19. Oktober 2017

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo

von Martin Reininghaus

Ein Weg zum Leben ohne Leiden?

Sie sind und waren schon immer ein glücklicher Mensch ohne Sorgen, Probleme, Nöte, und mit allem zufrieden. „Leid“ ist für Sie ein Fremdwort. Und auch um die Zukunft machen Sie sich keine leidvollen Gedanken. Herzlichen Glückwunsch! So einen Menschen kannte ich bisher nicht mal im Traum. Die meisten Menschen suchen mit großen zeitlichen und finanziellen Mitteln, Wege aus dem Leid zu finden. Für das Leiden werden dann meistens andere Menschen oder Umstände verantwortlich gemacht. Und eine große Welle entsprechender Angebote zur Überwindung des Leidens überschwemmt unseren Markt.

Weißer Elefant

Ein uraltes, aber modernes „Angebot“

Schon vor langer Zeit lebte ein außergewöhnlicher Mann, dem laut Tradition eine wundersame Zeugung durch einen weißen Elefanten und eine sagenumwobene Geburt nachgesagt wurde. In seinem geheimnisvollen Leben suchte dieser Mann mit dem Namen „Gautama“ einen Weg aus dem Leid und fand ihn angeblich auch. Er nannte seine Erkenntnis, ins Deutsche übersetzt: „Erleuchtung“.

Das Besondere daran war, dass er behauptete, ohne fremde Mithilfe anderer Menschen nur aus sich selbst heraus durch Meditation und Askese den Weg dahin gefunden zu haben. Eigentlich hätte er das ja für sich behalten können, aber er wollte seinen Mitmenschen helfen. Diese soziale Einstellung war damals nicht üblich. Und über viele Jahre und Umwege gelangte so diese angebliche „Lehre der Erleuchtung“ auch zu uns und wird heute fast überall angeboten und zum Teil auch von manchen Christen praktiziert.

Ein Zug nach Nirgendwo

Die Lehre des Gautama, sie heißt Dharma, möchte ich ganz unwissenschaftlich und nur in groben Zügen in „virtuellen Bildern“ einer Zugfahrt vorstellen:

Vor ca. 40 Jahren war es ja aktuell, unter anderem unser Leben mit einer Zugfahrt zu vergleichen. Es gab z.B. einen Schlager von Christian Anders mit dem Titel: „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“. Ein Zug ist aber auch heute noch für viele Menschen ein Sinnbild für die Flucht aus dem Alltag (Urlaubsreise). Eine Zugreise nach Nirgendwo wäre doch zumindest in meiner Vorstellung einen Versuch wert. Starten wir mal los!

Die „Fahrt meines Lebens“? (Pfad meines Lebens?)

In meiner „blühenden Phantasie“ stehe ich nun vor der virtuellen „Eisenbahn“. Entsprechende Fahrpläne hatte ich schon in verschiedenen Supermärkten gesehen. Auch in christlichen Buchhandlungen. Darauf stand etwas von „Zen“. Außer vielen bunten Bildern und fremder Fachsprache konnte ich nichts Informatives erkennen. Egal, ich merkte mir den Abfahrtsort, der auf einem Beipackzettel angegeben war. Und die Fahrt wird kostenlos angeboten, da kann man ja nichts verlangen!

Da steht er nun, abfahrbereit, der Zug, auf einem langen, geraden Gleis. Er hat drei verschiedene Anhänger. Auf dem ersten Wagen steht „Hinayana“. Nanu? Zum Glück klärt mich jemand auf. Das heißt auf Deutsch „Der kleine Wagen“, wortwörtlich „ein kleines oder niedriges Fahrzeug“. Und das Schild auf dem zweiten Wagen mit dem Namen „Mahayana“ bedeutet dann ja logischerweise „Großer Wagen“. Dann gibt es noch einen dritten Wagen mit dem Namen „Vajrayana“. Da werde ich später einmal nachfragen, denn ich soll schnell einsteigen! Aber ich habe gemerkt, dass der Wortteil „yana“ so viel heißt wie „Wagen“. Ein erster Schritt in einer fremden Sprache! Ein erstes Erfolgserlebnis nur aus mir selbst heraus! Eine erste „Erleuchtung“!?

Jetzt bin ich mal gespannt auf die nächste Erleuchtung. Trotz Suche finde ich kein Schild, welches darauf hinweist, wo die Fahrt hingeht. Niemand kann mir sagen, wo der Zielort liegt. Aber man verspricht mir, dass ich nach der Ankunft im Bahnhof „Nirwana“ nie mehr Leid erleben werde. Schon auf der Fahrt dahin werde ich spürbar erleben, dass mir aufgrund der dann lernenden Erkenntnis viel Leid erspart bleibt. Soll ich das Ziel wohl auch in mir selber, durch eigene Erleuchtung suchen? Ich lasse mich überraschen. Wohlgefühle können mir ja wohl nicht schaden.

Achtung, Einstieg nur in den kleinen Wagen!

Der Einstieg ist nur vorn im ersten Wagen. Es erwartet mich dort eine sehr ruhige, entspannte Atmosphäre. Als Erstes fällt mir auf, dass in den einzelnen Abteilen keine Sitzbänke vorhanden sind. Also nur Stehplätze? Na ja, ich habe ja auch nichts bezahlt! Für mich unangenehmer ist es aber, dass man sich untereinander in einer mir unbekannten Sprache unterhält und sich so komisch dabei bewegt.

Reden die über mich? Zeigen die auf mich? Ich verstehe nur Bahnhof. Doch da kommt mir plötzlich eine innere Erleuchtung: Eine Sache wird doch erst recht interessant, wenn man geheimnisvoll in einer dem Laien unverständlichen Sprache spricht. So, wie ja auch die Priester früher in der Kirche nur lateinisch redeten und sich so komisch bewegten, damit man sie nicht verstehen und nachmachen sollte. Es wäre ja auch schlimm, wenn da einfach so jeder auf der Erleuchtungsfahrt (oder dem Erleuchtungspfad) mitfahren würde.

Die nächste Erleuchtung: Wir brauchen nicht stehen, sondern sollen uns in die kleinen Abteile setzen. Auf den Fußboden, mit überkreuzten Beinen. Mein armer Rücken! Und das soll eine Fahrt ohne Leiden werden? Und außerdem wundere ich mich über die vielen Männer in orangefarbenen „Nachthemden“. Bin ich hier etwa im Schlafwagen gelandet?

Eine märchenhafte Reise beginnt

Nachdem wir losgefahren sind, kommt endlich jemand, der mich über das weitere Geschehen aufklärt: Demnach hat die Fahrt überhaupt keinen Zielpunkt. Habe ich richtig gehört? Immer im Kreis herum? Wie damals auf meiner Modelleisenbahn? Ich möchte aussteigen, doch das wird mir plötzlich verboten, weil es innerhalb des Zuges nur eine Richtung gibt und ich später in den großen Anhänger gehen soll. Später werde ich feststellen, dass dieser gar keine Ausgangstüren hat. Letzteres ist mir anfangs gar nicht aufgefallen! Man erklärt mir da etwas von „Karma“, einer „ewigen Kreisfahrt.“ Auf einem Karussell geht das ja noch. Aber auch da hatte ich früher schon Probleme mit meinem Kreislauf! Und dass ich später nach meiner jetzigen Form der Existenz dann mit einem ganz anderen Körper (vielleicht einer Fliege) in diesem Zug sitzen werde…. Und das unendlich immer so weiter….! Gefangen, wie in diesem Zug!

Als Trost verspricht man mir, zunächst in diesem kleinen Anhänger, dem Hinayana, zu lernen, mich mit ganz strikter Disziplin auf mein Inneres zu konzentrieren, damit ich die „Geschwindigkeit meines verwirrten Geistes“ bremsen oder zähmen kann. Das ist angeblich wichtig dazu, dass mein Geist an seinem eigenen Platz ruhen kann. Wo hat der meiner Meinung denn bisher geruht? Ich soll lernen, dass ich allmählich mit all meinen Erfahrungen – egal, ob schlecht oder böse, positiv oder negativ – arbeiten kann, dass alles zähmbar ist. Das Ideal des kleinen Wagens (sorry, Hinanyana) ist die individuelle Befreiung. Wenn ich es also schaffe, aus diesem Zug (Karma) herauszukommen, ist das die endgültige Befreiung, welche mir mittlerweile als „Nirwana“ (der mir genannte Zielbahnhof) bekannt ist. Ein kurzgeschorener Mann sagt mir: „Ihr Menschen im Westen habt die falsche Vorstellung, dass dieser Zug lediglich aus dem Anhänger „Hinayana“ besteht und nur mit der Flucht aus dem elendigen Samsara (endloser, leidvoller Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt) und dem Erreichen von Nirvana beschäftigt!“ Das macht mich neugierig. Wo liegen dann die Unterschiede zwischen den Wagen?

Aber zunächst erzählt er mir noch etwas von den „vier edlen Weisheiten“ (sanskrit catvari aryasatyani) des indischen Prinzen Siddharta Gautama:

• Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll.
• Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung (Geistesgifte).
• Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden.
• Zum Erlöschen des Leidens führt der „Edle Achtfache Pfad“.

Was das nun alles bedeutet, klingt sehr geheimnisvoll und kann man angeblich nur als „Erleuchteter“ verstehen. Es geht aber um Befreiung aus „Fesseln der Täuschung und Anhaftung, Erlöschen von Gier, Hass und Verblendung“ und so weiter…

Der junge Mann erklärt mir, dass in anderen Gegenden auch ähnliche Züge fahren, die das gleiche Ziel haben. Nur die Art und Weise, wie man die Erleuchtung erlangt, sei da manchmal unterschiedlich, wie man das ja auch bei Christen erleben könne.

Der große Wagen

Nun gelange ich in den großen Wagen. Der hat keine Abteile, sondern nur einen großen Raum. Nun soll es über meine individuelle Befreiung hinausgehen. Hier, im „Mahayana“, geht es um die Befreiung aller Lebewesen. Ich soll diszipliniert lernen, andere wichtiger zu nehmen als mich selbst. Der Weg über Meditation und zu lernende Bewegungen ist dabei ähnlich. Entgegen aller Versprechungen fühle ich aber immer noch Durst, Hunger, Zahnschmerzen, Rückenschmerzen etc. und kann immer noch nicht gemütlich auf dem Boden sitzen!

Der Wagen Vajrayna

Nun, nach vielen Übungen und Vorlesungen in fremden Begriffen darf ich nun in den diamantenen oder unzerstörbaren Wagen gehen. Da erzählt man mir von unzerstörbarer Wachheit (ich bin dann nie mehr müde) und von der Entdeckung des in uns immer schon vorhandenen und nun zum Glück erwachten Geisteszustandes. Vajrayana ist demnach unsere makellose Natur, die aber ohne ein umfassendes Training in den beiden vorderen Wagen nicht zu erreichen sein soll. Man nennt das auch den „tantrischen Pfad“.

RAWIWAN Eingang-1

Verschiedene Zusteigebahnhöfe

Auf dem Weg halten wir an vielen Bahnhöfen an, um neue Fahrgäste zusteigen zu lassen. So kommen wir auch durch meine Heimatstadt Hemer. Ich habe in den Zeitungen gelesen, dass dort in dem seit Monaten geschlossenen Thai–Restaurant „RAWI-WAN“ im September 2015 ein neuer Bahnhof für den Zug nach Nirwana entstanden ist. Dort hatte sich ein eingetragener Verein mit dem Namen „Wat Putharan“ niedergelassen. „Wat“ heißt ins Deutsche übersetzt „Tempel“. Bei uns sagt man „Wat fürn Quatsch!“ Ein Tempel in Hemer? Das Restaurant wurde zu einem buddhistischen Tempel umgebaut. Haben wir neben dem Islam nun auch noch den Buddhismus zu befürchten?

Aufwachen! Der Traum der Reise ist zu Ende! Jetzt dämmert es bei mir auf der virtuellen Reise! Zum Glück wache ich aus meinen gedanklichen Träumen der virtuellen Reise auf! Ich sitze nicht auf dem Fußboden, sondern vor meinem Schreibtisch! Neben mir liegt ein Büchlein mit dem Titel „Schwarzbrot“ und die Bibel. Heraus aus den Träumen in die Wirklichkeit von Leben und Tod, von ewigem Verlorensein hin zu ewigem Leben bei unserem einzig wahren, lebendigen, dreieinigen Gott!

Wir brauchen Erlösung durch Jesus Christus allein! Keinen selbsternannten und selbsterlösten Buddha!

2. Joh. 1,7:
„Denn viele Verführer sind in die Welt gekommen, die nicht bekennen Jesus Christus, dass er in das Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Widerchrist“.

Leider ist aber die Gründung des buddhistischen Tempels in Hemer in der Nähe von Dortmund kein Traum.

Bodhi Path

Hier hat sich der o.g. Verein der internationalen Organisation „Bodhi Path“ niedergelassen, die von Shamar Rinpoche (auch bekannt als „Shamarpa“) gegründet wurde und von ihm geleitet wird. Man wirbt damit, dass man „einen offenen, nicht sektiererischen Zugang zum Buddhismus anbietet. Unter Rinpoches Leitung geben Bodhi-Path-Lehrer Anweisungen in buddhistischer Meditation und Philosophie und bieten Anleitung für die buddhistische Praxis. Der Hauptsitz von Shamar Rinpoche und den Bodhi Path Zentren in Europa ist das Zentrum in Renchen-Ulm. Und hier wird den Menschen wieder das Märchen von Gautama, dem Lokomotivführer ins Nirwana, erzählt!

Zum Glück war die Resonanz in Hemer bisher sehr schwach und es türmt sich der Abfall vor dem Tempel. Nur ein kleiner Kreis von Mitgliedern trifft sich in einer Wohnung. Der letzte Vortrag im Tempel war Anfang März 2016.

Ich wünsche Ihnen, Gott dankbar dafür zu sein, dass er uns die Augen öffnet für die Verführungskünste des Satans und wir die Warnung der Bibel vor Vermischung mit anderen Lehren ernst nehmen.