18. Oktober 2017

„Wunderheiler“ Bruno Gröning auf der Leinwand

Werbung für Kultfilm um Bruno Gröning

Werbung für Kultfilm um Bruno Gröning

(AG WELT) Am kommenden Sonntag und am Sonntag dem 25. März lädt die oberbayrische Stadt Landsberg am Lech zu dem Dokumentarfilm

„Das Phänomen Bruno Gröning – Auf den Spuren des Wunderheilers“

in ihr Sport- und Verwaltungszentrum ein.

In der Filmankündigung heißt es:

„Im Frühjahr 1949 strömten Tausende ins westfälische Herford. Im Herbst dieses Jahres zog es bis zu 30.000 Menschen täglich zum Rosenheimer Traberhof. Vom Krieg geschlagen, von Ärzten aufgegeben, kannten diese Menschen nur noch einen Wunsch: gesund zu werden. Und das Unfassbare geschah – unzählige Kranke wurden geheilt: Lahme konnten gehen, Blinde wieder sehen. Auch heute geschehen im Bruno Gröning-Freundeskreis weiterhin Heilungen. Menschen erleben unter anderem die Befreiung selbst von unheilbaren Leiden sowie von Suchterkrankungen.“

Auch im Augsburger „Bio Hotel Bayerischer Wirt“ sind in diesem Jahr sieben Aufführungen geplant mit jeweils zwei Pausen während der Filmvorführung. Was den Besucher in den Pausen des dreiteiligen „Dokumentarfilms“ mit je 95 Minuten erwartet, gibt der Veranstalter nicht bekannt. Sogar im Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) „Fläming“ im brandenburgischen Bad Belzig wird der Streifen der Öffentlichkeit angeboten.

Wer ist Bruno Gröning?

Der 1906 in Danzig geborene Gröning verlässt bereits nach der 5. Klasse die Schule, bricht seine Lehrausbildung als Zimmermann ab, wandert erfolglos von einem Job zum anderen und stirbt mit 52 Jahren an Krebs. 11 Jahre vor seinem Tod versucht er sich als „Heiler“. Gröning verbreitet die Story, dass er von Gott als „Erlöser“ auf die Erde geschickt worden sei. Im Buch „Die Lehre Bruno Grönings“ von Thomas Busse ist nachzulesen:

„Ich will die Menschen auf den wahren göttlichen Weg zurückführen. Die Brücke zu diesem Weg habe ich gebaut […] Den Menschen, die teuflisch sind, die einen kleinen oder großen Teufel im Leib haben, will ich diesen abziehen. Denn ich führe den Kampf mit dem leibhaftigen Satan, und ich kann diesen meistern, es macht mir nichts aus. Und Sie alle sollen wieder zu dem wahren, göttlichen Glauben zurückgeführt werden […] Das ist ja mein Hiersein auf dieser Erde. Ich wusste, warum ich kommen musste […] Der kleine Fachmann, der die Verbindung zum HerrGott wieder herstellen kann, will ich nicht nur sein, sondern der bin ich!“

Mit Bekanntwerden der „Wunder-Erfolge“ steigt die Boulevardpresse auf den Heilungsfeldzug Grönings auf und sorgt für eine spektakuläre Verbreitung seiner „Heilstaten“. Doch bereits 1954 wird gegen Gröning wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz ein gerichtliches Verbot zur Ausübung seiner Heilstätigkeit ausgesprochen. Gröning versucht mit dem Titel „Heilpraktiker-Gehilfe“ die Justiz zu hintergehen. Das Landgericht München verurteilt ihn 1958 wegen fahrlässiger Tötung zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung, weil er eine 17-jährige Tuberkulose-Patientin vom Arztbesuch abgehalten haben soll. In der Urteilsbegründung spricht das Gericht von falschen Heilungsversprechen.

Der Bruno-Gröning-Freundeskreis wird aktiver

Bis heute engagiert sich ein „Bruno-Gröning-Freundeskreis“, um Grönings „Heilslehre“ am Laufen zu halten. Jeder Mensch bringe, so Gröning, sein Schicksal mit auf die Welt und seine „Erinnerungen an frühere Erdenleben“ seien ihm nicht genommen worden. Wer das Gute in seinem Leben beherzige, werde in einem späteren „anderen Erdenleben, wenn ihr wieder mal auftaucht in einem noch sehr jungen Körper,… viel Gutes, Wahres von euch geben…“, lehren Grönings Anhänger. Hinter dieser Lehre steht der Glaube an die Reinkarnation, an mehrere irdische Wiedergeburten.

Grönings Lehre besagt beispielsweise auch, dass allein schon das Andeuten eines Kreuzes durch Überkreuzen der Beine das Fließen eines „göttlichen Heilstromes“ behindere und der Heilstrom allein schon über Kügelchen aus Stanniolpapier und über Grönings Foto fließen würde. Dazu Gröning selbst:

„Es ist nicht nur so, dass es ein Bild von mir ist, sondern dieses Foto erfüllt Ihnen noch einen ganz ganz großen Zweck, und zwar, wenn Sie das Bild nur in die Hand nehmen, so werden Sie verspüren, was für eine Kraft aus diesem Bild herausströmt, die Ihnen dann ebenfalls durch den ganzen Körper geht.“

Grönings Anhängerschaft behauptet, dass Heilungen bereits beim Anschauen des Bruno-Gröning-Films „Der Wunderapostel“ geschehen, der seit 1997 gezeigt wird. Heilungs-Berichte von angeblich unabhängigen Medizinern der „Medizinisch-wissenschaftlichen Forschungs-gruppe (MWF)“ sollen Skeptiker von den „Heilungswundern“ Grönings überzeugen.

Vom „Freundeskreis Bruno Gröning“, der seinen Gründer kultisch verehrt, wird behauptet, Gröning habe eine „Lehre“ geschaffen, deren Anwendung Heilung bewirken könne. Was bei anderen „Heilslehren“ als „Schwingung“, „göttliche Energie“ oder „übersinnliche Information“ bezeichnet wird, ist für Gröning der „Heilstrom“.

Im Trailer für den dreiteiligen Film ist folgendes Zitat Grönings aus dem Munde einer Frau zu hören:

„Sterben müssen alle Menschen. Ich werde auch sterben. Den Körper wird man in die Erde legen, aber ich werde nicht tot sein. Und wer mich dann rufen wird, zu dem komme ich und helfe weiter. Und wenn es so weit sein wird, dann wird jeder aus sich selbst die Hilfe und Heilung erlangen.“

Dahinter steht die okkulte Vorstellung, der Mensch könne durch „Heilströme“ Verstorbener Selbstheilungskräfte entfalten und zur Behandlung von Krankheiten nutzbar machen.

Der Bruno-Gröning-Freundeskreis soll nach eigenen Angaben in etwa 80 Ländern 60.000 Mitglieder haben. Mit den neuerlich angesetzten Filmvorführungen sind die Gröning-Anhänger wieder auf Expansionskurs. Infolge seiner missionarischen Ausrichtung stellt der „Bruno Göring Freundeskreis“ eine Bewegung dar, die nicht zu unterschätzen ist. Neben „Scientology“ und dem „Verein für psychologische Menschenkenntnis“ ist die Gruppierung um den „Wunderheiler“ Gröning in der Schweiz eine der größten religiösen Sekte.