24. Juni 2017

Taizè in Berlin mit 30.000 Jugendlichen

Vom 28. Dezember bis zum 1. Januar werden in Berlin rund 30.000 Jugendliche zu einem Treffen erwartet, das jedes Jahr von der ökumenischen Communauté de Taizé organisiert wird.

Das Jugendtreffen findet erstmals in der deutschen Bundeshauptstatt statt. Die evangelische Kirche Berlin- Brandenburg-schlesische Oberlausitz, das Erzbistum Berlin und der Berliner Senat haben die Männer- gemeinschaft von Taizé eingeladen, das Event zusammen mit den Kirchengemeinden aller Konfessionen vorzubereiten.

Wie es in der Pressemitteilung heißt, finde das 34. europäische Jugendtreffen zu einem Zeitpunkt statt, wo „Europa nach neuem Schwung“ suche und die „Frage nach den Fundamenten und den Grenzen der europäischen Solidarität“ gestellt werde. Der Prior von Taizé, Frère Alois, werde dazu aufrufen,

„zu den Quellen des Glaubens zu gehen und gleichzeitig nach Wegen zu suchen, die Abgrenzungen und Spaltungen in der Kirche und der heutigen Gesellschaft zu überwinden“.

Wie Frère Alois an die Teilnehmer in seinem Jahresbrief „Auf dem Weg zu einer neuen Solidarität“ schreibt, brauche Solidarität „eine Verjüngung durch neue Ausdrucksweisen“ und „mutige Entscheidungen“. Die „Quellen des Vertrauens“ müssten freigelegt werden, wobei Vertrauen keine blinde Naivität sei, sondern aus einer Entscheidung hervorgehe. „Die Notwendigkeit miteinander zu teilen“ könne „die Glaubenden verschiedener Religion… und auch die Glaubenden mit den Nichtglaubenden“ vereinen.

Der Glaube bestehe, so der Prior, „nicht darin, Wahrheiten zu akzeptieren, sondern in einer Beziehung mit Gott.“ Die Berufung der Kirche liege darin, Menschen aller Sprachen, aller Völker überall auf der Welt im Frieden Christi zu versammeln. Sie vergegenwärtige den „Christus der Gemeinschaft“. Durch sein Kreuz und seine Auferstehung habe Christus eine neue Solidarität unter allen Menschen begründet.

Die ökumenische Communauté de Taizé will nach eigenen Angaben dazu beitragen, die Einheit in Christus, die nach eigener Einschätzung zwischen allen Getauften bereits bestehe, sichtbarer zu machen. Weil Gott ausnahmslos jedem Menschen und allen Völkern Liebe entgegenbringe, will man zusammen mit allen Menschen den Frieden auf der Erde suchen.

Der Geist und die Spiritualität von Taizé bestehe nach Communauté-Gründer Frère Roger Schutz (sein bürgerlicher Name war Roger Louis Schutz-Marsaucheim) im „unsichtbaren Sauerteig der Versöhnung unter Glaubenden wie Nichtglaubenden“. Für die Kommunität ist Gott der Vater aller Menschen, in jedem Menschen wohne Jesus, und Christen hätten den Auftrag, alle Menschen untereinander zu versöhnen. Die Kernaussage der Heiligen Schrift, dass der Mensch durch den Glauben an Jesus Christus und über den Weg von Buße und Umkehr einer Versöhnung mit Gott bedarf, wird eher zur Randerscheinung. Der Taizè-Gedanke begrenzt sich auf die irdische Versöhnung, die in einem von Menschen erwirkbaren Frieden (Weltfrieden) und eine von Menschen erreichbare Gerechtigkeit (Menschheitsversöhnung) behaftet bleibt.

Grundtenor sind der theologische Pluralismus und das emotionale Erleben von Frieden und Verbundenheit in Gemeinschaft, nicht aber, dass der Mensch Sünder vor Gott ist und seine Rettung nur über das Anerkennen des Sühneopfers von Jesus Christus möglich ist. Der kontemplative Gedanke der Taizè-Bewegung beinhaltet – gegenüber dem Glauben an einen persönlichen Gott – Gottes Geist in mystischen Übungen zu erfahren. Einer der vielen Leitsätze von Frère Roger, der 2005 während eines Abendgebets in der Kirche von Taizé erstochen wurde, hieß:

„Ahnst du es? Kampf und Kontemplation haben nur eine einzige Quelle: Christus, der Liebe ist.“

Seit 1968 ist Taizé ein regelrechter Wallfahrtsort. Roger Schutz erhielt 1974 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1990 den Aachener Karlspreis. Nach seinem gewaltsamen Tod übernahm der Katholik Frère Alois Löser (Stuttgart) die Leitung der Communauté.

[Literatur: M. Dannlowski, Taizé – Pilgerweg zur Ökumene, 2004]