17. Oktober 2017

Schrumpft Schweizer Scientology-Kirche?

Scientology mit Informationsstand im Zentrum von München - Foto: Thomas Schneider

Scientology mit Informationsstand im Zentrum von München - Foto: Thomas Schneider

(AG WELT) Nach Einschätzungen von Sektenexperten schrumpfe die Scientology-Kirche in der Schweiz kontinuierlich.

Gegenüber der Zeitung „Der Sonntag“ sagte der Religionswissenschafter und Sektenexperte Georg Otto Schmid, dass die Sekte 1990 noch etwa 3.000 Mitglieder gehabt hätte. Die Zahl sei inzwischen schon auf 1.000 aktive Mitglieder geschrumpft. Sektenbeobachter Christian Ruch meint, dass diese Entwicklung auf die schlechte Schulung der Scientologen-Anhänger zurückzuführen sei, die auf den Straßen zur Mitgliederwerbung unterwegs sind. Dieter Sträuli von der Fachstelle Infosekta stellt fest, dass die Sekte im Vergleich zu früher viel weniger prozessieren würde.

Diese Einschätzungen seien völlig absurd, meint hingegen Scientology-Sprecherin Annette Klug. Ihrer Ansicht nach finde kein Mitgliederschwund statt, sie sehe sogar eine leichte Expansion. So gebe es derzeit etwa 5.000 aktive und passive Mitglieder in der Schweiz.

Die Organisation „Church of Scientology“ wurde 1954 von dem Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründet. Nach eigenen Angaben will sie eine wissenschaftliche Religion sein, die als einzige den Menschen zum Glück in geistiger Vollkommenheit führen könne. Scientology hat Schätzungen zufolge weltweit ca. 120.000 Mitglieder. Hauptsitz ist Clearwater im US-Bundesstaat Florida.

In Deutschland wird die Scientology-Kirche aufgrund eines Beschlusses der Innenministerkonferenz 1997 durch den Verfassungsschutz beobachtet. Wie das Bundesamt für Verfassungsschutz auf seiner Internetseite schreibt, „bestehen tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Damit sind die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Beobachtung der Organisation durch die Verfassungschutzbehörden gegeben.“ Aussteigerberichten zufolge arbeite die Sekte manipulativ mit verschiedenen Psycho-Praktiken, darunter mit dem als „Oxford-Personlichkeits-Analyse“ bekannten Persönlichkeitstest. Derartige Tests seien Rekrutierungsmittel, die besonders bei Menschen einsetzt würden, die sich in einer Lebenskrise befinden.

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