes gehorsam ist, lehnt den Zeitgeist und sein widergöttliches Wirken ab. Jeder Versuch einer Harmonisierung, die biblische Botschaft der neuen Zeit und menschlichen Bedürfnissen anzupassen, untergräbt die Souveränität des allmächtigen Gottes.

Immer wieder werden Anstrengungen dahingehend unternommen, den Menschen einen Glauben an ein gemeinsames höheres Wesen einzureden. Schließlich sei es doch uninteressant, so meint man, ob dieses höhere Wesen nun Gott, Allah, Buddha, Krishna oder göttliche Lebensenergie genannt wird. So nach dem Motto: „Hauptsache wir kommen irgendwie zusammen.“ Somit ist der Zeitgeist die Triebkraft des Teufels.

____________________________________

Der Beitrag Der Zeitgeist und seine Weltanschauung umfaßt 2 Teile. Der 2. Teil folgt in Kürze

Die mobile Version verlassen