19. Oktober 2017

WÄCHTERRUF veröffentlicht Sonderblatt „PEGIDA“

WÄCHTERRUF-Sonderblatt "PEGIDA". Foto: Thomas Schneider/agwelt

WÄCHTERRUF-Sonderblatt „PEGIDA“. Foto: Thomas Schneider/agwelt

(AG WELT) Der Verein „WÄCHTERRUF e.V.“ der nach eigenen Angaben „insbesondere auf die Völkerverständigung innerhalb Europas und zwischen Deutschland und Israel“ ausgerichtet ist, hat im Januar ein Sonderblatt „PEGIDA“ veröffentlicht.

Im ersten Teil dieser Publikation lässt man den WÄCHTERRUF-Regionalleiter Thomas Klinke zu Wort kommen. Er beschreibt aus seiner Sicht, warum die PEGIDA-Bewegung einen solchen Zulauf bekommen hat. Dabei bezieht er sich auf die DDR, in der sich die Bürger auch „entmündigt, manipuliert, dem Staat und seinem Machtapparat hilflos ausgeliefert“ gefühlt hätten. Nach der „Wende“ hätten die Menschen im Osten, so Klinke, lernen müssen, dass „ihr Bild des glorreichen Westens auch nicht der Wahrheit entsprach und manche bekamen nun die Gnadenlosigkeit gewissenloser Kapitalisten zu spüren und empfanden sich erneut als Verlierer“.

Mit PEGIDA und dem Ruf an die Bürger ´Ihr seid der Stolz unserer Nation!´, werde erneut das Gefühl geweckt, „endlich wieder eine machtvolle Stimme im Lande zu sein – der unbescholtene Bürger David, der mit friedlichen Demos schon einmal den mächtigen Goliath da oben bezwungen hat und es wieder tun kann“, so Klinke. Doch finde man im Positionspapier von PEGIDA nichts, „was deutlich von Ausländerhass oder Ablehnung von Flüchtlingen“ zeuge.

Traum eines 10jährigen Mädchens

Dann schwenkt Klinke um und meint: Bei den Demonstrationen käme „ein widergöttlicher Geist von Rebellion“ zum Vorschein und „eine Distanzierung von Rechtsextremen“ gebe es nicht. Die skandierten Rufe erinnerten ihn „stark an deren Gedankengut“. Eine offene und ehrliche Meinungsäußerung, die Wahrheit ans Licht bringt und eine Decke des Schweigens durchbricht, ginge „in einer Atmosphäre des Hasses“ unter, der mit einem sich „unbelehrbar zeigenden Stolz“ vermischt sei. Deshalb sei die weitgehende Ablehnung der Bewegung in der Öffentlichkeit nach Klinkes Ansicht gerechtfertigt. Die Dresdner hätten aus ihrer Geschichte heraus „eine Opfermentalität“ entwickelt, von der Pegida genauso profitiere wie die rechtsextreme Szene, betont Klinke.

Im zweiten Teil seiner Darstellung bezieht Klinke den „Traum“ eines 10jährigen Mädchens aus Sachsen in seine geschichts- und gesellschaftspolitische Bewertung ein und fragt: „Könnte dies mit PEGIDA zu tun haben, was kurz darauf (im Oktober) begann?“ Dieser Traum sei ihm wie folgt wiedergegeben worden:

„Im Traum schwebte sie selbst über einer dichten Wolkenschicht. Sie befand sich inmitten eines geistlichen Kampfes zwischen den Engeln Gottes und denen des Feindes, der sehr heftig war. Sie verspürte, dass sie dringend diese Wolkenschicht nach unten durchstoßen musste. Als sie dies tat, sah sie eine Stadt mit Fluss, und einen Turm mit einer großen Uhr daran, den wir nach der von ihr gegebenen Beschreibung als den Rathausturm Dresdens gedeutet haben. Dessen Uhr ging wesentlich schneller als normal. Als sie sich dann in der Luft über der Stadt befand, rief sie im Traum aus: ´Dresden, deine Zeit ist jetzt!´“

Es gebe, so Klinke, „eine prophetische Sicht über Sachsen, dass dieses Bundesland gute Fundamente, Werte und Traditionen bewahren soll, so dass sie in ganz Deutschland nicht so einfach aufgegeben werden können.“ Ein Beispiel sei dafür der Buß- und Bettag als Feiertag in Sachsen. Auch PEGIDA gehe es „um die Bewahrung der abendländischen Fundamente und Werte.“ Bereits in anderen Zusammenhängen habe es „prophetische Hinweise“ darauf gegeben, „dass Dresden eine Stadt mit Schlüsselfunktion für Veränderungen auf europäischer Ebene zu sein scheint“, schreibt Klinke.

Die Prophetie der Rosemarie

Dann lässt der WÄCHTERRUF in seiner Information „Rosemarie“ zu Wort kommen. Es handelt sich vermutlich um die WÄCHTERRUF-Redaktionsleiterin Rosemarie Stresemann, die gemeinsam mit Ortwin Schweitzer (Vorsitzender des Vereins) das Sonderblatt unterzeichnet hat. „Rosemarie“ will am 30. Dezember vergangenen Jahres „den Herrn um Seine Sicht für diese Bewegung (PEGIDA) gebeten haben. Jesus hätte zu ihr gesagt, dass PEGIDA „ein raffinierter Lügen-Giftcocktail des Feindes“ sei. Er verdrehe die Wahrheit, stelle sie in einen lügenhaften Kontext und wolle Hass erzeugen: „Hass gegen die Presse, Hass gegen die Politiker, Hasses gegen Moslems, Hass gegen die Fremdlinge, Hass gegen die Flüchtlinge, Hass gegen die Demokratie, Hass gegen die Gesellschaft“, so „Rosemarie“. Er verleite die Menschen zu Selbstgerechtigkeit und Neid und arbeite „mit diffuser Angst“. Wer von diesem „Giftcocktail“ trinke, werde sofort mit Hass getränkt. Das und vieles mehr will Jesus selbst zu ihr gesagt haben. Danach habe sie Jesus gefragt, wie sie beten könne. Daraufhin hätte er ihr unter anderem geantwortet: „Bittet mich darum, dass die Bewegung abebbt und sich tot läuft… Steht im Geist auf und gebietet Einhalt!… Herrscht über dieses Werk des Feindes in meinem Namen!“

Kritik am WÄCHTERRUF-Sonderblatt „PEGIDA“

Ein Bezieher der WÄCHTERRUF-Publikation (der Name ist der Redaktion bekannt) schreibt in einem Rundbrief an Pastoren und Leiter, dass er den Inhalt des Sonderblattes „teilweise für falsch und für unreife Christen sogar für gefährlich“ halte. Er selbst habe am 22. Dezember an einer PEGIDA-Demonstration in Dresden teilgenommen, weil „die Medien offensichtlich kein Interesse an einer wahrheitsgemäßen Berichterstattung“ hätten. Er wirft den Schreibern des Sonderblattes vor, dass sie in einem wichtigen Punkt „nicht sauber recherchiert“ hätten. Die Aussage: ´Eine Distanzierung von Rechtsextremen gibt es nicht…´, sei nachweislich falsch. Er selbst habe nach der Begrüßung der Demonstranten zur Kundgebung als erstes „eine klare Distanzierung zur NPD“ gehört und das Bedauern, dass es durch das Versammlungsrecht nicht möglich sei, einzelne Personen von der Demonstration auszuschließen. So erkenne man die „Bemühung um Abgrenzung“. Was ihm weiter aufstoße, sei ein „unreflektiertes Nachplappern“ von Aussagen der Presse über die angebliche Unfähigkeit der „Ossis“, mit Demokratie umzugehen. Dabei bezieht er sich auf die Stelle im WÄCHTERRUF-Sonderblatt, wo es heißt: `Gleichzeitig haben DDR-Bürger es kaum gelernt, demokratische Rechte verantwortlich wahrzunehmen und die Gesellschaft aktiv mit zu gestalten.` Die Demonstrationen aber stellten, so der Bezieher der WÄCHTERRUF-Informationen, die rot-grüne Deutungshoheit der Wirklichkeit in Frage.

Zugleich kritisiert der Bezieher der WÄCHTERRUF-Publikation die, wie er schreibt „angebliche Prophetie“ der „Rosemarie“, nach der alles „dämonisch initiiert“ sei. Er schreibt dazu:

„Bei allem Respekt vor der Arbeit des Wächterrufs hört für mich hier spätestens die Seriosität auf. Man kann ja so eine Sicht haben, aber eine persönliche politische Meinung in fromme Form als angebliches Reden Gottes zu pressen und davor zu schreiben `Jesus sagt mir` finde ich höchst problematisch.“

Natürlich sei PEGIDA „kein Wehen des Heiligen Geistes“, aber es sei auch nicht an sich dämonisch, obwohl augenscheinlich beide Seiten aktiv versuchten Einfluss zu nehmen. Man habe es bei PEGIDA „mit etwas sehr Fleischlichem zu tun wie mit fast allem auf dieser Erde“. Doch PEGIDA habe es „immerhin geschafft, wesentliche Probleme in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen, von denen sich die Politik weigerte, sie zu sehen und anzupacken.“ Abschließend fragt der besorgte Leser des WÄCHTERRUF-Sonderblattes: „Wäre das nicht eigentlich die Aufgabe der Christen? Nach meiner Meinung hat hier der Leib Christi versagt. Hätte er nicht die Aufgabe gehabt, mutig die Wahrheit zu sagen?“

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