19. August 2017

3000 Buddhisten erwarten „17. Karmapa“ im Allgäu

Foto: Dieter Kreikemeier/pixelio.de

Foto: Dieter Kreikemeier/pixelio.de

(AG WELT) Der „17. Gyalwa Karmapa Trinley Thaye Dorje“, höchster Würdenträger der Karma-Kagyü-Tradition und Oberhaupt einer der vier Stränge des tibetischen Buddhismus, wird zum jährlichen größten Buddhisten-Treffen Deutschlands im Allgäu erwartet.

Mehr als 3000 Buddhisten aus über 40 Ländern wollen den Karmapa hören, der vom 20. bis 22. Juli sowie vom 6. bis 12. August mehrere Vorträge und buddhistische Zeremonien in der Schwarzwaldhalle in Appenweier (Baden-Württemberg) leiten wird.

Nach Informationen des Bodhipath-Zentrums in Renchen-Ulm (Schwarzwald), das die Veranstaltungen organisiert, sollen die Zeremonien für die persönliche Meditationspraxis vieler Buddhisten von großer Bedeutung sein. Der Buddhist meditiere auf ausgewählte Eigenschaften einer bestimmten Buddha-Form, um sie dann in sich selbst zu entfalten. Während des 5. Internationalen Buddhistischen Sommerkurses auf Gut Hochreute am Allgäuer Alpsee sollen auch renommierte Lehrer wie der dänische Lama Ole Nydahl oder der französische Lama Jigme Rinpoche auftreten.

Der Buddhismus entdeckt Facebook

Der Buddhismus hat sich längst auf die neue „Facebook-Generation“ eingerichtet. Mit der Facebook-Initiative „Wealth of Europe“ hat der 17. Karmapa eine Aktion gestartet, die großen Wert auf den weltweiten Austausch mit jungen Menschen legt und sich insbesondere der Bedeutung von Werten in der modernen Gesellschaft widmet.

So steht auf der Facebookseite beispielsweise: „Geld ist nicht wichtig, sagen Europas junge Leute“. Der Prince’s Trust, British Youth Council, AIESEC (die weltweit größte Studentenorganisation) und ein 29-jähriger buddhistischer Meister, seine Heiligkeit Karmapa Thaye Dorje, hätten bei einer Umfrage („Wealth of Europe“) unter 530 Europäern im Alter von 18 bis 30 herausgefunden, dass nicht ein einziger der Befragten die Meinung vertrete, „dass Geld der Sinn des Lebens sei, während 70% ihre Bestimmung“ darin gesehen hätten, „anderen zu helfen und sie zu inspirieren“.

Der 17. Karmapa meint:

„Wenn wir leben, um zu arbeiten, anstatt arbeiten, um zu leben, kann dies zu Maßlosigkeit und Habsucht führen. Glücklicherweise scheinen junge Europäer sich mehr durch Liebe und dem Dienst an Anderen, statt durch Geld motivieren zu lassen. Das ist ein Zeichen grosser Hoffnung für das künftige Wohlergehen von Europa.“

Zum Sommerkurs werden Besucher aus rund 140 Meditationszentren des Buddhistischen Dachverbands Diamantweg (BDD) e.V. und seiner Schwesterorganisationen in Österreich und der Schweiz erwartet. Hinter der buddhistischen Initiative stehen auch das Europäische Jugendforum, der Dachverband der Europäischen Studierendenschaften, die Generation Europe Foundation und ThinkYoung.

Der BDD wendet sich, so ist es auf seiner Internetplattform zu lesen,

„an alle suchenden Menschen, unabhängig von Nationalität, sozialer Herkunft oder Geschlecht und weist Wege aus Leid und Unvollkommenheit zu Harmonie und Glück.“

In der Lehre des Buddhismus gibt es keinen Gott

Der BDD betont, dass die „Vier Edlen Wahr­heiten“ zur Befreiung von allem Leiden den Kern buddhistischer Lehre bilden. Die wesentlichen Merkmale und Übungen dieses „spirituellen Weges“ seien „ethisches Verhalten, Meditation und tiefe Einsicht“. Die Lehre des Buddha stelle „den Menschen immer in seine eigene Verantwortung“. Einen Anspruch auf „alleingültige Wahrheiten“ erhebe die Lehre des Buddhismus nicht.

„Alle weltlichen Daseinsformen“ seien „ungenügend“, könnten den Menschen „niemals vollständig befriedigen“, seien deshalb „voller Leiden“ und stellten „die Diagnose des menschlichen Daseins“ dar. Die Ursache des Leidens sei „im menschlichen Geist“ zu finden: „dem Begehren“. Und weil es durch Erlöschung des Begehrens automatisch zur Erlöschung des Leidens kommen müsse, solle der Mensch den „Achtfachen Pfad“ gehen, eine praktische Anweisung zur vollständigen Leidensaufhebung, dem „Nirvana“, der Auslöschung ins Nichts. Im Buddhismus und seiner Lehre gibt es keinen Gott. Der Buddhist glaubt an ständige Wiedergeburten (Reinkarnation). Seine Bewährung auf dem „Achtfachen Pfad“ entscheidet darüber, in welcher Gestalt er im ständigen Kreislauf der Wiedergeburten reinkarniert wird.

Die Karma-Kagyü-Tradition gehört zu den großen Schulen des tibetischen Buddhismus und wird seit dem 9. Jahrhundert von der ununterbrochenen Reihe der Karmapa-Wiedergeburten geleitet. Sie lehrt den Diamantweg, einen zeitgemäßen Zugang zum Buddhismus, der unter Deutschen am meisten verbreitet ist. Die buddhistische Tradition unterhält im deutschsprachigen Europa etwa 140 Klöster und Meditationszentren. Der 1983 in der tibetischen Hauptstadt Lhasa geborene 17. Karmapa ist neben dem Dalai Lama einer der bedeutendsten buddhistischen Lehrer der Gegenwart.