16. Dezember 2017

Jesus ist Fundamentalist

DEK

(AG WELT) Michael Kotsch, Vorsitzender des Bibelbundes und der Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen, hat zum Deutschen Evangelischen Kirchentag, der vom 3. bis 7. Juni in Stuttgart stattfindet, folgende Stellungnahme abgegeben:

Auch auf dem diesjährigen Kirchentag in Stuttgart haben bibelkritische Theologen wieder einmal ihren Absolutheitsanspruch auf die einzig legitime Bibelinterpretation bekräftigt. Eigenen Aussagen entsprechend betrachten sie sich als „mutig“ und zeitgemäß, weil, sie alle Aussagen der Bibel anhand des gegenwärtigen Zeitgeistes in Frage stellen. „Angst“ und Dummheit werfen sie all denen vor, die die Bibel als genaue und zuverlässige Offenbarung Gottes betrachten („Fundamentalisten“). Dabei braucht es nur wenig „Mut“, die Bibel immer wieder neu der jeweils vorherrschenden Sicht der Dinge anzupassen. Echter Mut hingegen ist nötig, um die Grenzen eigener Erkenntnismöglichkeiten und momentaner Wissenschaft demütig zu benennen und dem gesellschaftlichen Zeitgeist mit dem Weltbild der Bibel einen ideologiekritischen Spiegel vorzuhalten.

Bibelkritische Theologen maßen sich Interpretationshoheit über Jesu Worte an

Jesus jedenfalls war offensichtlich ebenso „Fundamentalist“ wie Petrus und Paulus, Luther und Calvin. Jesus nahm die Bibel wörtlich, er warnte seine Zuhörer auch nur einen Buchstaben der Offenbarung Gottes des Alten Testaments zu verändern (vgl. Mt 5, 17ff.). Doch bibelkritische Theologen beeindruckt das nur wenig. Denn gewöhnlich maßen sie sich die Interpretationshoheit über die Worte Jesu an. Dabei schauen sie gerne in einem akademischen Dünkel auf alle herab, die davon ausgehen, dass die Bibel eine zuverlässige Offenbarung Gottes ist. Man schmückt sich gerne mit dem Attribut „wissenschaftlich“ und meint damit eigentlich eine Übereinstimmung mit der momentan vorherrschenden Weltsicht (z.B. Prof. Christoph Dinkel). Weichen Gottes Aussagen in der Bibel von dieser Sicht der Wissenschaft ab, werden gewöhnlich die biblischen Aussagen nachgebessert oder uminterpretiert:

Sühnetod Jesu eine Missinterpretation?

Weil man sich echte Prophetie nicht vorstellen kann, degradiert man sie zu späteren Fälschungen oder bloßen politischen Spekulationen. Weil man sich keine echten, übernatürlichen Wunder vorstellen kann, degradiert man dementsprechende Berichte zu frommen Erfindungen frühchristlicher Prediger (z.B. Prof. Christoph Dinkel). Weil man sich keine Totenauferstehung vorstellen kann, degradiert man die Auferstehung Jesu wahlweise zur esoterischen Hoffnung oder zur historischen Ungenauigkeit (z.B. Prof. Christoph Dinkel). Weil man sich keine Schöpfung Gottes vorstellen kann, erklärt man die Bibel für metaphorisch und mythologisch(z.B. Prof. Heinzpeter Hempelmann). Weil man die biblische Sündenvergebung für altmodisch, grausam und archaisch überholt betrachtet, erklärt man Sünde für weitgehend irrelevant und den Sühnetod Jesu für eine Missinterpretation. Weil sich diese Umdeutungen der Bibel besser mit der momentan vorherrschenden säkularen Weltsicht vertragen, bewirbt man sie als zeitgemäß und wissenschaftlich.

Es ist ein Zeichen von Mut, wenn man Gottes Wort mehr Vertrauen schenkt

Für fast jeden Christen, ganz gleich ob Theologe und Laie, galt die Bibel bis vor 200 Jahren als absolut glaubwürdige Offenbarung Gottes, die alles menschliche Denken begrenzt und gegebenenfalls auch korrigiert. Die sich „wissenschaftliche Theologie“ nennende Weltsicht präsentiert ihre eigenen, zeitlich befristeten und an gesellschaftlichen Moden orientierten Interpretationen, als die allein angemessene Methode zum „richtigen“ Verständnis der Bibel (z.B. Prof. Heinzpeter Hempelmann). Wenn Jesus und Paulus, Augustinus und Thomas von Aquin, Luther und Calvin, Francke und Bengel, Bodelschwingh und Billy Graham die Bibel als absolut gültige Offenbarung Gottes betrachteten und deshalb von „wissenschaftlichen Theologen“ als „Fundamentalisten“ diffamiert werden (z.B. Prof. Wilhelm Eppler), befinden sich bibeltreue Christen die heute Ähnliches glauben in durchaus guter Gesellschaft. Es ist kein Zeichen von Angst, sondern ganz im Gegenteil ein Zeichen von Mut, wenn man im Gegensatz zum vorherrschenden gesellschaftlichen Mainstream Gottes Wort mehr Vertrauen schenkt als eigenen Spekulationen, sowie kurzfristig akzeptierten Interpretationen und Weltbildern.

Wenn ein absolut weiser und irrtumsloser Gott sich den Menschen mitteilen will, dann ist auch das, was er mitteilt, absolut weise und irrtumslos.

Kommentare

  1. Baldur Gscheidle meint:

    Dieser Kirchentag in Stuttgart ist alles andere als evangelisch, betrachtet man diesen Begriff im klassischen Sinn. Der KT ist heute bunt, rot, grün, tiefrot, schwarz und etwas gelb. Die Politiker dieser Farben geben sich gerade die Klinke in die Hand – jeder von ihnen weiß, wie unsere Welt zu retten und zu verbessern ist.

    Dazu die Regenbogenvertreter von LSBTTIQ-P. Sogar Christliche Sadomasochisten sind wieder auf dem KT vertreten. Dagegen sucht man vergeblich nach Lebensschützern die gegen die Abtreibung in unserem Land aufstehen. Auch Gabriel Stängle der mit der Petition gegen den Bildungsplan und der Frühsexualisierung von Grün/Rot mit 192.000 Unterschriften bekannt wurde, findet sich weder beim Kirchentag noch auf dem Christustag.

    Und was überhaupt nicht auf den 620 Seiten des Programms des Kirchentags findet – ist der Name JESUS CHRISTUS. Somit kann der KT weder evangelisch noch christlich genannt werden!