25. Mai 2017

Christlicher Aberglaube

Der Evangelist Lutz Scheufler. Foto: lutz-scheufler.de

Der Evangelist Lutz Scheufler. Foto: lutz-scheufler.de

Von Lutz Scheufler

Sie kommen garantiert während einer Evangelisationswoche: Anregungen von sehr engagierten Christen, die mir raten, was ich tun muss, damit die Leute sich bekehren.

Die Palette der Vorschläge ist gigantisch: Ich soll den „Ruf zur Entscheidung“ verändern. Alle Besucher sollen aufstehen. Das Licht muss gedimmt werden. Die Mitarbeiter sollen zuerst nach vorn zum Kreuz gehen, damit ein Sog entsteht. Ein hauptberuflicher Kirchenmann fand Lob für meine Verkündigung, fügte dann jedoch an, dass das nicht ausreicht. Ich müsse auch noch Krankenheilung anbieten. Das würde den Durchbruch bringen. Anderen Christenmenschen fehlen bestimmte Themen, damit Bekehrungen möglich werden. „Du musst über Abtreibung reden“, bekomme ich zu hören. Obwohl die Sache vorkommt, sind bei einigen „Hölle, Gericht und Verdammnis …“ auf ihrer Vokabel-Checkliste noch nicht abgehakt. Auch das Thema „Aberglaube“ sollte unbedingt verhandelt werden, damit Erweckung möglich wird.

„Ich glaube, dass… ABER GLAUBE auch…“

Der Begriff „Aberglaube“ kommt mir allerdings bei den gut gemeinten Evangelisationsnachhilfen immer wieder in den Sinn. In meinen Ohren klingt das so: „Ich glaube, dass Jesus die Menschen bekehrt, ABER GLAUBE auch, dass wir noch dies tun und jenes sagen müssen, damit Jesus überhaupt eine Chance hat.“ – Ich halte das für christlichen Aberglauben. Und ich halte es lieber mit Apostelgeschichte 16,14 wo steht: „… eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde.“

Da ich nix vom ABER-GLAUBEN halte, gehe ich bei Evangelisationen nach wie vor äußerst entspannt und fröhlich an die Arbeit. Den Hauptjob erledigt nämlich Jesus: Herzen öffnen! Ich darf von Jesus reden und ihn im Gebet bitten, dass er handelt. Ins Handwerk pfuschen werde ich Jesus nicht, denn ich bin nicht abergläubisch. Und dann kann ich nur noch staunen, was er alles tut!

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Erstveröffentlichung unter „Angedacht“ in der Publikation „Informationen vom Evangelisationsteam“, Ausgabe 4|2016. Auskunft zum Evangelisationsteam: Lutz Scheufler (Teamleiter), D-08396 Waldenburg, Waldenburger Str. 13, Büro-Tel. (037608) 2317-4 Fax: -5
info@evangelisation.biz, www.evangelisationsteam.de

Kommentare

  1. Wenn ich meiner Frau ein schönes Abendessen zubereite, dann stelle ich den Topf nicht einfach so auf den Tisch, sondern gestalte das Ganze – ein passende Atmosphäre entsteht. Der Mensch, ein Beziehungswesen, stellt sich drauf ein. Das Geigenspiel am Bahnhof, vorgetragen von einem welt-klasse Musiker, findet kaum Beachtung, obgleich es kostenlos ist. Einige der Passanten werden später viel Geld dafür zahlen, um es in der Oper hören zu können…

    Wenn ich in der Evangelisation bestimmte „Specials“ „einsetze“, dann nur, um der Hauptnachricht, der Sendung, zu dienen. Klar kann man übertreiben und man kann sogar soviel Scheinwerfer nehmen, dass man von der eigentlichen Botschaft abgeblendet wird. Diese Gefahr muss immer geprüft werden.

    Für mich sind insbesondere alle kreativen Elemente sehr von Interesse. Denn da, wo man sich reininvestiert, steckt auch Liebe dahinter. Daher ist mir auch wichtig, dass die Aktion „selbstgemacht“/ „hausgemacht“ ist und nicht vom Grafikdesigner (bestenfalls ungläubige Person) „eingekauft“.

  2. Mathias Winkler meint:

    Was wir bringen sind 5 Brote und 3 Fische, das ist unser Part bei dem Ganzen. Aber dass Tausende satt – oder im Blick auf Evangelisation erweckt werden – ist das souveräne Handeln des Heiligen Geistes. Wir können nur begleiten, und da sollen wir durchaus kreativ und konstruktiv, nie aber manipulativ vorgehen. Methoden, Strategien gehören eher in die Arbeitswelt. Hier aber geht es um Menschen und damit um die Liebe Gottes – und die Liebe macht bekanntermaßen erfinderisch!

  3. Ganz wichtig, und nicht zu vergessen, ist eine Arbeit im Hintergrund, nämlich das Gebet. Wenn wir Menschen helfen wollen, den Weg zu finden, dann ist Gebet nicht wegzudenken!

  4. Herbert Müllerchen meint:

    Ihr wundert Euch darüber, dass so wenig passiert? Wir warten darauf, dass Gott durch seinen Heiligen Geist in das Geschehen eingreift, Menschen verändert und die Welt zurecht rückt. Gleichzeitig maßen wir uns an, die Bedingungen für Gottes Handeln vorzuschreiben und festzulegen. Es muss noch dies und jenes vorher gemacht werden, damit Gottes Geist wirken kann. Das gleiche gilt für den Gemeindeaufbau. Wir sollten endlich lernen, darauf zu vertrauen, dass Gott die Bedingungen für sein Handeln festgelegt hat. Und wir dürfen vertrauen, dass er alles gut und richtig machen wird.
    Wir haben einen großen Gott, von dem wir großes erwarten dürfen.