19. Oktober 2017

Prana: Mit Licht als Nahrung in den Tod

Foto: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com/pixelio.de

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(AG WELT) Eine Frau aus der Ostschweiz ließ sich vom Dokumentarfilm „Am Anfang war das Licht“ dazu animieren, nur noch von „Licht“ zu leben. Sie wollte – wie es der Film verspricht – in eine neue übersinnliche Dimension eintreten. Sie starb.

Der Regisseur des Films, der Österreicher Peter-Arthur Straubinger, lässt Personen zu Wort kommen, die sich nach eigenen Angaben nur von Licht ernähren. Dabei werden wissenschaftlich nicht anerkannte Hypothesen aufgestellt, die das „übersinnliche“ Phänomen der „Licht-Nahrung“ erklären sollen.

Für die Frau, die letztlich an ihrer „Fastenkur“ starb, seien die Lebenszeugnisse von sogenannten „erleuchteten Meistern“ der Beweis dafür gewesen, dass der „eingeweihte“ Mensch allein von Prana, einer sogenannten göttlichen Energie leben könne.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wird „Licht-Nahrung“ (Prana, Qi, Licht, Lebensenergie) besonders in esoterischen Kreisen gelehrt und empfohlen. Forscher aus dem Bereich der Quantenphysik hätten für die „Licht-Nahrung“ wissenschaftliche Erklärungen. Hierbei handelt es sich größtenteils um Vertreter der Parawissenschaften, die außerhalb der akademischen Wissenschaften agieren.

Der Dokumentarfilm, der für die blind vertrauende Schweizerin nicht reparable Folgen hatte, lässt Menschen wie den 62jährigen Michael Werner zu Wort kommen, der nach eigenen Angaben seit 2001 auf feste Nahrung verzichte oder den indischen Yogi Prhalad Jani, der seit 70 Jahren nur von Licht lebe und nicht einmal etwas trinken würde .

Die auf die Australierin Ellen Greve – auch Medium Jasmuheen (Duft der Ewigkeit) genannt – zurückgehende Lichtnahrungslehre verspreche nach dreiwöchigem Fasten und Meditieren einen Umwandlungsprozess im Körper, der ihn zur Aufnahme von Prana (kosmischem Licht) vorbereite. Schädel- und Genstruktur würden sich der Öffnung zum Übersinnlichen anpassen. Die Vertreter dieser Philosophie berufen sich auf eine religiös-asketische Yoga-Tradition.

Wie die meisten esoterischen Praktiken, so geht auch „Licht-Nahrung“ davon aus, dass im Menschen verborgene (okkulte) spirituelle Kräfte sind, die über bestimmte Praktiken wie „Lichtenergie“ entfaltet werden sollen. Das Ziel ist die Vollkommenheit, wie Gott oder Gott selbst zu sein.

Die tote Ostschweizerin hielt sich strikt an die Auflagen des Mediums Jasmuheen. Sogar ihren Speichel habe sie ausgespuckt, weil in der ersten Woche jegliche Wasseraufnahme untersagt worden sei. Eines Tages hätten Ärzte nur noch den Tod der Frau durch Verhungern feststellen können. Nach Medienberichten sei sie nicht das einzige Opfer der Weltanschauung, dass sich der Mensch ausschließlich von Licht ernähren könne. Wie der Schweizer TagesAnzeiger berichtet, habe sich Jasmuheen inzwischen von ihrer eigenen Erfindung distanziert. Der verhungerten Frau und den anderen Opfern dieses religiösen Kultes hilft das leider nicht mehr.