23. Juni 2017

Wann kommt der Weltuntergang?

(AG WELT) Weltuntergänge üben eine unglaubliche Faszination aus, zumindest solange sie nicht eintreten.

Gerade wenn das eigene Leben überschaubar und sicher zu sein scheint, wirken Spekulationen über das ultimative Ende durchaus unterhaltend, zumal vom heimischen Wohnzimmer aus. Nach einem vollen und stressigen Arbeitstag entspannt sich der Normalbürger gerne mit einer Bedrohung bzw. Rettung der gesamten menschlichen Zivilisation, solange sie nur im Fernsehen stattfindet.

Journalisten, die ihr Geschäft verstehen, freuen sich über Reportagen zu globalen Katastrophen. Dabei gilt, je erschreckender je besser, zumindest für die Zuschauerquote: ein außerordentlich starkes Erdbeben, die Ölverseuchung der Karibik, die radioakti ve Verstrahlung der Nahrung, der Kollisionskurs eines Meteoriten usw.

Auch Wissenschaftler spielen manchmal gerne mit dem Feuer, denn dadurch wird das Interesse einer großen Öffentlichkeit in besonderer Weise auf den eigenen Forschungsbereich gelenkt. Das verspricht Publicity und sichere finanzielle Versorgung. Immer wieder warten deshalb Biologen, Ökologen, Geologen oder Physiker vor endlichen Rohstoffen, Kriegen um Trinkwasser, vergifteter Nahrung oder klimatischen Katastrophen. Glücklicherweise sind schon einige Termine des prognostizierten Weltuntergangs glimpflich verstrichen.

Polarisierende Politiker malen gerne globale Katastrophen an die Wand, um dann besser ihre eigenen Vorhaben durchdrücken zu können. Jahrzehntelang fürchteten sich die Bürger deshalb vor dem die Welt beherrschenden Kommunismus, dann fehlte für einige Jahre ein passendes Feindbild. Nun gut, in wirtschaftlichem Bereich schreckte die Expansion der Japaner die heimische Industrie. Nachdem kurzzeitig Saddam Hussein und Slobodan Milošević als Feinde der Menschheit ausgemacht worden waren, rückten mit dem beginnenden 21. Jahrhundert zunehmend der islamische Extremismus und der globale Anspruch Chinas in den Focus. Damit soll natürlich nicht gesagt werden, dass diese politischen und wissenschaftlichen Prognosen vollkommen falsch oder frei erfunden waren. Aber Warnungen werden gerne aufgeblasen, damit die erwünschten Reaktionen etwas rascher erfolgen.

Unter Christen erfüllen Spekulationen über die nahende Endzeit oft die Funkti on der Selbstvergewisserung und kritischen Gegenwartsbetrachtung. In allen politischen und gesellschaftlichen Krisen der vergangenen Jahrhunderte fehlte nie der Hinweis auf das nahe Weltende und das bevorstehende göttliche Gericht. Und tatsächlich gab es jede Menge Kriege, Krankheiten und andere Katastrophen. Bedenklich für die Glaubwürdigkeit christlicher Aussagen ist die vorschnelle Festlegung auf die Einzelheiten des ulti mativen Eingreifens Gottes allemal. Wer in seiner scheinbar so sicheren Analyse der Gegenwart falsch liegt, auch wenn er göttliche Autorität für sich in Anspruch nimmt, verliert unweigerlich seine Glaubwürdigkeit auch in geistlichen Aussagen, wenn seine Prognosen nicht eintreffen oder er in der Vergangenheit immer wieder daneben lag. Christen sollten die Weisheit besitzen und nicht jedes Problem der Politik, Ethik, Religion, Natur oder Wirtschaft zu schnell auf das biblisch angekündigte Weltende beziehen. Überzeugte Christen sind sich sicher [Weiterlesen]

(Auszug aus „Der Weltuntergang kommt“ von Michael Kotsch mit freundlicher Genehmigung des Autors)