16. Dezember 2017

Sekten-Expertin warnt vor Esoterik-Markt

Ursula Caberta - Foto: wikipedia / Henk de Vries

Ursula Caberta - Foto: wikipedia / Henk de Vries

(AG WELT) Die Hamburger Sekten-Expertin Ursula Caberta warnt in ihrem kürzlich erschienenen „Schwarzbuch Esoterik“ vor einem wachsenden Esoterik-Markt.

Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ nimmt die 61jährige „Fachreferentin für neureligiöse Gemeinschaften und Psychogruppen“ der Stadt Hamburg zum wachsenden Enfluss der sogenannten „Patchwork-Religion“ Stellung.

Sie habe das Gefühl, dass „jedes Vierteljahr ein neuer Guru aus dem Gully“ krieche. Besonders in Zeiten der Verunsicherung greife der Mensch „gern zu schnellen Hilfsmitteln“, wie der Esoterik.

Auch prominente Personen wie Hape Kerkeling stehen in der Kritik. So spiele der Komiker, Schauspieler und Buchautor Kerkeling den „Mischangeboten“ des Esoterik-Marktes in die Hände. Er bezeichne sich selbst als „Buddhist mit christlichem Überbau“.

Die Mehrheit der Menschen hinterfrage nichts, gehe auf „Lebensfreude-Messen“ und kaufe vermeintliche Hilfsmittel ein. Als könne sich jeder seine „Spiritualität selber basteln“, so Caberta.

Zu den Esoterik-Gruppen schreibt Caberta in ihrem Buch:

„Eines haben sie alle gemeinsam: Sie können Menschen schädigen, gesundheitlich oder ,nur‘ finanziell.“

Sie fordert Kirche und Staat auf, sich des Themas anzunehmen und Opfer des Esoterikbooms durch einen erweiterten Verbraucherschutz zu verteidigen. Heilwässerchen, die angeblich Krebs heilen, sollten verboten werden, um „Scharlatane“ dieser Branche leichter verklagen zu können. Als Beispiel nennt sie den früheren Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, der 95 ml „Fliege-Essenz“ als Heilwasser für 39,95 Euro verkaufe. Die Kirchen werden von der Sekten-Expertin besonders deshalb kritisiert, weil sie zu wenig auf Angebote des „religiösen Supermarkts“ reagierten.

Die Sekten-Expertin und Politikerin Caberta sieht nach eigenen Angaben ihre wichtigste Arbeit in der Beschäftigung mit der Sekte „Church of Scientology“. Von 1992 bis 2010 leitete sie die „Arbeitsgruppe Scientology“ in der Hamburger Innenbehörde. Bis heute leitet sie die seit 2001 bestehende Oberste Landesjugendbehörde für den Jugendschutz in der Auseinandersetzung mit neuen ideologischen Gemeinschaften und Psychogruppen.