10. Dezember 2017

Jehovas Zeugen im Sächsischen Landtag

(AG WELT) Wie heute die „Chemnitzer Morgenpost“ berichtet, soll im Sächsischen Landtag am 22. November eine Ausstellung der „Jehovas Zeugen“ eröffnet werden.

Die Religionsgemeinschaft präsentiert sich vom 23. November bis zum 21. Dezember zum Thema „Standhaft trotz Verfolgung – Jehovas Zeugen unter dem NS- und SED-Regime“. Der sächsische Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) soll im Bürgerfoyer des Landtags die Eröffnungsrede halten. Für die Aussteller spricht Wolfram Slupina vom Informationsbüro der Zeugen Jehovas in Selters/Taunus (Hessen).

Kritik an der Ausstellung übt der Beauftragte für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Harald Lamprecht. Seiner Ansicht nach motivieren die Zeugen Jehovas „ihre Mitglieder, sich aus Politik und Gestaltung des Gemeindewesens rauszuhalten. Was verbindet denn der Landtag als Gastgeber damit als politische Botschaft?“ Politik lebe schließlich davon, dass sich Bürger einbringen.

Der Pressesprecher des Landtagspräsidenten, Ivo Klatte, habe dem Kirchenmann entgegnet, dass die Ausstellung im Landtag keine bestimmte Religionsgemeinschaft vorstelle, „sondern eine Opfergruppe im NS- und SED-Regime“.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden fast 9.000 „Zeugen“ inhaftiert, 950 verloren ihr Leben, etwa ein Drittel durch Hinrichtung. In der Besetzungszone der Sowjets und in der DDR kamen 5.000 der Glaubensgemeinschaft in den Strafvollzug.

In Sachsen seien, so der katholische Beauftragte für Sekten und Weltanschauungsfragen im Bistum Dresden-Meißen, Gerald Kluge, ca. 17.000 Zeugen Jehovas aktiv. Das entspricht einem Anteil an der Bevölkerung des Bundeslandes von etwa 0,4 Prozent. Die Religionsgemeinschaft besitzt in fast allen deutschen Bundesländern, so auch in Sachsen, den Status einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“.

Die „religiöse Sondergemeinschaft“ ist wegen ihrer ablehnenden Haltung zu Bluttransfusionen und gesellschaftlichem Engagement sowie wegen ihres Umgangs mit Aussteigern umstritten.

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