25. April 2017

Scientologen-Demo im Hamburg gegen Ex-Scientologen

Werbekampagne der Scientologen - Foto: Thomas Schneider

Werbekampagne der Scientologen - Foto: Thomas Schneider

(AG WELT) Die Sekten-Expertin Ursula Caberta hat ihn nach Hamburg eingeladen: den Ex-Scientologen Mark Rathbun. Wie das Hamburger Abendblatt schreibt, hätten am Mittwoch ein Dutzend Anhänger der Scientology-Sekte vor der Innenbehörde am Johanniswall gegen den Auftritt von Rathbun demonstriert.

Auf Plakaten habe man Caberta, die erst kürzlich mit ihrem „Schwarzbuch Esoterik“ und ihren Äußerungen zur „Fliege-Essenz“ in die Schlagzeilen geraten war, als „Inquisitorin“ beschimpft.

Mit dem früheren Scientology-Manager Rathbun habe Caberta eines der prominentesten Kenner der „Scientology-Kirche“ in die Hansestadt geholt. So war er laut Innenbehörde als „Finanzchef“ die „Nummer zwei des internationalen Managements“ der Sekte in den USA.

Dass sich Rathbun von der Ideologie der Sekte nicht gelöst hat, sei für Caberta unproblematisch. Ihr sei „egal, welches Buch sich die Leute unter ihr Kopfkissen legen“. Rathbun habe bekannt, dass er auch weiter Scientology praktiziere, dazu aber keine Kirche brauche, „die einen in die finanzielle Misere treibt oder Familien auseinanderreißt.“

Laut Rathbun soll es innerhalb der Sekte auch zu Gewaltausbrüchen gekommen sein, er berichtet über Tritte und Faustschläge ins Gesicht. Er selbst sei beteiligt gewesen und habe andere dazu angestiftet. Miscavige, den Scientology-Chef, bezeichnet er als „Psychopathen“. In der Politik soll es, so der hochrangige Aussteiger, Verstrickungen mit Scientology auf höchster Ebene gegeben haben.

Der Hamburger Verfassungsschutz beobachtet die Organisation, weil sie eine Gesellschaftsform anstrebe, „in der zentrale Grundwerte außer Kraft gesetzt werden sollen“. Im Verfassungsschutzbericht 2010 ist nachzulesen:

„Bei ihrer beabsichtigten Ausbreitung in der Gesellschaft zielt die `Scientology Organisation` vorzugsweise auf politische Einrichtungen: In Brüssel auf das Europäische Parlament, in Berlin auf den Bundestag und in Hamburg auf den Senat, die Parteien und diverse Auslandsvertretungen. Es geht dabei um lobbyistische Arbeit, die Verbreitung von scientologischen Inhalten. Politiker werden gezielt angesprochen, und ihnen wird SO-Propaganda übersandt… Die Scientologen glauben an den stets beschworenen Erfolg ihrer Organisation und ihre Fähigkeiten, eine aus ihrer Sicht „bessere“ Gesellschaft zu erreichen: `Wir sind die einzige Gruppe auf der Erde, die wirklich eine brauchbare Lösung hat.` (Impact, Ausgabe 124, 2010).“

Tatsächlich aber hätten sich, so das Schutzorgan für die demokratische Grundordnung, die Mitgliederzahlen verringert. Erfolge seien trotz massiver Werbekampagnen ausgeblieben.

Ab September 2010 übernahm der Hamburger Verfassungsschutz Aufgaben der früheren „Arbeitsgruppe Scientology“ (AGS) in der Innenbehörde und bietet seither Informationen, Beratung und Ausstiegshilfe an. Das Angebot des Landesamtes werde gut angenommen. Bereits am Ende des Jahres 2010 sei es zu mehr als 200 Anfragen an diese neue Beratungsstelle gekommen.

Einschätzungen der Verfassungsschutzbehörden bewegen sich zwischen 100.000 und 120.000 Scientologen weltweit. 2006 hat der Scientology-Vorsitzende David Miscavige noch von „10 Millionen Mitgliedern“ weltweit (Impact 155/2006) gesprochen. Seitdem gebe es keine neuen Zahlen von Scientology. Laut Verfassungschutzbericht sei der „Mitgliederbestand im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr mit etwa 650 SO-Angehörigen in Hamburg und Umgebung unverändert“.

Scientologen seien überall zu finden: als Geschäftsführer mittelständischer Betriebe bis hinein in den Lern- oder Nachhilfebereich, bei Lebensberatungen oder persönlichen und geschäftlichen Kontakten verschiedener Art.

Der Hamburger Verfassungsschutz bietet fachkundigen Rat unter der Telefonnummer 040/244443 oder im Internet unter www.hamburg.de

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Kommentare

  1. Die gegen Herrn Miscavige erhobenen Vorwürfen sind glatte Lügen. Unzählige eidesstattliche Versicherungen von Kirchenmitarbeitern, die mit Herrn Miscavige eng zusammenarbeiten, belegen, dass Herr Miscavige ein lebendes Beispiel für Güte, Fürsorge und Engagement ist.

    Wahr ist hingegen, dass Herr Rathbun der gewalttätige Mensch ist, der immer wieder Mitarbeiter verprügelte. Einmal sogar war das beherzte Eingreifen von fünf Scientologen notwendig, um ihn mit Gewalt von seinem Opfer wegzuziehen. Das ist aber bei weitem noch nicht alles. Gemäß seinen eigenen Aussagen haben seine inkompetenten Aktionen die Kirche mehrere Millionen Dollar gekostet. Er wurde bereits im Jahre 2002 wegen seiner zahlreichen und weitreichenden Verfehlungen innerhalb der Scientology Kirche von allen Ämtern enthoben und wurde vor vielen Jahren aus der Kirche ausgeschlossen.

    Seitdem er von der Kirche ausgeschlossen wurde, hat die Kirche eine starke Expansion erlebt. U.a. finanziert die Kirche mit Hunderttausenden von Dollar die größte regierungsunabhängige Anti-Drogen-Kampagne der Welt, also auch die größte regierungsunabhängige Menschenrechtskampagne. Darüberhinaus gibt s weltweit über 200.000 Ehrenamtliche Scientology Geistliche, die bei jeder größeren Katastrophe im Einsatz sind. Zuletzt das Erdbeben in Japan und davor in Haiti und zahlreichen anderen Gebieten. Auf der Seite http://www.scientology.de kann man sich ein eigenes Bild davon machen.

    Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Studien, dass „Aussteiger“ nicht als objektive Informationsquellen taugen, da sie auch oft alte „Rechnungen“ begleichen wollen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Busch
    Scientology Kirche Hamburg e.V.

  2. Kommentar zum offiziellen Scientology Statement

    Wer die Diskussionen um Scientology über mehrere Jahre verfolgt hat und sich aus entsprechender Fachliteratur informiert, ist über die offizielle Stellungnahme von Scientology nicht überrascht. In den meisten Fällen läuft die Reaktion von Scientology auf Kritik nach demselben Muster: Leugnen und Gegenangriff. „Es kann sich nur um Falschinformation handeln. Scientology macht alles richtig. Kritiker von Scientology müssen böse Menschen sein.“

    Statt sich angemessen mit der geübten Kritik auseinanderzusetzen oder gar mögliches Fehlverhalten einzugestehen, werden Gegner immer wieder beleidigt oder diffamiert. Dadurch wird die Glaubwürdigkeit der eigenen Organisation nicht eben erhöht. Die von Scientology gelieferte Information sollte jeder selbst überprüfen. Ihr wahrer Informationsgehalt wird von vielen offiziellen Stellen in Frage gestellt. Wer es wagt Kritisches über Scientology zu sagen, muss auf unschöne Angriffe durch die Organisation oder ihre Sympathisanten gefasst sein.

    Hier einige Aussagen aus Scientology-Umfeld (entnommen aus: Friedrich Wilhelm Haack: Scientology- Magie des 20.Jahrhunderts, Claudius Verlag):

    – Gegner von Scientology werden intern als „Unterdrücker“ oder „antisoziale Persönlichkeit“ bezeichnet (S. 225ff)

    – R.Minshull: „Sie können fast immer davon ausgehen, dass der Unterdrücker ein chronischer Gesetzesbrecher ist“ (S.229)

    – „Handbuch für den ehrenamtlichen Geistlichen“ der Scientology: „Antisoziale Persönlichkeiten [Gegner von Scientology] verewigen Kriminalität und verbrecherische Handlungen.“ (S.232)

    – Lafayette Ronald Hubbard (Gründer von Scientology): „Diejenigen, die keine Scientologen sind, befinden sich in einem Zustand völliger Unkenntnis über die Absichten der Betrüger und haben keine Chance in Bezug auf ihre Unsterblichkeit. … Diejenigen, die Scientology kritisieren oder abfällige Bemerkungen darüber machen, können einer eingehenden Überprüfung ihrer vergangenen Taten oder Absichten nicht standhalten. Das ist Gott sei Dank ein glücklicher Umstand für uns. Der Kriminelle scheut das Tageslicht. Und wir sind das Licht. Verstehen sie dies als Tatsache im technischen Sinne – nicht als hoffnungsvolle Idee. Wann immer wir den Hintergrund einer Kritik an der Scientology untersucht haben, fanden wir strafbare Handlungen … Wir fanden niemals Kritiker der Scientology, die keine kriminelle Vergangenheit hatten. … Langsam aber sicher erteilen wir den Gottlosen eine Lektion. …Wenn sie sich der Scientology in den Weg stellen, werden wir sofort nach ihren strafbaren Handlungen schauen – und werden sie finden und bloßlegen. Wenn sie uns aber in Ruhe lassen, werden wir sie in Ruhe lassen …“ (S.233)

    Offizielle Untersuchungen zu Scientology:

    – Bundesverwaltungsamt: Die Scientology Organisation. Gefahren, Ziele und Praktiken, herausgegeben im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

    – Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW: Die Scientology- Organisation. Methoden und Struktur. Rechtsprechung. Gesellschaftliche Auseinandersetzung

    – Innenministerium NRW: Bericht der Bund- Länder- Arbeitsgruppe Scientology der Verfassungsschutzbehörden

    AG WELT e.V.