15. Dezember 2017

Zu viele vorgebliche „Offenbarungen Gottes“

Michael Kotsch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen und des Bibelbundes. Foto: privat

Michael Kotsch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen und des Bibelbundes. Foto: privat

Von Michael Kotsch

Im „Pro & Contra“ der aktuellen Ausgabe „idea Spektrum“ äußere ich mich skeptisch zu den ständig zunehmenden Privatoffenbarungen, die Menschen vorgeblich von Jesus Christus oder Gott selbst bekommen haben wollen.

Esoteriker wie Neale Donald Walsch führen „Gespräche mit Gott“. Darin sagt „Gott“ allerdings so ziemlich das Gegenteil von dem, was er den Autoren der Bibel geoffenbart hat. Mormonen, Anhänger des Universellen Lebens und andere Angehörige von sogenannten „Sondergruppen“ bauen schon lange auf Mitteilungen, die Gott vorgeblich ihren Propheten/innen gegeben haben soll. Auch in vielen christlichen Kreisen sind in den vergangenen Jahren solche Privatoffenbarungen in Mode gekommen. Jeder wird zu seinem eigenen Propheten.

Dabei fehlt oftmals jede Unterscheidung zwischen eigenen Gefühlen, Wünschen, Hoffnungen, Vermutungen … und echten Mitteilungen Gottes. Weder zu biblischen Zeiten noch heute hat Gott sich jedem und ständig mitgeteilt. Zumeist offenbarte er sich nur wenigen besonders ausgewählten Propheten. Dann schwieg er wieder für Jahre oder Jahrzehnte.

Selbstverständlich redet Gott auch heute noch. Andererseits ist gerade heute aber das meiste von dem, was als Reden Gottes ausgegeben und verkauft wird menschlichen Ursprungs. Davon sollte man tunlichst die Finger lassen, denn solche „Offenbarungen“ führen nicht zu Gott sondern von ihm weg.