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Unheilblättern greift die Seele an

Foto: AG WELT

von Thomas Schneider

Mit Einführung des Smartphones in den frühen 1990-er Jahren gelang es führenden Marktgiganten, Menschen vom Wichtigen im Leben abzulenken – von Ehe, Familie, Gemeinschaft und Gott.

Unsere Zeit ist geprägt von ständiger Verfügbarkeit von Nachrichten. Mit einem Fingerwisch öffnen sich endlose Ströme aus Krisenmeldungen, Katastrophen, Kriegen, Skandalen und Untergangsszenarien. Dieses Phänomen wird heute im Fachjargon Doomscrolling genannt – das unaufhörliche Konsumieren schlechter Nachrichten. Aus bibeltreuer Sicht ist dieses (ins Deutsche übersetzt) Unheilblättern jedoch weit mehr als nur eine harmlose Gewohnheit: Es greift die Seele an! Und genau das will man erreichen: Ablenkung vom Wichtigsten im Leben.

Unheilblättern wirkt schleichend. Einzelne Nachrichten mögen sachlich sein, doch ihre endlose Wiederholung erzeugt Angst, Ohnmacht und innere Unruhe. Die Bibel zeigt klar: Angst ist kein Zustand, in dem der Mensch geistlich gesund bleibt (Philipper 4,6)1. Die Bibel macht deutlich, dass der Mensch ein inneres Leben (eine Seele) hat, das geschützt und genährt werden muss (Sprüche 4,23)2. Wer sich ständig mit Bedrohungen füllt, beginnt, die Welt nur noch durch die Brille der Furcht zu sehen. Das Vertrauen auf Gottes Führung wird verdrängt durch Sorgen und düstere Erwartungen.

Unheilblättern präsentiert nicht die ganze Wahrheit, sondern nur einen Ausschnitt – fast ausschließlich das Negative. Die Bibel verschweigt Leid nicht, aber sie stellt es nie losgelöst von Gottes Souveränität dar (Psalm 29,10)3. Wer sich ständig dem Strom negativer Nachrichten aussetzt, läuft Gefahr zu vergessen, dass Gott über allem regiert. Der Blick senkt sich vom Himmel auf die Schlagzeilen – und die Seele verliert ihre Ruhe in Gott.

Jesus verheißt seinen Jüngern einen Frieden, der nicht von äußeren Umständen abhängig ist (Johannes 14,27)4. Unheilblättern wirkt genau entgegen diesem Frieden. Selbst wenn objektiv keine unmittelbare Bedrohung besteht, entsteht in der Seele des Menschen ein Zustand dauernder Alarmbereitschaft. Seine Seele findet keine Stille mehr, kein Vertrauen, kein Innehalten vor Gott.

Gottes Wort macht deutlich, dass Gedanken und inneres Leben entscheidend sind (Philipper 4,8)5. Unheilblättern zwingt den Menschen in die entgegengesetzte Richtung. Es trainiert den Blick auf das Bedrohliche, statt auf das Gute, das Gott trotz allem wirkt.

Bibeltreue Wachsamkeit bedeutet nicht, sich pausenlos zu informieren, sondern geistlich nüchtern zu bleiben (1.Thessalonicher 5,6)6. Nüchternheit schließt Maßhalten ein. Nicht jede Nachricht muss gelesen, nicht jede Schlagzeile verfolgt werden. Als Christ darf und muß man Grenzen setzen – zum Schutz seiner Seele.

Gottes Wort ruft nicht zur Realitätsflucht auf, sondern zur festen Hoffnung (Jeremia 29,11)7. Wer Unheilblättern bewusst begrenzt und stattdessen Zeit im Wort Gottes, im Gebet und in der Gemeinschaft mit Gläubigen sucht, erfährt innere Stärkung statt seelischer Erschöpfung.

Unheilblättern (Doomscrolling) greift die Seele an, weil es Angst nährt, den Blick verengt und den Frieden Gottes verdrängt. Aus bibeltreuer Sicht ist der Christ gerufen, seine Gedanken bewusst unter die Herrschaft Christi zu stellen und sich von Gottes Wahrheit prägen zu lassen und nicht vom endlosen Strom schlechter Nachrichten (Kolosser 3,2)8.

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1 Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!

2 Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.

3 Der HERR thront über der Flut; der HERR bleibt ein König in Ewigkeit.

4 Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

5 Weiter, Brüder und Schwestern: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!

6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

7 Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.

8 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.

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