25. April 2017

Scientology-Kirche beruft sich auf buddhistische Wurzeln

Foto: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com/pixelio.de

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(AG WELT) In einer Pressemitteilung teilt der Verein „Scientology Kirche Bayern e.V.“ am 30. Januar mit, dass ihre Religion „große Ähnlichkeiten mit den in Japan ansässigen Religionen“ aufweise, „um die geistig-spirituellen Fähigkeiten eines Menschen zu steigern“.

Wie weiter ausgeführt wird, sei Reinkarnation in der Scientology-Religion ein genau definiertes System. Wörtlich:

„Scientologen erleben während des Auditings frühere Leben und wissen deshalb, dass sie vorher schon ein- oder mehrmals gelebt haben.“

Das Auditing könne als „eine Reflexion über die eigene Vergangenheit im jetzigen Leben oder in vergangenen Leben“ verstanden werden. In der Veröffentlichung wird die Religionsverwandtschaft zum „Buddhismus“ wie folgt erklärt:

„Im Buddhismus lässt sich das mit dem Zustand `Saton` oder `Naikan` in der Shinto-Religion vergleichen. In diesen Religionen meditieren Menschen über Erlebnisse der Kindheit oder Vorleben unter Aufsicht eines Lehrers, um über das gegenwärtige Sein nachzudenken.“

Auch Buddhisten würden glauben, so die bayerischen Scientologen, „dass es sich bei dem Universum des Menschen nur um eine Manifestation des Verstandes“ handele. Zeitgleich mit den ersten Forschungen des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard in den 1930er Jahren hätte auch die neuere Shintō-Religion nach einer geeigneten, religiösen Methode gesucht, „um den Geist zu heilen“.

Die heutzutage verwendete Definition für „Reinkarnation“ („als andere Lebensform wieder geboren werden“) würde mit der ursprünglichen Bedeutung („wieder ins Fleischliche oder in einen anderen Körper hinein geboren werden“) nicht mehr übereinstimmen. Scientologen würden aber mit der ursprünglichen Definition des Begriffes „Reinkarnation“ „voll und ganz“ übereinstimmen.

Die Scientologen verweisen in Bezug auf die Verwandtheit beider Religionen auf „Experten aus den unterschiedlichsten Fachbereichen, die Scientology untersucht“ hätten. Einer von ihnen sei der asiatische Wissenschaftler Fumio Sawada. Er habe bereits 1996 bestätigt, dass Lehre und Praxis der Scientology-Religion auf die der östlichen Religionen gründe. Demnach sei der Mensch ein geistiges Wesen, das Hubbard „Thetan“ nennt. Der Mensch sei demnach in der Lage, „seine vergangenen Leben aus der Erinnerung abzurufen“. „Seine gegenwärtigen Lebensumstände“ würden, so Sawada, „von den Handlungen der Vergangenheit bestimmt“.

Auf der Internetseiteder Church of Scientology International wird der Asiate Sawada deutlicher zitiert:

„Er ging seine Aufgabe vom japanischen Standpunkt der Definition des Religionsbegriffs an: `den Ursprung lehren, die Quelle des Ursprungs lehren`. Über diesen Anspruch hinaus muß in Japan eine religiöse Organisation auch `Lehren verbreiten, religiöse Zeremonien abhalten und Gemeindemitglieder ausbilden`, um als Religion anerkannt zu werden. Fumio Sawada führte aus, dass `[…] Scientology alle diese Kriterien [erfüllt]`. Er fügte hinzu: `Japan ist ein Land, in dem Religionen besonderen Wert darauf legen, die spirituellen Fähigkeiten des Menschen zu steigern. Aus japanischer Sicht ist Scientology eine Religion, die in der Tat den hier schon existierenden ähnlich ist […] Sie hat mehr Ähnlichkeiten mit japanischen Religionen als mit westlichen Religionen, und aus diesem Grund kann sie im Westen missverstanden werden, weil sie wenig Ähnlichkeiten mit den dort vorherrschenden Religionen aufweist`.“

Anmerkung der Redaktion:
Die Darstellung einer Religionsverwandtschaft zwischen Scientology und östlichen Religionen (Buddhismus, Shintoismus,…) ist nicht neu. Dass die Scientology Kirche Bayern e.V. zu diesem Sachverhalt erst am 30. Januar 2012 eine Pressemitteilung herausgibt, könnte in ihrem Bestreben gründen, in Deutschland als Körperschaft Öffentlichen Rechts anerkannt zu werden. Aber sogar der Anspruch der „Scientology-Kirche“, eine Religionsgemeinschaft im rechtlichen Sinne zu sein, ist mehr als umstritten. Seit 1997 wird die Organisation von den Verfassungs-schutzämtern in Bund und Ländern wegen des Verdachts auf „Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ beobachtet.

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