18. Oktober 2017

Christi Himmelfahrt ein Vatertag?

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Von Thomas Schneider

Während Christen seit dem 4. Jahrhundert am 40. Tag des Osterfestkreises „Christi Himmelfahrt“ feiern, hat sich zu diesem Datum im Weltlichen der „Vatertag“ etabliert. Er ist gewissermaßen ein Pendant zum Muttertag.

Christen gedenken 39 Tage nach dem Ostersonntag der Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem himmlischen Vater und bekennen im Apostolischen wie im Nicänischen Glaubensbekenntnis die Worte „aufgefahren in den Himmel“. Die Himmelfahrt Jesu ist eine bedeutende Tatsache für Christen. Jesus hat ihre Sünden auf dem Kreuz getragen, ist aufgenommen worden in Herrlichkeit und sitzt zur Rechten Gottes.

Jeder 2. Deutsche verknüpft „Himmelfahrt“ mit „Vatertag“

Heute verknüpft jeder 2. Deutsche (48 Prozent) „Christi Himmelfahrt“ mit dem „Vatertag“. Nur 39 Prozent verbinden dieses Fest mit der Auffahrt Jesu in den Himmel. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa-Consulere (Erfurt) im Auftrag von idea.

Entstanden ist der „Vatertag“ in den USA im Gedenken an einen Kriegsveteranen, dessen Ehefrau während der Geburt ihres sechsten Kindes starb und er dann aufopferungsvoll alle seine Kinder allein aufzog. Bald schon verbreitete sich der Gedanke in vielen Ländern, für Väter einen Gedenktag zu schaffen.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es in Deutschland die heutige Form der beliebten „Vatertag“-Feiern. Seither treffen sich Männer zu spontanen oder auch organisierten Ausflügen (so genannten „Herrenfahrten“), um ihre Männlichkeit unter Beweis zu stellen, die nicht selten in Saufgelagen ihre unsittlichen Auswüchse zeigt. Laut Statistischem Bundesamt erreicht an einem solchen Tag die Zahl der durch Alkohol bedingten Verkehrsunfälle einen Jahreshöhepunkt.

Wenn Christen ihren Glauben vorleben…

Sicher unbewusst wurde der Begriff „Vatertag“ gewählt. Aber er erinnert daran, dass die „Vater“-Rolle – mit ihrer hohen Verantwortung für die von Gott gestiftete Familie mit Vater, Mutter und Kindern – prägend sein muss, wenn das Familienleben im Kleinen und das Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft gelingen soll.

Wenn Christen zu Christi Himmelfahrt und in ihrem praktischen Alltag öffentlich ihren Glauben vorleben, dass sie der himmlische Vater wunderbar führt und begleitet, kann es für Menschen, die auf der Suche nach Gott sind, nicht nur vorbildhafte Wirkung haben, sondern ihnen auch das Herz für Gott öffnen. Christi Himmelfahrt wäre dann im Sinne Jesu ein echter Vater-Tag, ein Herren-Tag, an dem der Herr des Lebens der Mittelpunkt ist.

Kommentare

  1. Jutta meint:

    Ich habe – auch als ich noch ungläubig war – nie den Sinn des sogenannten „Vatertages“ verstanden. Nur eines wird mir immer bewusster: Es gibt nur noch ganz wenige Frauen, die ihre Männer als Oberhaupt und Ernährer mit Verantwortung gelten lassen wollen. Frauen wissen nämlich immer alles besser. Kein Wunder, dass sie ein Ritual brauchen, diese Männer. Männer werden permanent bevormundet. Die Frauen wollten „beste Freundinnen“ haben und jetzt jammern sie, dass sie keine Männer mehr haben. Und dann wandert man vom einen zum andern, in der Hoffnnung, seinen „Meister“ zu finden. Gebe GOTT Gnade, dass wir kraftvoll gerade den Männern unseren Glauben bezeugen und sie zum Nachdenken bringen können. Dass wir ihnen bezeugen, wie wichtig Väter für GOTT sind und wie großartig die Aufgabe, die ER ihnen zugedacht hat. Dass auch viele Frauen – auch christliche – das erkennen mögen und das in ihr Leben, in ihr Denken und Handeln mit einbeziehen.

  2. Baldur Gscheidle meint:

    Von vielen Theologen werden die Berichte von der Auferstehung Jesu wie im NT berichtet, als nicht der Wahrheit entsprechend angesehen. Somit natürlich auch die Himmelfahrt Jesu zu Seinem Vater. In der z. B. von Frau Käßmann verantworteten Zeitschrift CHRISMON (12/2008) werden die Evangelienberichte zur Geburt Jesu als Legenden bezeichnetet, was auch der Ansicht von Frau Käßmann entsprechen dürfte. Dem SPIEGEL (30/2013) sagte sie, dass Joseph der Vater von Jesus gewesen sei. Damit erklärt sie das Apostolische Glaubensbekenntnis für falsch. Wenn Joseph der Vater von Jesus war, kann Jesus nicht der eingeborene Sohn Gottes sein, der Mensch wurde zu unserer Erlösung.

    Aus Käßmanns Bekenntnis zur Theologie des 21. Jahrhunderts, die historisch-kritisch geprägt ist, und aus ihrer Osterpredigt 2001 ist zu schließen, dass ihrer Meinung nach Jesus im Grab verwest ist und dass die Auferstehung lediglich ein undefinierbares spirituelles Phänomen war. Käßmann formulierte“ „Mit dem Tod Jesu am Kreuz war eben nicht alles zu Ende.“

    So ist „Jesus ist in den Glauben der Jünger hinein auferstanden“, auferstanden im so genannten „Kerygma“. Dazu kann man auch sagen, „in der Phantasie“ des Menschen. Dort lebt ER weiter. Der Jesus der Evangelien wird von der Theologie vom historischen Jesus unterschieden, weil die Evangelien nach einhelliger Meinung der Fachwelt, oder zumindest der historisch-kritischen Exegese, nicht wörtlich zu nehmen, nicht als historische Berichte zu verstehen sind. Nun sind die Evangelien, die uns vom Leben und Wirken Jesu berichten, alles andere als historische Schriften, die sich den Tatsachen verpflichtet fühlen. Die Beschreibung des Prozesses Jesu im Neuen Testament halten moderne Historiker für erfunden.  Niemals hat Jesus behauptet, durch seinen Tod würde die Menschheit von ihren Sünden erlöst. Diese Lehre stammt von Pau­lus, keinesfalls von Jesus selbst. Die Jesus zugeschriebenen Wunder hält man heute für erfunden.

    Dieser „historische Jesus” also ist Gegenstand wissenschaftlicher For­schungen und wird auch in theologischen Seminaren behandelt. Man kann davon ausgehen, dass jeder mo­dern ausgebildete christliche Geist­liche über diese For­schungs­er­gebnisse unterrichtet ist.

    In unserer Zeit gilt ja die Wis­sen­schaft als die zuverlässigste Quelle der Wahrheit. Selbst Theologen be­rufen sich nicht selten auf wissenschaftliche Ergebnisse, besonders wenn diese ihre Ansichten zu stützen scheinen, und verdrängen dann den alten Zwiespalt zwischen Wis­sen­schaft und Religion.
    Wenn nun unanfechtbare Ergeb­nisse wissenschaftlicher Forschung zu beweisen scheinen, daß die soge­nann­­ten „christlichen Grundwahr­hei­ten” (z.B. die Erlösung der Mensch­heit durch den Opfertod Jesu) nicht auf Jesus zurückzufüh­ren sind, sondern von Paulus in die Theologie eingebracht wurden, ge­ra­ten jahrhundertealte christliche Glaubenssätze ins Wanken. So ist es nicht verwunderlich, wenn die Kirchenmitglieder beider Konfessionen nicht den Tag der Himmelfahrt feiern, sondern lieber den „Vatertag“ mit Bier und Ausflug ins Grüne begehen – auch wenn viele der „Bierseligen“ keineswegs Väter sind. So ist festzuhalten, dass in erster Linie die Kirchen Schuld an dieser Entwicklung haben!