20. August 2017

Was eine Kirchenzeitung so alles publiziert

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Von Thomas Schneider

So viele Kirchenzeitungen gibt es Gott sei Dank nicht mehr.

„Wie bitte?“ mögen jetzt einige Leser fragen.

Ja, Gott sei Dank! Denn was die meisten dieser Zeitungen publizieren, sollte die „Ekklesia“, die Gemeinschaft der von Jesus Christus Herausgerufenen, möglichst erst nach dem Lesen der Bibel (oder besser gar nicht) konsumieren.

Kurz vor Weihnachten schickte mir ein Glaubensbruder per Fax einige Seiten der 16. Ausgabe der „Kirchenzeitung Karlsruhe“, eine Beilage der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN), der Evangelischen Kirche in Karlsruhe, der Katholischen Kirche Dekanat Karlsruhe und des Evangelischen Kirchenbezirks Karlsruhe-Land.

Abraham verehren?

Bereits auf der Titelseite der Ausgabe vom 28. November 2014, also rechtzeitig zum Beginn der Advents- und Weihnachtszeit, wird dem Leser ein „Gemeinsamer Weg: Juden, Christen und Muslime“ angekündigt.

Auf Seite 7 beginnt dann der katholische Autor Stephan Lange seinen Beitrag mit der Überschrift „Juden, Christen und Muslime sind sich näher, als viele denken“. Der Schreiber behauptet, dass alle drei Religionen Abraham verehrten. Woher er diese Weisheit nimmt, ist rätselhaft. Müsste er doch wissen, dass Christen den Gottessohn Jesus Christus und seinen Vater verehren und keinen Menschen. Was dem Fass den Boden ausschlägt, ist Langes Lob auf Mohammed, einem Mann, dem ein Gott mit dem Namen „Allah“ sein Wort gesandt haben soll. Mohammed habe, so Lange, „die Aufsplitterungen des Christentums als Zeichen für den Abfall von der ursprünglichen Botschaft“ gewertet. Lange wörtlich: „Sein (Mohammeds) Gegenmodell ist das eindringliche Bekenntnis zur Einheit, wie es der Koran verkündet: `Haltet allesamt am Seil Gottes fest und spaltet euch nicht in verschiedene Gruppen`(Sure 3).“ Deshalb verstünden sich die „abrahamitischen Religionen zumeist als gemeinsam auf dem Weg“, meint Lange, und stützt seine These auf das Zweite Vatikanische Konzil:

„Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.“

Antimuslimischer Rassismus?

Gleich über Langes Beitrag bringt die evangelische Pfarrerin der Luthergemeinde Karlsruhe, Ulrike Krumm, mit ihrem Kommentar unter der Überschrift „Islamophobie oder Islamfeindlichkeit“ die Historikerin Yasemin Shooman ins Spiel, die dafür plädiert, „nicht von Islamophobie, sondern von antimuslimischem Rassismus zu sprechen.“

Krumm weiter: „Das Wort Islamphobie tut so, als gäbe es ´den´ Islam, mit dem man ´die´ Muslime übereinen Kamm scheren könnte.“ – Die Pfarrerin schreibt: „Aber wir tragen Verantwortung – gerade auch für die Worte, die wir wählen.“ Recht hat sie! Nur weiß sie vermutlicht nicht, dass es nur einen Koran gibt, der dazu aufruft, Christen und Juden zu vernichten. Krumm ist Vorsitzende der „Christlich-Islamischen Gesellschaft Karlsruhe e.V.“.

Zusammenführung der Religionen?

Auf Seite 8 der Kirchenzeitung will Matthias Karl den Leser für Online-Learning-Kurse begeistern, mit der das sogenannte Roncalli-Forum „neue Wege in der Erwachsenenbildung“ beschreite. Einer der Kurse trägt den Titel „Die Weltreligionen und der Frieden“. In Kooperation mit der „Stiftung Weltethos“ zeige der Learning-Kurs auf, „welche Grundüberzeugungen den fünf großen Weltreligionen zugrunde“ liegen würden. Dabei werde deutlich, dass Juden, Christen, Muslime, Buddhisten und Hindus mehr verbinde als trenne. Ziel sei es, „die Religionen im Geiste des Friedens zusammenzuführen“. Den Lesern der „Kirchenzeitung“ wird vorgegaukelt, dass es eine Zusammenführung der Religionen geben könne, wie sie der Tübinger Theologe Hans Küng mit der von ihm initiierten „Stiftung Weltethos“ proklamiert. Eine Lehre, die von der Botschaft der Bibel weg und den Menschen in die Irre führt.

Und damit das mit der Zusammenführung der Religionen aus praxisnah klappt, soll – so wird im Beitrag „Ort des Friedens und der Begegnung“ auf Seite 19 der „Kirchenzeitung“ berichtet – zum Stadtgeburtstag von Karlsruhe im neuen Quartier City-Park ein „Garten der Religionen“ entstehen. Die Idee sei ein „Bürgerprojekt“, schreibt der Redakteur der „Kirchenzeitung“, Stephan Lange. Doch es gebe auch „ablehnende Stimmen“ zu diesem Projekt, weil die Stadt Religion öffentlich zum Thema mache und dafür Steuergelder in die Hand nehme. Der Wunsch, „die religiöse Vielfalt in der Großstadt in einem sichtbaren, dauerhaften Zeichen darzustellen“, sei „im Zuge der Karlsruher Islamwoche“ entstanden.

Weihnachten – ein religiöses Patchwork?

Blättern wir zurück auf Seite 5, lesen wir einen Beitrag von der Redakteurin Kira Busch-Wagner mit der Überschrift „Sonne, Mond und Sterne – Religiöses Patchwork nicht nur an Weihnachten“. Sie schreibt: „Gerade das erste der Gebote mit der Erinnerung für das Volk Israel, wer es denn aus Ägypten geholt habe, und dass das Volk sich darum allein an den Gott der Befreiung halten solle, setzt eine Welt voraus, in der Gottheiten miteinander konkurrieren“. Weihnachten sei „eine Auseinandersetzung um religiöse Deutung von Wirklichkeit.“ Auch die Israeliten hätten – so Busch-Wagner – der Macht der Gestirne und Horoskope vertraut. Die evangelische Redakteurin wörtlich: „Entsprechend wettert der Prophet Jeremia, dass man der Himmelskönigin ´Kuchen backe nach ihrer Gestalt´ (Jer 7,18; 44,19), wohl Sterne und Monde. Wem würde dazu nicht die Weihnachtsbäckerei einfallen? In der barocken Mariengestalt, auf der Mondsichel stehend und mit Sternen bekränzt, das Jesuskind auf dem Arm, ist die deutende Auseinandersetzung um die Himmelskönigin zwei Jahrtausende später weitergegangen.“

Damit auch für den letzten Leser alles „klar“ ist, schreibt „Kirchenzeitungs“-Redakteur Hubert Streckert auf Seite 2: „Wir feiern – alle Jahre wieder – die Geburt eines unehelichen Kindes unter dramatischen Umständen vor mehr als 2000 Jahren in Palästina. Jesus Christus wird er später genannt werden. Kurz nach seiner Geburt wird die Patchwork-Familie mit Jesus, Maria und Josef zu einer Flüchtlingsfamilie.“

Nur gut, dass wenigstens der evangelische Dekan Dr. Thomas Schalla in seiner Kolumne dieser „Kirchenzeitung“ betont: „Die Freude über die Geburt Jesu ist verbunden mit der Erfahrung, dass unsere Welt noch nicht das Paradies ist… Ich hoffe, dass es Zeit und Gelegenheit gibt, die Erwartungen nach gutem Leben und einer besseren Welt wieder neu an der frohen Botschaft des Evangeliums auszurichten.“