28. März 2017

„Den Horror feiern?“

Arno Backhaus. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Arno Backhaus. Foto: Thomas Schneider/agwelt

von Arno Backhaus

Warst Du schon mal in eine Massenkarambolage auf der Autobahn mit 15 Toten verwickelt? Das ist Horror pur!

Wurdest Du als Kind von deinem Onkel oder einem anderen Mann sexuell missbraucht? Das ist Horror pur!

Kennst Du das Gefühl, vom Arzt mitgeteilt zubekommen, dass Du Gehirntumor und noch etwa ein Jahr Lebenserwartung hast? Das ist Horror pur!

Hast Du schon mal in Israel oder im Irak eine Bombenexplosion mitbekommen, und gesehen wie Körper zerfetzt und Körperteile durch die Luft fliegen? Das ist Horror pur!

Warst Du schon mal in der Türkei in Urlaub, und durch ein Erdbeben brach das Hotel über dir zusammen? Das ist Horror pur!

Warst du schon mal an der Gedenkstätte Dachau, in dem Ort an dem die Nationalsozialisten eines ihrer brutalen Konzentrationslager eingerichtet hatten? Das ist Horror pur!

Hast Du Lust, diese Ereignisse und Erlebnisse zu feiern? Warum machst Du dann bei Halloween mit, bei der der Horror und das Schrecken gefeiert wird? Warum unternimmst Du dann nichts gegen diesen Schwachsinn und diese Brutalität von Halloween?

Wie ist Halloween entstanden?

Der Halloween-Brauch stammt ursprünglich aus dem keltischen Raum: in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November verabschiedeten sich die Druiden vom Sommer -der Jahreszeit der Göttin- und feierten die Herrschaft des Todesfürsten Samhain, der während des Winters regiert. Im keltischen Kalender symbolisiert dieser Tag den Jahreswechsel. Obwohl dieser Brauch noch aus den Zeiten vor Christus stammt, wurde er auch noch bis in die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung exzessiv zelebriert. Da in dieser Nacht nach keltischem Glauben das Leben (der Sommer) die Herrschaft für ein halbes Jahr an den Tod (den Winter) abgibt, glaubte man, daß es ein besonders günstiger Moment wäre, damit sich die Toten unter die Lebenden mischen können. Man glaubte, daß sich die Toten für ein Jahr lang den Körper eines Lebenden suchen. Daher wurden Ihnen Opfer gebracht, damit sie nicht den eigenen Körper auswählten.

Außerdem glaubte man, dass die Trennwand zwischen der Welt der Toten und der Lebenden an diesem Abend besonders dünn ist und man daher besonders einfach mit den Toten in Kontakt treten kann. Um diesen Kontakt besonders einfach herstellen zu können, wurde gefeiert und den Toten allerlei Leckereien angeboten, auf dass sie gerne und für kurze Zeit auf die Erde zurück kehren sollten. So wollte man auch nach dem Tod von Verwandten den Kontakt zu ihnen aufrecht erhalten.

Es war ein großes Fest, mit Lagerfeuer und Festmahl. Aufgrund des Jahreswechsels wurde meditiert und Voraussagungen für das nächste Jahr gemacht: Es ging um Krieg, Frieden, Politik, Ernten und Krankheiten. Den Göttern wurden Opfer dargebracht, um sie möglichst gnädig zu stimmen.

Die Iren haben diesen Brauch etwas abgewandelt. Sie haben sich in dieser Nacht möglichst schrecklich angezogen und verkleidet, damit die Toten und Geister an Ihnen vorbeigehen und sie nicht als Lebende erkennen. Die Masken und Verkleidungen dienten zur Abschreckung.

Christianisierung Halloweens

Mittlerweile ist Allerheiligen ein „christlicher“ Brauch geworden. Bis dahin war es allerdings ein langer harter Kampf. Die Menschen waren zwar relativ leicht davon zu überzeugen, die damals neue Religion, das Christentum, anzunehmen, allerdings haben Sie oft an Ihren alten heidnischen Bräuchen und Traditionen festgehalten. Um die Gläubigen vor Sünden zu bewahren wurden die alten Bräuche einfach christianisiert.

Im Jahre 837 verfügte Papst Gregor IV, dass an Samhain ebenfalls Tote geehrt werden sollten. So setzte man für den 1. November Allerheiligen an und am darauf folgenden Tag Allerseelen. Dies hatte zur Konsequenz, daß sich die einfachen Menschen nicht umstellen mussten und man sagen konnte, man habe erfolgreich die heidnischen Bräuche bekämpft.

Gerade im keltischen Raum ließ sich allerdings die Feier im ursprünglichen – heidnischen – Sinne nicht vertreiben. Im 16. Jahrhundert entstand der eigentliche Name Halloween. Die protestantische Kirche führte den Namen All Hallowed Evening ein. Bis zu diesem Zeitpunkt war die eigentliche Halloween-Nacht noch nicht christlich aber durch diese spezielle Betitelung war der Brauch endgültig christianisiert.

In Amerika kehrte man zum alten Brauchtum von Halloween zurück. Das Fest wurde modernisiert und mit der Zeit hat es seine jetzige Form angenommen: ein herzlich wenig christliches Fest, bei dem sehr vielen heidnischen Bräuchen gefrönt wird. Kinder ziehen verkleidet durch die Straßen und Klingen an den Häusern, um um Süßigkeiten zu bitten. Hierbei wird der typische Spruch: „Trick or Treats“ (Streiche oder Süßes) gerufen. Entsprechend dem Spruch werden den Kindern unterschiedlichste Süßigkeiten zugesteckt, falls nicht wird den Hausbesitzern ein Streich gespielt.

Arno Backhaus

Quelle: Der etwas andere Njus-Lätter, Oktober 2015

www.arno-backhaus.de