17. Dezember 2017

AJZ Bielefeld macht mobil gegen ProChrist und EuroProLife

(AG WELT) Das Arbeiterjugendzentrum Bielefeld (AJZ) macht mit Aktionen gegen die im März stattfindende regionale Veranstaltungsreihe ProChrist und gegen den im gleichen Monat in Münster geplanten Gebetszug „1000 Kreuze für das Leben“ mobil. Die Gebetsprozession, die vom Ökumenischen Gebetsnetzwerk »Euro Pro Life« veranstaltet wird, findet am 10. März um 14.30 Uhr auf dem St. Aegidii-Kirchplatz in Münster statt.

In einer Veranstaltungsankündigung des AJZ mit der Überschrift „Die neuen Gegenaufklärer – Christlicher Fundamentalismus in Deutschland“ heißt es:

„Während der christliche Fundamentalismus in den Vereinigten Staaten über Jahrzehnte seinen Einfluss auf die Politik geltend machen konnte, sah es lange danach aus, dass diese Strömung hierzulande eine Randerscheinung bleiben würde. Zu stark schien der Einfluss der beiden Staatskirchen. Mit den gesellschaftspolitischen Veränderungen der letzten zwanzig Jahre hat sich die Situation in Deutschland grundlegend verändert. Sowohl in den Kirchen als auch in der so genannten Mitte der Gesellschaft lassen sich immer öfter reaktionäre, konservative bzw. wissenschaftsfeindliche Positionen finden, wie sie von fundamentalistischen ChristInnen vorgebracht werden. Immer selbstbewusster treten Personen und Verbände dieses Spektrums in der Öffentlichkeit auf und versuchen gesellschaftliche Diskurse mitzubestimmen bzw. längst überwunden geglaubte Weltbilder wieder gesellschaftsfähig zu machen. So heterogen diese religiös-fundamentalistische Bewegung auch ist, so eint deren VertreterInnen, dass sie sich auf einem Kreuzzug gegen die (Post)Moderne wähnen – sei es im Kampf gegen Darwin, die Geschlechterpolitik, die (sexuelle) Selbstbestimmung, die Aufklärung oder die Schulpflicht.“

Dies habe, so die Organisatoren der Veranstaltung, „Folgen für die Zivilgesellschaft“, weil die „beiden Staatskirchen“ wegen starken Mitgliederschwundes „diesen Positionen“ immer mehr Raum böten. Der Vortrag, der am 2. März vom Politik- und Sozialwissenschaftler Christoph Lammers gehalten werden soll, werfe „einen Blick auf die unterschiedlichen Spielarten und Strömungen des christlichen Fundamentalismus“ und diskutiere anhand von „aktuellen Beispielen die Konfliktfelder und Folgen für die Gesellschaft“. Lammers ist Chefredakteur der „MIZ“ (Materialien und Informationen zur Zeit). „MIZ“ ist eigenen Angaben zufolge ein „politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistInnen, FreidenkerInnen, HumanistInnen und SkeptikerInnen, Ungläubige aller Art“, das vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) herausgegeben wird. Der IBKA wiederum vertritt religionskritische und atheistische Positionen. So unterstützte dieser Bund beispielsweise 2009 die atheistische Buskampagne „ES GIBT (MIT AN SICHERHEIT GRENZENDER WAHRSCHEINLICHKEIT) KEINEN GOTT“.

Wie es in der Ankündigung der Vortragsveranstaltung weiter heißt, sei

„ein Regionaltreffen der evangelikalen Vereinigung Pro Christ vom 18.- 25. März 2012 in Bielefeld und die ebenfalls im März stattfindende Münsteraner Gebetsprozession „1000 Kreuze für das ungeborene Leben“, auf der fundamentalistische Abtreibungsgegner/innen gegen das Recht auf Selbstbestimmun von Frauen demonstrieren“

Anlass für die Gegenaktion.

Das AJZ Bielefeld ist nach eigenen Angaben der Versuch, sich „in autonomen Strukturen zu organisieren“. Ein Konzept der sogenannten „Hausverwaltung“ („HV“) sei bis heute „Kernstück der autonomen Selbstverwaltung des Arbeiter_innen Jugendzentrums“. Da es Praxis in der deutschen Gesellschaft sei, Entscheidungen nicht nach Konsens sondern nach Mehrheitsverhältnis zu treffen, würden im AJZ Überlegungen angestellt, „wie eine andere Gesellschaft aussehen könnte“. Den „Konsens“ könne man auf einem Schild im Eingangsbereich des Hauses lesen:

„Wir wollen hier keine sexistische, rassistische, homophobe, sogenannte behindertenfeindliche oder andere Diskriminierung! Egal ob Wort, Tat oder Bild! Falls du diskriminierendes Verhalten beobachtest oder selbst Opfer davon wirst — greif ein, wehr dich, mach die Anmache oder den Angriff gleich öffentlich oder wende dich an die Leute hinter den Theken oder der Kasse — diese werden dich unterstützen!…“

Das Formulierte stehe „der Ideologie der Nazis vehement und radikal“ gegenüber. Das AJZ besteht laut eigener Dokumentation seit mehr als 30 Jahren und verstehe sich als Plattform gegen den Aufmarsch von „Nazis“. In einer Pressemitteilung vom August 2011 heißt es: „Wir rufen alle Menschen dazu auf sich an den Gegenaktivitäten zu beiden Aufmärschen zu beteiligen… Dabei geht es nicht darum wo sie marschieren wollen, sondern darum sie nicht marschieren zu lassen, egal wo.“