17. Dezember 2017

Erdogan und die Weltherrschaft des Islam

Antalya. In byzantinischer Zeit war Antalya ein wichtiges christliches Zentrum. Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Antalya. In byzantinischer Zeit war Antalya ein wichtiges christliches Zentrum. Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

(AG WELT) Wie „DIE WELT“, eine der größten deutschen überregionalen Tageszeitungen, einen Kommentar untertitelt, glaube Erdogan „an die Weltherrschaft des Islam“.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe in einer Grundsatzrede im Zusammenhang mit seiner Wiederwahl zum Parteivorsitzenden der „Adalet ve Kalkınma Partisi“ (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung / AKP) Machtansprüche formuliert und seine Zukunftsvision für die Türkei und für die gesamte Region bis ins Jahr 2023 vorgestellt, so die Zeitung.

Wie „DIE WELT“ berichtet, habe Erdogan zum Jubel besonders der jungen Zuhörer gesagt:

„Wenn es Allahs Wille ist, werden wir 2023 aufbauen, und ihr werdet 2071 errichten“.

2071 jährt sich zum 1000sten Mal die Schlacht von Manzikert, in der die Türken das byzantinische Reich besiegten und Anatolien in Besitz nahmen.

Das „Hamburger Abendblatt“ zitiert aus Erdogans Rede: „Unser Vorbild ist Sultan Arp Arslan“. Diya ad-Din Adud ad-Daula Abu Schudscha Muhammad Alp Arslan war von 1063 bis 1072 Sultan der Fürstendynastie der Großseldschuken und damals siegreicher Kriegsführer im Kampf der Muslime gegen die Christen.

Der AKP-Parteitag stand unter dem Motto „Große Türkei, große Macht“ und habe schätzungsweise 30.000 Anhänger gezählt. Wegen Platzmangel in der Kongressehalle hätten etwa zwei Drittel der Besucher die Rede Erdogans über Außenanlagen verfolgen müssen. Eine islamische Zeitung habe Erdogan als „Führer der Welt“ bezeichnet. Als einziger Vertreter des Westens sei der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Parteitag gewesen, berichten verschiedene Presseagenturen. Zur Europäischen Union und zur Zukunft Europas habe Erdogan keine Worte gefunden.