23. August 2017

„Skeptiker-Kongress“ kontra Kreationismus und Esoterik

Plakat: PR

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(AG WELT) Am vergangenen Wochenende fand in Berlin der 6. Welt-Skeptiker-Kongress statt.

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), die sich mit der „Förderung naturwissenschaftlich-kritischen Denkens“ beschäftigt, hatte dazu eingeladen. Neben Esoterik und Alternativmedizin nahmen die sogenannten „Skeptiker“ auch den Kreationismus auf ihren Prüfstand.

Bereits vor der Veranstaltung sagte die GWUP-Kongressorganisatorin Julia Offe gegenüber der Berliner Morgenpost, dass eine „religiöse Weltanschauung, wonach die Entstehung der Erde und des Lebens so geschehen ist, wie es wörtlich in der Bibel steht“ nicht in Schulen gelehrt werden solle.

Kreationismus in Deutschland „kein großes Thema“

Offe betonte, dass Kreationisten „von der Wahrheit der biblischen Schöpfungsgeschichte überzeugt“ und zumindest in den USA gut organisiert seien. Sie würden „schweres Geschütz“ auffahren, „um diese Lehre in den Schulen gleichberechtigt neben der Evolutionslehre zu etablieren“. In Deutschland sei das „kein so großes Thema“; aber es sei wichtig, die Entwicklung genau zu beobachten. „Harte Kreationisten“ habe Offe „noch nicht kennengelernt“, aber sie „kenne natürlich Menschen, die glauben, dass Homöopathie wirkt.“

Gegen fundamentalistische Christen

Die Veranstalter hatten, so der Humanistische Pressedienst (hpd), auch Schüler zum Kongress eingeladen. Als Schwerpunkt des ersten Tages habe man ihnen das „Thema Kreationismus und Evolution“ angeboten und ihnen die Leiterin des US-amerikanischen National Center for Science Education (NCSE), Eugenie Scott, als Referentin präsentiert. Scott engagiere sich, so der hpd, „seit langem gegen das Leugnen der Evolution durch fundamentalistische Christen…“. In der Ankündigung zu Scotts Referat heißt es:

„Der Kreationismus wird üblicherweise als (nord)amerikanische Kontroverse betrachtet. Sie breitet sich aber in aller Welt aus, da Missionare kreationistische Literatur bei ihrer Missionierung verwenden. Die Verbreitung des amerikanischen Kreationsmus wird wie erwartet von den Eigenheiten der USA geprägt, was Kultur, Politik und Nationalstolz betrifft.“

Mit solchen und ähnlichen Argumenten habe man den Kongressteilnehmern vorgegaukelt, esoterische Scharlatanerie und der Glaube an die biblische Schöpfung gehören in die gleiche parawissenschaftliche Kiste“, so ein Kongressteilnehmer aus Berlin gegenüber AG WELT.

„Unsere Zielgruppe sind nicht die Gläubigen“

Gegenüber „ZEIT ONLINE“ sagte der Leiter des „Zentrums für Wissenschaft und kritisches Denken“ der GWUP, Martin Mahner: „Unsere Zielgruppe sind aber auch nicht die Gläubigen, sondern eher die uninformierten Leute, die noch kritischen Argumenten zugänglich sind“. Seiner Ansicht nach könne ein Skeptiker „eher nicht religiös“ sein. Viele Skeptiker-organisationen seien „zugleich religionskritisch“. Für Mahner ist der Glaube ein „altes Bauchprinzip“.

Die GWUP gibt es seit 25 Jahren, gibt die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „Skeptiker“ heraus und fördert nach eigenen Angaben „die Volksbildung“. Der Verein setze sich zusammen aus Wissenschaftlern aller Fachrichtungen und wissenschaftlich Interessierten. Ihre Berufe, Weltanschauungen und politischen Ansichten seien verschieden.