24. Juni 2017

Hare Krishna oder Gottes Liebe?

von Oliver Schmiedel

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Im Zentrum unseres Ortes steht das Rathaus und ihm gegenüber der alte Gasthof „Krone“. Viele Jahre stand diese ehemalige Gastwirtschaft leer. Zwischen den Jahren 2012 und 2013 hieß es auf einmal: „Der Gasthof ist verkauft und hat einen neuen Besitzer“. Von außen sieht man kaum Veränderungen, doch an aufgestellten Schuttcontainern kann jeder erkennen, dass da drinnen gebaut wird.

Es ist spannend und irritierend für die Bürger des Ortes zugleich, dass viele Fremde ihren Pkw mit ausländischem Kennzeichen auf den Dorfplatz abstellen, der fast überquillt. Seltsam gekleidete Menschen laufen auf den Radwegen und auf dem für Spaziergänge geeigneten Güterweg.

Eines Tages prangt ein Schild am alten Gasthof mit der Aufschrift „Lotus Centrum“. Skeptisch und belustigt zugleich sehen die Anwohner auf Menschen, die in einer Art Gebetshaltung durch den Ort spazieren. Scheinbar ganz vertieft in ihren Gedanken, hört man kaum einen Gruß von ihnen. Als müssten sie die Worte zählen, sprechen sie immer wieder das gleiche Gebet.

Inzwischen haben Leute im Dorf herausgefunden, dass diese Gruppe „Hare Krishna“ heißt. Man sieht diese Menschen auf dem Feld, wie sie auf Knien beten und singen. Um mehr über diese Leute zu erfahren, hat die Kirchgemeinde den Sektenbeauftragten aus Dresden zu einem Gemeindeabend eingeladen. Er klärt darüber auf, dass es sich bei „Hare Krishna“ um eine hinduistische Sekte handeln würde.

Das Erlebte Gott anvertraut

Da ich an keinen toten, sondern an einen lebendigen Gott glaube und ihm diene, habe ich dieses ganze Geschehen im Gasthof meinem HERRN im Gebet anvertraut. Besonders beim Spazierengehen komme ich nach dem Alltagsstress zur Ruhe und mit Gott ins Gespräch. An einem warmen Sommertag 2014 gehe ich wie gewohnt meine Runde. Die „Krishnas“ haben wieder Seminarwoche. Aus aller Herren Länder treffen sich die Besucher und blockieren wie gewohnt sämtliche Parkplätze. Als ich den Güterweg entlang gehe, begegne ich einigen von diesen kurzhaarigen und mit Stoff eingewickelten Krishna-Anhängern. Und ich bete: „Herr, wen darf ich ansprechen und von dir erzählen?“ So fasse ich Mut und spreche einen orangefarben gekleideten Mann mit einem farbigem Streifen auf der Stirn an. Er versteht kein Deutsch, und so versuche ich es mit meinen Englischkenntnissen. Wir kommen ins Gespräch. Ich sage, dass mir seine Andersartigkeit aufgefallen ist und frage ihn, worin sein Glaube besteht.

Da fängt er an, von „Liebe“ zu erzählen, von „innerer Heilung“ und vielem mehr. Inzwischen sind wir eine Strecke gemeinsam unterwegs. Und immer wieder, wenn Gleichgesinnte an uns vorübergehen, geschieht etwas Seltsames. Während wir uns unterhalten, verneigen sich die Entgegenkommenden tief. Komisch! Denn alle anderen verneigen sich nicht voreinander. – Als sich mein Gesprächspartner nach meinem Glauben erkundigt, erzähle ich ihm „von der Liebe in Person, von Jesus und Seiner Liebe zu uns sündhaften Menschen“. Ich erzähle ihm, dass „Jesus sein Leben für uns gegeben hat“ und speziell auch für ihn. Er hört mir auch weiter zu, als ich ihm sage: „Jesus hat uns von unserer Schuld befreit und uns mit seinem Blut reingewaschen. Er hat es für uns getan. Wir müssen dieses Geschenk nur annehmen. Jesus lebt und ist auferstanden, man kann ihn erleben.“

Am Ende unseres Gespräches bemerke ich, dass mich mein Gesprächspartner direkt vor das „Krishna Glaubenzentrum“ geführt hat. Vor dem Gebäude bittet er mich hinein mit dem Hinweis, dass „wir dort singen und einen schönen Abend verbringen“ würden. Doch ich lehne dankend ab. In meinen Gedanken segne ich ihn bei der Verabschiedung. Zum Schluss sagt er: „Ich bin der Leiter dieses Seminars“. – Das erklärt mir dann auch die tiefen Verbeugungen seiner „Schüler“. Mir wird bewusst: Gott hat mich den Guru vom „Lotus Centrum“ ansprechen lassen!

So bete ich weiter, dass Gott aus dieser Begegnung etwas machen soll, denn ich selbst kann es nicht. Die Woche darauf gehe ich wieder durch den Ort und bitte meinen HERRN um Seinen Segen für dieses Haus und für die Menschen, die darin ein- und ausgehen. Dabei lege ich meine Hand auf den Putz des Hauses und bete: „Herr, bitte ziehe ein in dieses Gebäude mit deinem Geist. Heilige dieses Haus und mach es zu deinem Haus. Segne alle die darin sind und öffne ihnen die Augen für dich. Führe sie auf deinen Weg und ab von dem falschen Weg, der in die Irre führt. Segne dieses Haus mit deiner Kraft und ziehe ein!“

In diesem Jahr wechselte der Gasthof den Besitzer. Das Gebäude sei, so gehen Gerüchte um, für ein „Krishna-Glaubenszentrum“ zu klein. Doch für mich hat Gott ein Wunder getan. Nun soll die alte „Krone“ Asylsuchenden als Unterkunft dienen. Auch sie brauchen Jesus Christus, der spricht: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan“ (Mt 7,7f).

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Erstveröffentlichung im Brennpunkt Weltanschauung 4/2015