19. Oktober 2017

„Nudelmesse Freitag 10 Uhr“ kein Schildbürger-Streich

Foto: pastafari.eu

Foto: pastafari.eu

(AG WELT) Für Irritation sorgen in der Stadt Templin (Uckermark) mehrere Hinweisschilder, die an den Ortseingängen zur „Nudelmesse Freitag 10 Uhr“ einladen.

Doch bald stellt sich heraus, dass es sich dabei um keinen Schildbürger-Streich handelt.

Das dortige Straßenverkehrsamt genehmigte einen Antrag des Vereins „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters e.V.“ mit Sitz in Templin, die Schilder direkt unter den Gottesdiensthinweisen der etablierten Kirchen anzubringen.

In Templin laden evangelische, katholische und freikirchliche Gemeinden auf Hinweisschildern zu ihren Gottesdiensten ein. Nun wollen die religions- und kirchenkritisch agierenden „Pastafaris“ an jedem Freitag zur „Nudelmesse“ einladen, weil dieser Tag ihrer Ansicht nach der „heiligste Feiertag“ der Woche sei.

Im „Glaubensbekenntnis“ des Vereins heißt es unter anderem:

„Ich glaube… an Bobby Henderson, SEINEN Propheten,
empfangen durch das World Wide Web,
geboren von seiner lieben Mama,
gelitten unter Kreationisten,
genervt, gelangweilt und veralbert,
hinabgestiegen in das Reich des Fundamentalismus,
am dritten Tage aufgestanden zwischen Deppen…“

Bereits im Juli 2011 sorgte derÖsterreicher Niko Alm für Schlagzeilen, als er seinem Führerschein-Antrag ein Porträtfoto beilegte, auf dem er ein Nudelsieb als Kopfbedeckung trägt. Letztlich musste das Straßenverkehrsamt der Verwednung des außergewöhnlichen Fotos zustimmen, da nach Festlegung des österreichischen Verkehrsministeriums Kopfbedeckungen dann erlaubt seien, wenn sie religiös bedingt sind.

Im August desselben Jahres ließ sich der Vorsitzende des Templiner Atheisten-Vereins Weida einen Führerschein mit einem Foto ausstellen, auf dem er mit einem Piratentuch abgebildet ist. Nach deutschen Recht sind Kopfbedeckungen auf Personaldokumenten nicht erlaubt. Ausnahmen seien nach Informationen der Bundesdruckerei „aus religiösen Gründen zulässig“.

Der atheistische Verein, der beim Finanzamt in Angermünde gemeldet ist, hat nun der Kirche angeboten, sich an den Kosten der Masten zu beteiligen, an denen nun auch die „Nudelmessenhinweisschilder“ hängen. In einem Brief des Vereinsvorsitzenden Weida an den Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Templin, Ralf-Günther Schein, am 28. November heißt es:

„In Absprache mit dem Amt und entsprechend der gesetzlichen Forderung, solche Schilder zusammen zu legen, haben auch wir unser Nudelmessenhinweisschild mit an diese Maste montiert. Deshalb möchten wir uns auch an den Kosten für diese beteiligen. Ich schlage vor, Sie übersenden mir eine Kopie Ihrer damaligen Rechnung für die Aufstellung der Masten und wir überweisen ein Viertel der Kosten auf ihr Konto bzw. nach Wunsch auch je ein 12tel an jede der drei Kirchen. Außerdem erklären wir uns bereit, wenn die Erneuerung eines Schildes notwendig wird, uns entsprechend an einem neuem, gemeinsamen Schild zu beteiligen.“

Die atheistische Organisation agiert weltweit. Das „Fliegende Spaghettimonster“ ist nach eigenen Angaben die „Gottheit“ einer im Juni 2005 vom US-amerikanischen Physiker Bobby Henderson begründeten Religionsparodie. Es soll nach eigenen Angaben eine „Gegenbewegung auf das Vordringen von Kreationismus und Intelligent Design in den Schulunterricht“ sein. Immer wieder versucht die selbsternannte „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“, sich öffentlich-rechtlich anerkennen zu lassen. Sowohl in Polen (2012) wie auch in Österreich (2014) wurde bislang ihre Anerkennung verwehrt.

Kommentare

  1. Ralf Meischner meint:

    Wenn die Atheisten ähnliches mit den Muslimen machen, dürfte ihnen die Nudel bald im Halse stecken bleiben … aber dazu trauen sie sich wahrscheinlich nicht.