27. März 2017

Tödliche Teufelsaustreibung

Michael Kotsch. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Michael Kotsch. Foto: Thomas Schneider/agwelt

von Michael Kotsch

Für manche ist der Teufel nur ein mittelalterlicher Kinderschreck. Andere halten ihn für einen tollpatschigen Bösewicht aus dem Märchen. Nach Auskunft der Bibel aber ist der Teufel ebenso real wie Engel oder die menschliche Seele.

Als feindlicher Gegenspieler Gottes versucht der Teufel die Menschen auf seine Seite zu ziehen und sie zu verführen. Sie sollen nicht auf das Gute zu hören, sondern ganz egoistisch selbst bestimmen was als Richtig und Falsch zu gelten hat. Daraus entstehen dann Mord und Totschlag, Lug und Betrug, Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit.

Böse Mächte mit selbstentwickelten Therapien vertreiben?

Mancher versucht dem Teufel aber auch etwas überschwänglich alles in die Schuhe zu schieben, was im eigenen Leben und in der ganzen übrigen Welt schief läuft. Demnach lauere der Teufel mit seinen Spießgesellen hinter jeder Ecke und jeder Charakterschwäche. Je mehr man sich jedoch auf den Teufel konzentriert, desto eher gerät man in die Gefahr, Gott aus dem Blick zu verlieren.

Gelegentlich kommen selbsternannte Teufels Austreiber auf sehr schräge Gedanken. Sie diagnostizieren nicht nur bei jeder Krankheit oder jedem Wirbelsturm gleich einen teuflischen Hintergrund. Sie fühlen sich auch berufen, diese bösen Mächte mit selbstentwickelten Therapien zu vertreiben. Manche schwören dabei auf lautes Schreien, um den Teufel und seine Dämonen zu erschrecken. Andere zünden Räucherkerzen an oder versiegeln die Wände mit Kreuzen aus “geweihtem Öl“. Manche Spezialisten in Teufels- Angelegenheiten, oder Exorzisten, wie sich zuweilen nennen, marschieren auf den Straßen und befehlen dem Bösen stimmgewaltig zu verschwinden, wenn ihm das Leben lieb ist. Am gefährlichsten sind diejenigen, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, um den Teufel effektiv zu bannen. Gerade so ein Fall wird aktuell von der Frankfurter Polizei untersucht.

Dämonenaustreibung in einem Frankfurter Hotel

Eine 44 Jahre alte Koreanerin sitzt momentan mit ihrem 21 Jahre alten Sohn, ihrer 19 Jahre alte Tochter und zwei 15 Jahre alte Jungen wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Mordes in Untersuchungshaft.

Erst vor wenigen Tagen haben sich die fünf Koreaner im Frankfurter Hotel „InterContinental“ eingemietet um gemeinsam einer 41jährigen Frau mutmaßliche Dämonen auszutreiben. Die Frau wurde ans Bett gefesselt. Dann schlugen alle Beteiligten zwei Stunden lang auf den Bauch und den Brustkorb des Opfers ein. Sie steckten der Frau auch einen Kleiderbügel aus Draht in den Hals. Damit sollte der vermeintlich im Magen lauernde Dämon vertrieben werden. Um die Schreie der Frau zu unterdrücken, stopfte man ihr ein Handtuch in den Mund. Die Frau erstickte schließlich unter Schmerzen und Panik. Ihre Leiche war von Hämatomen übersät. Nach der Tat riefen die „Exorzisten“ einen katholischen Pfarrer aus Korea, der umgehend die Polizei verständigte.

Seelsorge hat mit religiösem Wahn nichts zu tun

Zwischenzeitlich entdeckten die Behörden ein weiteres Opfer. In einem von den Exorzisten gemieteten Haus bei Sulzbach im Taunus konnte eine verletzte Frau befreit werden. Mit Plastikfolie gefesselt war sie stark unterkühlt und dehydriert.

Zweifellos müssen Menschen, die unter okkulten Phänomenen leiden ernst genommen und seelsorgerlich betreut werden. Religiöser Wahn und Gewalt haben damit aber nichts zu tun. Wenn Jesus Christus einen Menschen von dämonischen Bindungen befreite ging das immer ohne Folterungen und Mord ab: „Und Jesus heilte viele Menschen, die an den verschiedensten Krankheiten litten. Er trieb auch viele Dämonen aus, die er aber nicht zu Wort kommen ließ, weil sie wussten, wer er war.“ (Markus 1, 34)