27. März 2017

Sektenführer Lee Man-hee sprach in Leipziger Nikolaikirche

Nikolaikirche Leipzig, Foto: KFM/pixelio.de

Nikolaikirche Leipzig, Foto: KFM/pixelio.de

(AG WELT) Einen Tag nach dem Tag der Deutschen Einheit hatte die Nikolaikirche in Leipzig Lee Man-hee, den Führer einer koreanischen Sekte, zu Gast. Er sprach zu einem von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens angekündigten „internationalen Friedensforum“, zu dem die Nikolaikirchgemeinde und die Global Peace Generation (GPG), ein Netzwerk internationaler Friedensinitiativen, eingeladen hatten.

Wie es in der Einladung der Landeskirche zur Veranstaltung heißt, wollten die Veranstalter an „diesem symbolträchtigen und historischen Ort, der u.a. Ausgangspunkt für die damaligen Veränderungen in der DDR, den Fall der Mauer und schließlich für die Wiedervereinigung war… mit dem Friedensforum einen Appell für ein vereintes Korea setzen“.

Laut einem Kommentar der Leipziger Internetzeitung habe der Nikolaipfarrer Bernhard Stief vom geistlichen Hintergrund des Redners erfahren, als „er am Freitagabend den Namen des koreanischen Redners googelte“; also erst im Anschluss an das „Friedensforum“.

Lee Man-hee, der sich als „koreanischer Friedensbotschafter“ ausgibt, ist Präsident der 1931 in Cheongdo (Südkorea) gegründeten sogenannten Kirche „Shinchonji“ (deutsch: „Neuer Himmel und Erde“). Die etwa seit der Jahrtausendwende auch in Berlin und Frankfurt am Main aktive „Kirche“ zählt zu den Jugendsekten (Neue Religionen), zu denen u.a. auch Scientology gehört.

Der koreanische Sektenführer predigt ein neues Bild zur Endzeit, in dem er selbst als der „verheißene Pastor“ gemeinsam mit der von ihm gegründeten „Kirche“ eine „heilsgeschichtliche“ Rolle spielen werde. Weltweit wirbt der Sektenführer insbesondere in christlichen Kirchen und Gemeinden um neue Mitglieder und versteht sich und seine Organisation als die 144.000 Versiegelten der Endzeit nach der Offenbarung des Johannes. Shinchonji-Anhänger betreiben ihre Mission meist unter dem Deckmantel des Weltfriedens sowie der Förderung von sozialen und Umweltprojekten.

Kommentare

  1. Gloriadei meint:

    Das ist ja der Hammer, hätte die Landeskirche da nicht etwas eher googeln können? Mich würde interessieren, ob der Sektenführer Lee Man-hee, von seiner Sekte sprach. Mit anderen Worten, ob er womöglich dafür Werbung gemacht hat. Wie war seine Botschaft? Ich hoffe nur, dass bei den Hörern kein Schaden entstanden ist.

    • Wie wir erfahren konnten, habe Lee Man-hee – obwohl ein Film über ihn gezeigt wurde – selbst keine Werbung für seine Organisation gemacht. Dennoch: Es ist schlimm genug, einen Redner einzuladen über den keiner so richtig Bescheid weiß. Wozu gibt es in den Landeskirchen Beauftragte für Weltanschauungs- und Sektenfragen? Im Zusammenhang mit der Veranstaltung habe der Sektenführer der Leipziger Internetzeitung gesagt, dass es ihm wichtig sei, zur Schaffung des Weltfriedens alle Religionen zu vereinen. Eine Zielorientierung, die dem Evangelium von Jesus Christus widerspricht. Politisch motiviert wurde das ganze Brimborium durch die “International Women´s Peace Group”, über die im weltweiten Netz kaum etwas zu finden ist.