18. Oktober 2017

Böll-Stiftung: Evangelikale in Sachsen haben zu viel Einfluss

Quelle: idea.de

Die Evangelikalen wollten die Gesellschaft verändern und riefen zu mehr Engagement in der Politik auf, heißt es in der Studie. Grafik: Heinrich Böll Stiftung Sachsen

Die Evangelikalen wollten die Gesellschaft verändern und riefen zu mehr Engagement in der Politik auf, heißt es in der Studie. Grafik: Heinrich Böll Stiftung Sachsen

Dresden (idea) – Evangelikale haben in der sächsischen Landeskirche zu viel Einfluss. Diese Ansicht vertritt die freie Journalistin Jennifer Stange (Leipzig) in einem ausführlichen Beitrag mit dem Titel „Evangelikale in Sachsen. Ein Bericht“, der im Januar in der Reihe „Weiterdenken“ der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen (Dresden) erschienen ist. Wie sie schreibt, ist für Evangelikale die Bibel Lebens- und Glaubensgrundlage: „Sie glauben häufig nicht nur an Gott, sondern auch an das Böse, an den Teufel, sie glauben an das Jüngste Gericht und sie glauben, dass Jesus auf die Erde zurückkommt.“ Besonders ausgeprägt sei diese Frömmigkeit entlang der deutsch-tschechischen Grenze vom Erzgebirge bis ins Vogtland, weshalb dieses Gebiet auch als „Biblebelt“ (Bibelgürtel) bezeichnet werde. Dort nähmen protestantische Einrichtungen eine wichtige gesellschaftliche Rolle ein. In den strukturschwachen Regionen des südwestlichen Sachsens stellten sie neben den Sportvereinen das Freizeitangebot und nähmen Einfluss auf das kommunale Leben. Die Evangelikalen „machen an der Kirchenpforte nicht halt“, so Stange. Stattdessen wollten sie die Gesellschaft verändern und riefen zu mehr Engagement in der Politik auf. Mitunter seien ihre Glaubensauffassungen „fundamentalistisch“. Als Beispiele nennt Stange das Evangelisationsteam Sachsen und die Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen (AG Welt). Beide verträten „auf vielen Kampffeldern christlicher Fundamentalisten in Sachsen eine Avantgardeposition“. Im Umfeld der Landeskirche bildeten sie „eine Vorhut, die den Angriff auf feindliche Positionen nicht scheut und eine gesellschaftliche Zuspitzung in Glaubensfragen provoziert“. Dabei seien sie bundesweit vernetzt, „vor allem mit evangelikalen Hardlinern aus Baden-Württemberg“.

„Beschwichtigungspolitik“ der Landeskirche gescheitert

Zum Teil heftige Kritik übt Stange aber auch an Kirche und Politik, weil sie sich von „christlichen Hardlinern“ nicht distanzierten, sondern diese zum Teil noch unterstützten. So habe der CDU-Fraktionsvorsitzende, Steffen Flath (Annaberg), mehrfach beim von den „Christdemokraten für das Leben“ veranstalteten „Marsch für das Leben“ in Annaberg-Buchholz gesprochen. Auch habe er sich wiederholt für eine Politik an den Maßstäben der Zehn Gebote ausgesprochen. Das aber sei, so Stange, „für den Fraktionsvorsitzenden einer Volkspartei vermessen.“ Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens habe sich bislang nicht öffentlich von verbalen Attacken gegen Schwule und Lesben, gegen Frauen, Atheisten, Andersgläubige und vor allem gegen Muslime durch fundamentalistische Christen in den eigenen Reihen abgegrenzt. Vielmehr scheue sie eine Auseinandersetzung mit diesen Kräften und habe es meist versäumt, „sich klar von Inhalten und wahnhaften Zügen des Glaubens in den eigenen Reihen zu distanzieren“. So hätten evangelikale Hardliner ihren Einfluss in Bildungseinrichtungen und auf eine außerkirchliche Öffentlichkeit in Kommunen und Städten stärken können, etwa mit Andachten und Kolumnen bei Radiosendern. Stange: „Die Appeasementpolitik der sächsischen Landeskirche, die womöglich eine frühzeitige Diskussion um fundamentalistische Positionen in den eigenen Reihen verhindert hat, ist gescheitert.“

HIER die Veröffentlichung der Heinrich-Böll-Stiftung „Evangelikale in Sachsen“.

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Kommentare

  1. Ach, eigentlich sind das doch gute Nachrichten, oder? Also, ich als Frau fühle mich vom fundamentalistischen christlichen Glauben – den ich ja im übrigen selbst vertrete, denn auch ich glaube nicht „nur“ an Gott, sondern alles was in der Bibel steht – weder bedroht noch unterdrückt. Da sieht das seitens der muslimischen „Hardliner“ aber anders aus. Oder von den Gendervertretern, oder vom Regenbogenprogramm. Von denen fühle ich mich bedroht… Und weiss die Dame nicht, dass unser gesamtes System aufgebaut ist auf den 10 Geboten? Dass unsere relative Sicherheit und unser relativer Wohlstand und unsere Chancenfreiheit darauf beruhen, dass das Christentum bei uns Fuß gefasst hat… auch wenn es viele falsche Entwicklungen gegeben hat und gibt? Sie möge sich bitte mal an den „Hardlinern“ reiben, die als Älteste einer Dorfgemeinschaft eine Gruppenvergewaltigung über eine Frau verhängen – oder eine Vergewaltigte zwingen wollen – wie jetzt in Dubai den Vergewaltiger zu heiraten um eine Strafmilderung zu erwirken, denn als Frau kann sie ja an ihrer Vergewaltigung nur selbst schuld sein… Und sie sollte sich aus Glaubensdingen heraushalten, da sie absolut nichts davon versteht und mit Sicherheit die Bibel nicht einmal gelesen hat.

    • Miriam Schröder meint:

      Ich pflichte Jutta bei und sage ebenfalls: Die Christen, die auf dem Fundament der Bibel stehen machen mir keine Angst. Die Werte – Strukturen der meisten europäischen Länder basieren auf den 10 Geboten und dem Christentum. Dass die Landeskirchen, egal in welchem Bundesland, schwach sind, das stimmt. Aber die Schwäche der Kirchen, mal ein mutiges Bekenntnis zur Ehe wie Gott sie wollte und zu einer Familie mit Mann, Frau und Kindern abzugeben finde ich viel gefährlicher, als die angebliche Schwäche gegenüber bibelgläubigen Christen.
      Außerdem muss ich sagen, liebe Frau Stange, ich dachte bisher, dass sauberer Journalismus darin besteht, zuerst einmal über die Themen, mit denen ich an die Öffentlichkeit gehe ordentlich zu recherchieren. Jede bibelgläubige Gemeinde wird Sie zwecks Information gerne aufnehmen und Ihnen genaue Angaben über ihren Glauben und ihre Werke liefern. Ein gutes Buch über den Teufel hat C.S. Lewis geschrieben. Ich meine der Titel lautet: Befehl an einen Unterteufel. Lewis war Professor an den Universitäten Cambridge und Oxford und ein erfolgreicher Autor. An ihm haben wir ein gutes Beispiel, dass bibelgläubige Christen durchaus ihren Verstand gebrauchen und ihn nicht an der Kirchentür abgeben müssen. Jesus Christus wurde mal gefragt, welches das wichtigste Gebot sei. Darauf seine Antwort: Du sollst Gott deinen Herrn lieben, von ganzem Herzen und mit deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst. Das versuchen bibelgläubige Christen im täglichen ‚Leben, in Familie und Gesellschaft umzusetzen. Ist das gefährlich?

  2. Wovor hat Frau Stange Angst? Machen ihr die 10 Gebote zu schaffen wie: „Du sollst nicht stehlen, nicht die Ehe brechen, nicht lügen, den Feiertag hoch halten, nicht neidisch auf des anderen Besitz sein, die Eltern ehren usw.? Oder ist es gar, weil Christen einem liebenden GOTT nachfolgen? Schreibt Frau Stange deshalb, weil sie längst merkt, dass ihre Überzeugung absolut kein FUNDAMENT hat? Ich würde ihr gerne einmal raten, dass sie sich als Frau unter die Scharia begibt, da kann sie ganz leicht herausfinden, was „fundamentalistisch“ ist. Ich bin sowieso traurig darüber, dass ein Wort so negativ in den Schlagzeilen kam, weil jeder Mensch ein Fundament in seinem Leben braucht, denn auch ein Haus kann ohne einem guten Fundament nicht stehen. Also ist das Haus jetzt „fundamentalistisch“??? Dann muss es natürlich ganz schnell wieder abgerissen werden! Hat Frau Stange vergessen, dass unser Grundgesetz auf jüdisch/christlichem Fundament/Wurzeln steht? Wenn Deutschland, ein Europa ohne diese biblischen Werte auskommen will, sägt sie sich den Ast ab, worauf sie sitzt, dann wird ein Deutschland und ein Europa im Chaos und in einem Durcheinander versinken. (Übrigens: Die Pionierorganisation in der DDR hat sogar unbewusst aus der Bibel von der Bergpredigt geklaut, indem sie in ihren Regeln wie: – dass Eltern zu ehren sind, auch vom wahrhaften Reden und Handeln usw. usw.- sprach.) Also, wovor hat Frau Stange Angst? Sieht sie längst ihre Leere in sich selber und möchte aber davon ablenken? Was will Frau Stange eigentlich wirklich???

  3. Harald meint:

    Möchte meinen beiden vorherigen Kommentatorinnen beipflichten. Im 1.Petrus 1, 1-2 steht unter anderem:“…ihr lebt als Fremde mitten unter den Ungläubigen!“ Dass ein Christ Gott als seinen Herrn anerkennt und Jesus ihn frei gemacht hat, frei von aller Schuld, ist wohl das Unbegreiflichste in dieser Welt, zugleich aber auch das größte Geschenk. Das können viele Menschen unserer Tage nicht glauben, deshalb eben sind wir Fremde und werden dann und wann ausgegrenzt. Null Toleranz, also für die Christen, wie sie immer von den Grünen für sich eingefordert wird. Herr Stoch von der Landesregierung in BW erlaubte sich sogar die Christen rechts mit anzusiedeln!! Allerdings möchte ich anfügen, die Fremdlinge, sprich Christen, bringen sich in vielen Bereichen des ööfentlichen Lebens stark mit ein. Zum Beispiel in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindergärten, psychatrischen Einrichtungen, in der örtlichen Diakonie. Wollte mal schauen wenn diese Personen ihren Dienst nicht mehr ausüben könnten, dann müßte Frau Stange diese Leute ersetzen! Schlimm, diese Tatsachen läßt man allzu gern außer Acht!

  4. Andreas Klitzsch meint:

    Unglaublich, so eine Auslegung! Lasst euch bitte nicht entmutigen. Gott baut sein Reich und wir dürfen seine Helfer sein. Es wird immer so sein, dass Wahrheiten aus Gottes Wort in den Dreck gezogen werden, aber: „Das letzte Wort hat GOTT selbst!“

  5. Gerhard Liebscher meint:

    Ich habe mir viel Zeit genommen, das über die Heinrich- Böll-Stiftung veröffentliche Werk der freien Journalistin und glühenden Verfechterin des Genderismus Jennifer Stange, zu lesen. Je länger ich mich in die offenen Ablehnungs- und Hassbekundungen gegenüber den, ihren Glauben bekennende Christen, vertiefte, desto mehr fühlte ich mich in tiefste DDR-Zeiten der SED-Demagogen zurückversetzt. „Schöner“ hätten diese es auch nicht hinbringen können. Polemik a` la Karl-Eduard von Schnitzlers „Schwarzem Kanal“ und Stunden des Politunterrichts bei der NVA sowie des Staatsbürgerkundeunterrichts im real existierenden Sozialismus standen wieder ganz deutlich vor meinem inneren Auge. Journalistische Kostbarkeiten, wie (Er-)Schlagwörtersammlung, aus dem Zusammenhang gelöste Zitate, Rufschädigung von Personen und Werken, reihen sich hier in schöner Regelmäßigkeit aneinander, dass es nach einiger Zeit des Lesens schon ermüdend war, weil ich wusste was wieder kommt: Homophobie, homophobe Haltung, fundamentalistische und konservative Traditionalisten, rechtskonservatives bzw. rechtspopulistisches Gedankengut, radikale Christen, Zwanghaftigkeit, religiöse Absolutheitsansprüche, christliche Hardliner, Feinde eines aufgeklärten Glaubens, Demokratie- und Verfassungsfeinde. Der große Vorwurf der Journalistin gipfelt dann darin, dass für sie (die frommen Erzgebiger) „der Glaube nicht Privatsache ist, sondern in die Öffentlichkeit drängt.”
    Was aber bitteschön soll das für ein Glaube sein, der sich nicht nach außen bekennt und Frucht bringt? Lebt unsere Demokratie und unser Sozialstaat nicht wesentlich vom Engagement gläubiger Christen? Solche Aussagen wie, „Die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche auch im Umfeld der Sächsischen Landeskirche mit einem solchen Glauben in Berührung kommen, sollte äußerst kritisch betrachtet werden“, grenzen schon stark an eine Forderung auf Einschränkung der Meinungsfreiheit und sollten uns nicht unbeeindruckt lassen. Zumal unüberhörbar der Ruf nach staatlicher Einflussnahme und Reglementierung und Druck mit Sanktionen sowie Redeverbot und besser noch Ausschluss für im Text benannte Personen und Werke zu vernehmen ist. (Leider schon geschehen – Ausschluss von LEO aus dem paritätischen Wohlfahrtsverband).

    Was hilft?

    1. Die Aufforderung und der Zuspruch aus Gottes Wort:
    5. Mose 31,8 „Fürchte dich nicht und erschrick nicht!“
    Psalm 121, 2 „Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.“
    Matth. 5,10 „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.“
    Luk. 12,32 „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohl gefallen, euch das Reich zu geben.“
    Lukas 21,33 „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.“
    (Dazu gehören auch alle „…ismen“ dieser Welt, wie es die Geschichte bewiesen hat.)

    2. Liebe und Fürbitte:
    Luk. 23,34 „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“
    Matth. 5,44 „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“

    3. Leben im Licht:
    Röm. 13, 11 „Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.“

    Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus segne uns und gebe uns den Geist zum Zeugnis seiner Herrlichkeit. „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ 2.Tim. 1,7

    Gerhard Liebscher
    am 12.02.2014