19. September 2017

Auch unter Christen scheitern immer mehr Ehen

Quelle: idea.de

Der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing beim Sächsischen Gemeindebibeltag. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing beim Sächsischen Gemeindebibeltag. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Glauchau (idea) – Auch in christlichen Kreisen scheitern immer mehr Ehen, „weil selbst die frömmsten Eheleute am Vorbild von lebenslanger Liebe und Treue scheitern“. Das sagte der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing (Dresden) am 31. Oktober beim Sächsischen Gemeindebibeltag in Glauchau. Er stand unter dem Motto „Zukunft Familie – geschenkt?!“. „Es erschüttert mich zu sehen, wie tief in unsere Gemeinden hinein die Anfechtung um sich greift und Ehen zerstört“, erklärte er vor den rund 2.200 Teilnehmern. Es sei eben keinesfalls so, dass alles einfach ist, wenn man nur glaubt. Auch als Christ gerate man in Versuchung. Zwar hätten Christen das Vorrecht, Gott und Seelsorger um Hilfe und Beistand zu bitten. Allerdings beobachte er auch unter ihnen vielfach fehlende Demut und mangelnde Bereitschaft, Hilfe in Anspruch zu nehmen: „Die meisten Ehepartner kommen erst zu einem Seelsorger, wenn die Ehe praktisch schon gescheitert ist.“ Diese Haltung sei symptomatisch für die gesamte Gesellschaft. Niemand wolle sich Schwäche eingestehen. Stattdessen meine man, alles selbst bewältigen zu können. Er wünsche sich, dass Christen ihre Ehen pflegten, um anderen Vorbild zu sein, so Rentzing. Umfragen zufolge wünschen sich bis zu 80 Prozent der jungen Deutschen eine glückliche Ehe mit eigenen Kindern.

Kuby: „Wir befinden uns mitten in einer Kulturrevolution“

Die Publizistin Gabriele Kuby (Rimsting am Chiemsee) sagte, die westliche Kultur sei im Begriff, ihr christliches Menschenbild über Bord zu werfen. Ein Beispiel dafür sei das „Gender-Mainstreaming“. Es geht davon aus, dass es nicht nur Mann und Frau gebe, sondern Tausende unterschiedlicher geschlechtlicher Orientierungen, und dass biologisches und „soziales“ Geschlecht nicht übereinstimmen müssen. Diese Ideologie versuche, den Menschen ihre Identität zu nehmen, so Kuby: „Jetzt dürfen wir nicht mal mehr Mann oder Frau sein.“ Die Europäische Union treibe die Antidiskriminierungsgesetze immer weiter voran. Angebliches Ziel sei es, Diskriminierungen abzubauen. Kuby: „Wir befinden uns mitten in einer Kulturrevolution.“ Ein Merkmal sei die Verwirrung der Sprache. So wisse ein Großteil der Menschen überhaupt nicht, was „Gender-Mainstreaming“ eigentlich bedeute. Verständliche Begriffe wie Keuschheit, Tugend oder Unzucht würden hingegen einfach abgeschafft, weil sie in ihrer Eindeutigkeit nicht in das Weltbild der Gender-Bewegung passten. Scharfe Kritik übte die Katholikin an der Frühsexualisierung von Kindern in Kindergärten und Schulen. Sie bringe die gesamte bürgerliche Gesellschaft zum Einsturz. Die Kinder würden durch viele wechselnde Beziehungen belastet und bindungsunfähig. Sie verlören den Kontakt zu ihren Eltern und zu Gott. Dagegen sollten Christen ihre Stimme erheben: „Wir sind keine rückwärtsgewandten mittelalterlichen Ewiggestrigen. Wir wollen eine Zukunft für unsere Kinder!“

Familienberater: Versucht nicht, euch gegenseitig zu erziehen!

Der Ehe- und Familienberater Dieter Leicht (Oelsnitz) warnte vor Grenzüberschreitungen innerhalb von Familien. Es sei großartig, wenn sich Familien generationsübergreifend unterstützten. Probleme dürften aber nicht von einer Generation auf eine andere abgewälzt werden: „Kinder können die Ehe der Eltern nicht retten.“ Auch sollten Großeltern ihre Probleme nicht bei Eltern – also ihren Kindern – abladen: „Aufgabe der Großeltern ist es, die Eltern zu entlasten, nicht sie zusätzlich zu belasten.“ Zudem riet Leicht, sich nicht gegenseitig erziehen zu wollen. Das funktioniere weder in der Ehe noch zwischen den Generationen. Vielmehr stifteten solche Versuche Streit und Unfrieden.

Über Gemeindegrenzen hinweg Kontakte knüpfen

Wie der Organisator des Gemeindebibeltages, Ralf Gotter (Crimmitschau), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, soll der Tag in erster Linie Christen ermutigen. Gerade in Zeiten von Umbrüchen brauche es Gelegenheiten, an denen sich Christen über Gemeindegrenzen hinweg träfen und Jesus Christus feierten. Besonders für kleinere Gemeinden sei der Gemeindebibeltag eine Ermutigung. Hier könnten sie sich vergewissern, dass sie nicht allein sind. Nach Gotters Worten hat sich Verlegung des Treffens auf den Reformationstag bewährt. Bis 2010 war der Gemeindebibeltag alle zwei Jahre im Juni in Crimmitschau zu Gast. Seit 2011 findet er jährlich am 31. Oktober in Glauchau statt.