26. Juni 2017

Sachsen, Kirche, Homosexualität. Ein Zwischenruf!

Bibel und Bekenntnis bekommen Schieflage. Foto: andreas stix/pixelio.de

Bibel und Bekenntnis bekommen Schieflage. Foto: andreas stix/pixelio.de

Von Thomas Schneider

Homosexuellen Paaren ist es in Einzelfällen und unter bestimmten Voraussetzungen in Sachsen erlaubt, gemeinsam im Pfarrhaus zu leben.

Der dieser Praxis vorausgegangene Kirchenleitungsbeschluss vom 21. Januar 2012 wird von vielen Christen und Kirch-gemeinden nicht akzeptiert. Sie gründen die „Sächsische Bekenntnisinitiative“ (SBKI) und fordern Kirchenleitung und Landessynode in der „Markersbacher Erklärung“ dazu auf, an der 2011 getroffenen Verlautbarung festzuhalten in der es heißt, dass

„eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt und nicht zum Inhalt der Verkündigung gemacht werden darf.“ (Abl. 2001, B 53)

144 Kirchgemeinden, 253 Landeskirchliche Gemeinschaften, 32 kirchliche Werke und Gruppen sowie 7.970 Einzelpersonen der sächsischen Landeskirche unterschreiben (Quelle: idea vom 31.01.2012) die „Markersbacher Erklärung“.

Die lange Bank ist des Teufels liebstes Möbelstück

Seit April 2012 läuft nun in Verantwortung der sächsischen Kirchenleitung ein sogenannter „Gesprächsprozess“. Drei lange Jahre! Der Teufel freut sich, denn die lange Bank ist sein liebstes Möbelstück. Er hat viel Zeit, bekennende Christen in Resignation und Erschöpfung zu manövrieren. Und manche Christen wird der Teufel vielleicht noch davon überzeugen, praktizierte Homosexualität irgendwie doch als eine von Gott geschenkte Lebensweise zu akzeptieren.

Was wird der Landesbischof a.D. bekennen?

Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl kann sich schon heute zurücklehnen, weil er voraussichtlich noch vor dem Abschluss des „Gesprächsprozesses“ aus dem Amt scheiden wird. Ob er mit seiner Position, in der Heiligen Schrift sei nur Gottes Wort „enthalten“ im Angesicht der Wiederkunft Jesu seinen Lebensabend genießen kann? Vielleicht wird ihm – wie so vielen deutschen Bischöfe a.D. – doch noch irgendwann die Erkenntnis geschenkt, dass die Bibel das vom Heiligen Geist inspirierte Wort Gottes ist. Es sei ihm zu wünschen, dass er eines Tages bekennt: „Was ich als amtierender Bischof zu Bibel und Bekenntnis gesagt habe, auch im Blick auf die Diskussion um Homosexualität, reut mich sehr. Ich habe mein Versagen dem vor die Füße gelegt, der für meine Schuld am Kreuz gestorben ist. Jetzt ist Platz für den Heiligen Geist.“

In der Frage der Homosexualität ist die Bibel völlig eindeutig.

Der unbiblische Kirchenleitungsbeschluss ist inzwischen über ein Jahr alt. Was haben die gewünschten Gespräche zwischen Kirchenleitung und Bekenntnis-Initiative bislang gebracht? Die Kirchenleitung beharrt – um es sensibel zu formulieren – auf ihre menschliche Weisheit. Der evangelische Landesvater betont auf verschiedenen Podien, dass die Bibel auch „Falsches“ enthalte, weil die Bibel beispielsweise den Hasen zu den Wiederkäuern rechne. Zudem sei das Thema „Homosexualität“ für Jesu Botschaft vom anbrechenden Gottesreich „nicht wichtig“ gewesen. Einem geladenen Oberkirchenrat mangelt es gar an Bibelkenntnis, weil es seiner Ansicht nach im Neuen Testament keine Aussage zu weiblicher Homosexualität gebe. Pfarrer Dieter Keucher hält als Vertreter der SBKI der Kirchenleitung entgegen:

„Wir haben natürlich eine Lehrautorität: Wir haben die Bekenntnisschriften und können mit der Bibel nicht umspringen, wie es uns passt. In der Frage der Homosexualität ist die Bibel völlig eindeutig. Da gibt es nicht die Spur eines Kompromisses. Wenn wir die Bibel ernst nehmen, gibt es keine Möglichkeit einer Lösung, wie sie die Kirchenleitung beschlossen hat. Wir dürfen nicht die Autorität der Bibel beiseiteschieben.“ (Der Sonntag, 16.01.2013).

Kommt die Spaltung der Evangelischen Kirche in Sachsen?

Man muss kein Prophet sein um heute schon sagen zu können, dass sich diese oder ähnliche Positionen auch 2015 gegenüberstehen werden. Die dann zuständige Kirchenleitung wird – wenn sie sich nicht vom Heiligen Geist führen lässt – die Spaltung der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Sachsen ungeniert hinnehmen, die sie doch selbst initiiert hat.

Unternehmer gründen Netzwerk für Evangelisation

Inzwischen haben Verantwortliche in Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft zusätzlich zur SBKI die Internetplattform „Unternehmer für Evangelisation (UfE)“ ins Leben gerufen. Mit einer Unterschriftensammlung fordern die Initiatoren die Rücknahme des betreffenden Kirchenleitungsbeschlusses, den Rücktritt des Landesbischofs und die öffentliche Rehabilitation des Evangelisten Lutz Scheufler, dessen Anstellungsverhältnis seitens der Landeskirche gekündigt wurde. Scheufler hatte gemeinsam mit dem sächsischen „Evangelisationsteam“ öffentlich geäußert, dass er den Bischof und die Landessynode nicht mehr als geistliche Leitung anerkenne.

Verschlossene Türen für Kritiker homosexueller Praxis

Wegen ihrer ablehnenden Haltung zur Homosexualität und ihrer Unterstützung der SBKI beschließt der Kirchenvorstand der Leipziger Kirchgemeinde St. Petri im Dezember 2012, die studentische Gruppe „Theo-Kreis“ ab sofort nicht mehr seine Gottesdienste in der Peterskirche feiern zu lassen. Wann werden die ersten Predigtverbote für Pfarrer und Prediger ausgesprochen, die sich für die Wahrheit der Heiligen Schrift von Mose bis zur Offenbarung stark machen?

Wenn Kirchenköpfe nicht wissen, zu welcher Kirche sie gehören

Der Landesbischof hat seine nach § 27 der Kirchenverfassung fixierten Dienstpflichten, darauf zu achten „dass das Evangelium rein verkündigt wird“ und „die Einheit der Kirche zu bewahren und zu stärken“ verletzt. Es geht längst nicht mehr allein nur um das Thema „Homosexualität“, sondern um die grundsätzliche Positionierung zu Bibel und Bekenntnis als tragfähige Fundamente unserer Kirche. Mit dem Titel der andauernden Podiumsgespräche „Wie lesen wir die Bibel? Und welche Kirche wollen wir sein?“ verweist die Kirchenleitung selbst auf die große Glaubenskrise in der sie steckt. Wenn die leitenden Köpfe einer Kirche nicht mehr wissen, zu welcher Kirche sie gehören, dann sollten sie ihren Hut nehmen und gehen. Wir brauchen dringend die Vorbereitung einer Bekenntnissynode, die zwar theoretisch viele fordern, aber praktisch noch in den Kinderschuhen steckt.