29. Juni 2017

Bayerisches Staatsbad fördert Esoterik

Faltblatt der Bayerischen Staatsbad Bad Steben GmbH. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Faltblatt der Bayerischen Staatsbad Bad Steben GmbH. Foto: Thomas Schneider/agwelt

von Thomas Schneider

Wer wie ich eine medizinische Rehabilitationskur in Anspruch nimmt, erwartet fachkundige ärztliche Hilfe und Beratung zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit, um anschließend körperlich und seelisch gut ausgerüstet in den Arbeitsprozess zurückkehren zu können.

Im Fragebogen zum Kurantrag wurde ich auch gefragt, welche Therapien der Patient nicht verordnet haben möchte. Mein Eintrag dazu: „Keine Esoterik, fernöstliche Entspannungsübungen wie Yoga o.ä.“

Zur Aufnahmeuntersuchung in der mir von der Rentenversicherungsanstalt zugewiesenen Kurklinik im nordbayerischen Bad Steben werde ich explizit auf meine Anmerkung angesprochen. Der Kommentar des Arztes: „So etwas haben wir in unserer Klinik gar nicht im Programm!“ – So werden mir also Wassertreten, Inhalation, Schwimmen, medizinisches Aufbautraining, klassische und Hydromassage, Ultraschalluntersuchungen, EKG´s, Gymnastik und Vorträge zu Frühdefibrillation, Ernährung, Bluthochdruck und Risikofaktoren verordnet. Ein vollkommen annehmbares Therapieprogramm!

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Foto: Thomas Schneider/agwelt

„Kraft- und Energie-Plätze – Romantisch, Natürlich, Gesund“

Unmittelbar an die Klinik grenzt ein riesiger Kurpark. Dieses grüne Areal begeistert nicht nur mich, sondern auch meine liebe Ehefrau (die mich eine Woche lang begleiten darf). Wie wundervoll ist doch Gottes Schöpfung mit ihrer Blumenpracht, den vielen alten knorrigen und Schatten spendenden Bäumen, dem herrlichen Vogelgezwitscher und den lustigen Eichhörnchen.

Dann entdecken wir mittendrin im Kurparkgelände Schautafeln mit unterschiedlichen Symbolen und Erklärungen. Neben jedem einzelnen Symbol, das für „Wasser“, „Erde“, „Feuer“ oder „Luft“ stehen soll, steht geschrieben, welche „mögliche Wirkung“, welches „Gefühl“ und welche „Grundaussage“ damit verbunden sein sollen. – Zum besseren Verständnis dazu hat die Bayerische Staatsbad Bad Steben GmbH ein Faltblatt herausgegeben, das an der Tourist-Information Besuchern und Kurgästen angeboten wird. Der Titel: „Kraft- und Energie-Plätze – Romantisch, Natürlich, Gesund“

Paranormale Strahlenempfindlichkeit?

Darin wird beschrieben, dass der Radiästhet und Geomant Adam Ott aus Hof solche „Kraft- und Energieplätze“ im Kurpark Bad Steben entdeckt habe. Der Kurpark ist das Einzugsgebiet für zwei Heilquellen für Trink- und Badekuren: die Tempel- und die Wiesenquelle. Seither würden, so das Informationsblatt, „manche Personen (an diesen Kraft- und Energieplätzen) unterschiedliche Gefühle, Empfindungen und Eindrücke“ erleben.

Radiästheten, wie Ott, berufen sich auf die Lehre von angeblichen Strahlenwirkungen auf den menschlichen Organismus. Bestimmte Menschen hätten, so dieses Glaubenssystem, eine paranormale, also eine auf natürliche Weise nicht erklärbare oder übersinnliche Strahlenempfindlichkeit. Die vorgeblich als empfindbar vorgegebenen Strahlen sowie deren Empfinden von Menschen selbst sind wissenschaftlich nicht nachgewiesen. In der Radiästhesie kommen zumeist die seit dem Mittalter bekannte Wünschelrute oder auch das Siderische Pendel als Hilfsmittel zum Einsatz.

Kartenausschnitt. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Kartenausschnitt. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Radiästhet und Geomant Ott pendelt über Karten

Vor 16 Jahren habe Ott mit einem Pendel auf einer Karte des Kurparks sogenannte „Kraftplätze“ gefunden, die er dann genau so vor Ort vorgefunden haben soll, wie er sie auf der Karte gependelt und eingetragen hätte. Auch die Zuordnung dieser Plätze zu den vier Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft sei mit dem Pendel erfolgt.

Ott ist zudem auch ein Vertreter der Geomantie, einer in der Esoterik weit verbreiteten Form des Hellsehens. Bestimmte Markierungen und Muster in der Erde, Sand oder auch Steinen sollen beim Wahrsagen helfen.

„Ich bin…“

Es sind acht Kraftplätze, die im Kurpark Bad Steben durch kleine Erdwälle und entsprechende Schilder kenntlich gemacht sind. Sie tragen die Namen „Fährmann“, „Kraftstelle“, „Stärke“, „Freiheit“, „Standpunkt“, „Befreiung“, „Neubeginn“ und „Lichtkraft“.

Dabei hört es sich für manchen Unbedarften gar nicht so abwegig an, wenn gleich am Anfang der unterschiedlichen Stationen der sogenannte „Fährmann“ das Element „Wasser“ ins Spiel bringt, das beim Menschen ein Gefühl von Ruhe und Ausgeglichenheit und dadurch Abstand vom Alltag und Vertrauen ausstrahlen soll. Na klar, ein rauschender Bach, eine sprudelnde Quelle haben auch auf mich eine beruhigende Wirkung.

Doch schon beim nächsten Platz mit dem Namen „Kraftstelle“ soll ich die „Stärkung der Ich-bin-Kraft“ erfahren. Am Wuchs der Bäume seien Anomalien (Unregelmäßigkeiten) zu erkennen. Esoteriker sprechen davon, dass der Mensch selbst Schöpfer sei und aus seinem Innersten heraus auch Schöpferkraft entwickeln könne.

„Starkes Kribbeln in den Gliedmaßen“

Wem das nicht reicht, holt sich dazu vom ausgependelten Ort der „Stärke“ die „Intuition, ich bekomme die Kraft zur Tat“. Hier könne ich, so ist auf seniorbook.de nachzulesen, „ein sehr starkes Kribbeln in den Gliedmaßen“ und „deutlich wahrnehmbare Schubkräfte“ spüren. Wie und durch welche Strahlung diese „Intuition“ ausgelöst werden soll, bleibt offen. Noch deutlicher wird der Gedanke des schon fast göttlichen „Ich bin…“, am Platz „Lichtkraft“, mit der Grundaussage „Ich bin im Urvertrauen“. Es handelt sich um einen zusätzlichen Platz, der von einem Herrn Ernst aufgenommen worden sei.

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Über den Platz der „Freiheit“ mit dem Aufruf „Mut zum Neuanfang“, dem Ort „Standpunkt“, der das Gefühl von „Sicherheit, Selbstvertrauen und Mut“ schaffen soll, geht es zum Platz der „Befreiung“ mit starken „Emotionen und Gefühlen“. Die Krönung ist abschließend der Kraftplatz „Neubeginn“ mit dem Slogan „Ich bin, weil ich werde“. Stabilisierend, aufbauend soll er auf mich wirken und in mir das Gefühl von „Friede, Geborgenheit, Ruhe und Heiterkeit“ auslösen.

Breitgefächerter Aberglauben

Alle diese sogenannten „Kraft- und Energieplätze“ erwecken den Eindruck, als könne der Mensch alles selbst schaffen, beeinflussen und nach seinen Wünschen und Vorstellungen regeln. Dieses Denken ist so alt wie die ersten beiden Menschen, die dem Irrglauben folgten, so wie Gott sein zu können.

So werden Menschen auch heute über einen breitgefächerten Aberglauben in die Irre geführt. Selbst die Bayerische Staatsbad Bad Steben GmbH fördert mit ihrem großflächigen Kult der „Kraft- und Energieplätze“ im Kurpark Bad Steben ein gefährliches esoterisches Gedankengut, das nicht nur jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt, sondern vielen Menschen das Wichtigste versperrt: den Weg zum ewigen Leben bei dem dreieinigen Gott.

Wer zu diagnostischen bzw. therapeutischen Zwecken pendelt und den Menschen daraus abgeleitete Erkenntnisse offeriert, ist entweder ein Scharlatan, ein Betrüger, oder er macht sich aus biblischer Sicht der Wahrsagerei schuldig: „Denn ein Gräuel für den HERRN ist jeder, der diese Dinge tut.“ (5. Mose 18,12a)

Kommentare

  1. Vielen Dank für die Darstellung der bedenklichen Beobachtungen. Kürzlich wurde ich Vater einer kleinen, wundervollen Tochter, der wir auch den Namen Neema (d.h. Gnade) mitgeben durften. Faszinierender Weise wurden wir im Rahmen der Schwangerschaft von allen Seiten mit Yoga angeboten überschüttet – es gab sogar „Baby-Yoga“. Und natürlich wurde die geistliche Dimension dabei berührt; eben auf der gleichen unscheinbaren Ebene, wie oben im Beitrag. Ich war sehr erstaunt. Gab es vor Yoga eigentlich nichts auf diesem Gebiet? Wohl doch… natürlich.