15. Dezember 2017

Bestattungen bald im Schweizer Fluß Reuss möglich

An der Reuss (Schweiz). Foto: Joujou/pixelio.de

An der Reuss (Schweiz). Foto: Joujou/pixelio.de

(AG WELT) Bald soll sie möglich sein: Die Totenbestattung in der Reuss, dem viertgrößten Fluss der Schweiz. Hindus will man die Übergabe ihrer eingeäscherten Verstorbenen an das fließende Gewässer gestatten.

Die Bestattungszeremonie, bei der ein „Diya“ (geschmückte schwimmende Öllampe) zu Wasser gelassen wird, soll bei der Luzerner St.-Karli-Kirche stattfinden. Einen geeigneten Platz habe man dafür bereits ausgesucht. Die Anwohner will man mit einer Informationsveranstaltung auf das neue Bestattungsritual vorbereiten.

Öffentliche Leichenverbrennung in Mitteleuropa verboten

Bislang habe es in der Schweiz keine öffentliche Beisetzungsstätte für Hindus gegeben. Eigentlich werden die Leichen verstorbener Hindus öffentlich verbrannt. Da dies in Mitteleuropa verboten ist, werden Hindus in Feuerbestattungsanlagen kremiert oder sie lassen sich beispielsweise in Idien traditionsgerecht bestatten. Der Tod ist für Hindus der Eintritt in einen Kreislauf ständiger Wiedergeburten (Reinkarnation).

Kirchen unterstützen hinduistische Bestattung

Das alternative Bestattungsprojekt in Luzern werde sowohl von der katholischen als auch von der reformierten Kirche unterstützt. Wie der reformierte Pfarrer Beat Hänni gegenüber der Neuen Luzerner Zeitung sagte, sei es „ein Akt der Wertschätzung und des gegenseitigen Austausches“, Hindus zu unterstützen.

Kanton Luzern hat Zustimmung erteilt

Der Kanton Luzern, der hauptsächlich tamilische Hindu-Flüchtlinge aus den 1980er- und 1990er Jahren beheimate, habe bereits seine Zustimmung zur Hindu-Bestattung gegeben. Nach einer Zeit des Asyls in einem Raum der St.-Karli-Kirche bauten sich die Hindus in der Stadt Root den Sri-Thurkkai-Amman-Tempel, in dem bis zu 80 Personen die Göttin Durga verehren. Sie soll als „Göttin der Vollkommenheit“ die populärste Göttin im Hinduismus sein, weil sie sowohl gütig als auch strafend sei und mit bis zu achtzehn Armen in Erscheinung treten könne.