11. Dezember 2017

Der alte Mann und die Berliner Erklärung

Berliner Erklärung. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Berliner Erklärung. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Von Rolf Müller

Im Jahr 1909 verfassten führende Vertreter der Evangelischen Allianz und der Gemeinschaftsbewegung die „Berliner Erklärung“.

Sie war ein Schutzwall gegen den Einbruch des Schwarmgeistes in Deutschland. Seit dem Zustandekommen der „Kasseler Erklärung“ 1996 zwischen der Deutschen Evangelischen Allianz und dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden „sei die Ära der Berliner Erklärung vorbei“. Die „Kasseler Erklärung“ wurde von charismatischer Seite als Jahrhundertereignis bezeichnet. Das sei ein Meilenstein zu größerer Einheit.

Der alte Mann bezweifelt,…

Der alte Mann bezweifelt, dass sich die Pfingst- und charismatische Bewegung heute grundlegend geändert hat. Die alten Irrlehren sind noch aktuell. Man behauptet, es sei inzwischen Vertrauen gewachsen. „Die Pietisten sind charismatischer und die Charismatiker sind pietistischer geworden“. Mit neuem Schwung schreitet die Vereinigung voran. Die Klärung von Lehrfragen tritt in den Hintergrund. Es ist ein Trick Satans, wenn gesagt wird, die Sache in Kassel damals sei von unten gewesen, aber heute sei der Schwarmgeist identisch mit dem Heiligen Geist. Diese Beurteilung ist falsch und führt in die Irre. Sie ist unehrlich und kennt diesen Geist nicht. Man kann die Auswüchse dieser Bewegung nicht einfach ignorieren. Der alte Mann gibt zu bedenken: Es ist derselbe Truggeist bis heute geblieben. Sein Ziel ist es, die Gemeinde Jesu irrezuführen. Das Ergebnis ist unbiblische „Frucht“. Die Gemeinde wird auf ein Nebengleis geführt. Es ist ein falscher Geist mit spiritistischen Begleiterscheinungen am Werk, der zu Spaltungen führt.

Verblendung und Mangel an Gottesfurcht

Wenn die DEA heute Vertreter dieser Bewegung in den Hauptvorstand holt, weil sie meint, die Bewegung sei „gereinigt“, dann beweist die Allianz nur ihre Blauäugigkeit und ihre Unfähigkeit, Geister zu unterscheiden. Diese Bewegung bringt prophetische Botschaften hervor, die neben die Bibel gestellt werden und die sich oft als Lügenprophetie erweisen. Sollten solche Botschaften vom Heiligen Geist gewirkt sein? Brauchen wir eine neue Bibel neben der alten?

Dem alten Mann ist aufgefallen, dass die Führer dieser Bewegung eine oberflächliche, leichtfertige Art der Schriftauslegung praktizieren. Sie sind im Grunde unbelehrbar. Die Folge ist Trennung unter den Kindern Gottes. Auffallend sind auch die häufigen Entgleisungen auf sittlichem Gebiet. Das deutet nicht gerade auf die Wirkung des Heiligen Geistes hin. Darüber können auch schöne Worte und feurige Predigten nicht hinweg täuschen.

Der alte Mann hat erlebt, wie sich in dieser Bewegung Verblendung und Mangel an Gottesfurcht zeigen als Folge unbiblischer Lehren. Darf man das als unterschiedlichen Frömmigkeitsstil abtun und unter den Teppich kehren?

Damalige Gegner sind zu Anhängern geworden

Zur Zeit der „Berliner Erklärung“ gab es Gegner und Befürworter der Pfingstbewegung und auch „Neutrale“. In der Gegenwart, wo die Berliner Erklärung nur noch als historisches Dokument gilt, sind die damaligen Gegner (Allianz) zu Anhängern geworden. „Neutrale“ gibt es kaum noch und die wenigen Gegner werden als ewiggestrige Fundamentalisten diffamiert. Die Fronten haben sich verändert. Dem Schwarmgeist wird von evangelikaler Seite nichts mehr entgegengesetzt. Es erfüllt sich die biblische Prophetie für die letzte Zeit.

Als die ARD eine Reportage über radikale Christen ausstrahlte und dabei fast ausschließlich aus charismatischen Gemeinden berichtete, war die Empörung bei der Allianz groß. Den alten Mann wundert das nicht. Die Verantwortlichen der DEA haben sich die Extremcharismatiker ja selbst ins Boot (in den Hauptvorstand) geholt. Da sind doch die entsprechenden Reaktionen vorhersehbar gewesen.

Nach der Schrift weist der Heilige Geist auf Christus hin

Die charismatische Bewegung beschäftigt sich in unbiblischer Weise mit dem Heiligen Geist. Sie versucht ihn zu manipulieren und für ihre Zwecke zu benutzen. Wer aber eine höhere Offenbarung über Christus hinaus erzwingen will, kommt unter den Einfluss fremder Geister. Nach der Schrift weist der Heilige Geist auf Christus hin. Er will nicht selbst im Mittelpunkt stehen, er macht Christus groß.

Die Leiter der charismatischen Bewegung sind betrogene Verführer, aber sie merken es nicht. Sie führen viele Menschen auf einen Irrweg, weil sie den in ihren Versammlungen wirkenden Irrgeist für den Heiligen Geist halten. Das ist gefährlich und ein Betrug des Feindes. Der alte Mann weist darauf hin, dass wir nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen haben, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Das zeigt sich an den vielen Menschen, die in dieser Bewegung besessen wurden, die in die Psychiatrie kamen und in den Selbstmord getrieben wurden. Die depressiv und nervenkrank wurden und in zahlreiche Seelenkämpfe hineingerieten, aus denen sie kaum wieder herauskamen.

Der alte Mann könnte jetzt aus seiner Familie, aus seinem Bekanntenkreis, aus seiner Gemeinde und aus den Berichten der Väter im Glauben unzählige Beispiele und konkrete Fakten anführen, die das belegen. Das wäre sicher interessant, würde aber den Rahmen dieses Beitrages sprengen.

Hoffentlich nicht durch „neue Offenbarungen“

Den alten Mann erschüttert, dass diese Bewegung heute immer weiter um sich greift. Sie ist eine der am schnellsten wachsenden Gruppierungen der Christenheit. Er versteht nicht, dass viele namhafte Brüder innerhalb der Allianz und Gemeinschaften eine positive Haltung zur Pfingstbewegung einnehmen. Der alte Mann findet das naiv oder sogar verantwortungslos, weil sie sich als Wegbereiter für den Schwarmgeist gebrauchen lassen. Wenn heutige Verantwortliche behaupten: „Wir wissen, dass in Allianz und charismatischer Bewegung der Heilige Geist wirkt“, drängen sich dem alten Mann einige Fragen auf: Woher wissen wir das? Hoffentlich nicht durch „neue Offenbarungen“.

Dem alten Mann ist klar, dass nach der Schrift dieser Schwarmgeist ein Irrgeist ist. Die Bibel sagt deutlich, dass in den letzten Zeiten verführerische Geister kommen werden. Sie sind schon in der Welt. Diese Geister stellen sich fromm. Sie besitzen eine hohe Intelligenz, sind hochmütig und geben sich für Christus aus. Sie verstellen sich als Engel des Lichts, verfälschen das Wort Gotters und säen Zweifel an der Wahrheit der Bibel. Diese Geister vertragen keinen Widerspruch. Sie unterwandern die Gemeinde Jesu. Sie legen es darauf an, passiv zu machen und den Verstand auszuschalten.

Es ist ein köstliches Ding, dass das Herz fest werde

Der alte Mann wünscht sich für die Gemeinde den rechten Durchblick, den rechten Mut, die rechte Demut und den rechten Gehorsam im Glaubensleben. Leider drücken sich die Verantwortlichen im bibeltreuen Lager heute vor einer aufrichtigen Prüfung der Geister. Sie ist uns in 1. Johannes 4,1 aber ausdrücklich aufgetragen. Wir dürfen uns nicht von einem betrügerischen Geist, der aus der Finsternis kommt, täuschen lassen. Dieser Geist lenkt vom Sühnopfer Jesu ab, verbreitet Lügen und falsche Lehren und spaltet und zerrüttet die Gemeinde.

Was können und sollen wir tun? Der alte Mann möchte ermutigen, am Wort zu bleiben und treu unserem Herrn nachzufolgen. Das ist nicht einfach. Der Wind bläst den Gläubigen ins Gesicht. Aber der Herr wird uns ans Ziel seiner Herrlichkeit bringen. Wir wollen uns eng an ihn halten, sein Wort bewahren und seinen Namen nicht verleugnen. Der Herr möge uns ein festes Herz schenken. Ein festes Herz ist gelassen und verzagt nicht. Es lässt sich nicht durch Irrlehren aus der Bahn bringen. Es ist ein köstliches Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht aus Gnade.

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Anmerkung der Redaktion: Dieser Kommentar ist ein Hilfeschrei eines bekennenden Christen. Wer ihm eine Nachricht zukommen lassen möchte, kann diese gern an folgende Mailadresse senden: rolfm.hasslau@freenet.de

Kommentare

  1. Baldur Gscheidle meint:

    Danke! diesen Artikel kann ich nur voll unterstreichen! Leider haben sich die DEA und GNADAU weit dieser Irrlehre geöffnet. Sie haben den „schmalen Weg“ verlassen und marschieren weiter auf dem „breiten Weg“ – und führen dazu ihre Schafe in die Irre.

  2. Gerne will ich noch folgenden ergänzen: Die Lehre eines 2.Segens schadet oft dem echten Wirken des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist ein Gnadengeschenk und nicht durch Warteversammlungen oder ähnliches zu erreichen. Dies bedient oft in den Gemeinden nur den Stolz: „Ich bin besser, ich habe einen zusätzlichen Segen“ wobei viele Geschwister in diesen Gemeinden den ehrlichen Wunsch haben Jesus groß zu machen und nach seinem Willen zu leben. Zur WEA und DEA: Dieser Punkt hat mich auch erschüttert, wer nun alles im Vorstand der DEA ist, würde aber die Öffnung für die Charismatiker trotzdem nicht so hoch hängen, denn: Passt das einfach nicht in die allgemeine Entwicklung der Allianzen? Stichworte dazu Homosexualität, kath. Kirche und Ökumene, Öffnung zu Neuapostolischen und Mormonen, Öffnung zu liberaler Theologie.

  3. Baldur Gscheidle meint:

    Wie sich doch die Zeiten geändert haben! Im Zusammenhang mit dem Torontosegen schrieb einst Christoph Morgner, er war damals Präses des Gnadauer Verbandes und Mitglied im Gesamtvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz in „idea“ zum Thema Berliner Erklärung: „Wir benötigen KEINE neue Erklärung. die alte reicht völlig aus. Diese Erklärung wurde vor allem durch die Vorgänge in Kassel ausgelöst, die ähnlichen Charakter hatten, wie die des „Torontosegens“ heute. Damals musste die Polizei einschreiten. Welch eine Schande für das Evangelium! Ich rate allen, die Berliner Erklärung, um derentwillen wir in der Gemeinschaftsbewegung von Pfingstlern und Charismatikern heftig gescholten werden, hervor zu holen und darin gründlich zu lesen. eine derartige Bewegung als von Gott geschenkt anzuerkennen, ist uns unmöglich! …“ (idea Nr. 13 vom 29.3.1995). Während Allianz und Gnadau sich noch mehr oder weniger heftig öffentlich gegen die Aufhebung der Berliner Erklärung wandten, saßen die DEA und Pfingstler schon lange Jahre miteinander am Verhandlungstisch. Im Jahre 1996 war in derselben Zeitschrift unter dem Titel „Ein Jahrhundertereignis“ zu lesen, dass diese trennende BE nun doch endlich sozusagen vom Tisch ist. Alles mit schönen Worten diplomatisch umhüllt und so hingestellt, dass man denken konnte, es ist nun doch alles wieder in bester biblischer Ordnung, diese Kreise sind in sich gegangen und haben sich geändert. Die außerbiblischen Phänomene und falschen Lehren sind zur Seite gelegt, jetzt kann man wieder ganz neu miteinander beginnen. Pfingst- und charismatische Zeitschriften sprechen dagegen von einem Sieg, einem neuen Aufbruch. „Endlich ist dieses Hemmnis, die BE vom Tisch.“ Liest man nun die Unterschriften unter diesem neuen Dokument, „Kasseler Erklärung“ genannt, so findet man hier neben Rolf Hille, Hartmut Steeb, Peter Strauch auch den schon erwähnten Pfarrer Christoph Morgner. Alles Leute der DEA. (idea Nr. 27 vom 3. 7. 1996) Heute sind verschiedene Leute die damals den Torontosegen in ihren Gemeinden praktiziert haben und diese Erscheinungen als vom „heiligen Geist gezeugt“ proklamiert haben nun sogar Vorstandsmitglieder der DEA geworden!
    Kein Wunder, wenn Rolf Müller seine tiefe Besorgnis ausdrückt!