22. August 2017

Pfarrfrau bietet astrologische Beratung an

Foto: Claudia Hautumm  / pixelio.de

Foto: Claudia Hautumm / pixelio.de

(AG WELT) Mit 4 1/2 von 5 Sternen bewerten auf amazon.de acht Rezensenten das im Juli 2010 im Kösel-Verlag erschienene Buch „Die Handschrift Gottes lesen – Astrologie: Wie der Blick ins Horoskop hilft, unser Leben zu verstehen“. Die Autorin, Christine Lindemann, ist die Ehefrau des an der St.Petri-Nikolai-Kirche tätigen Pfarrers Wolfram Eichler.

Nach eigenen Angaben in ihrem Internetportal „Astrologie im Revier“ betreibt sie seit 1999 ein eigenes astrologisches Beratungsbüro. Sie ist ausgebildete Lehrerin für Deutsch und Geschichte und 14 Jahre als Referentin für politische Bildung in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig. Zu ihrer Familie schreibt sie: „verheiratet mit einem Gemeindepastor, ein Sohn, eine Patchworktochter“.

Bis heute bietet Lindemann im Pfarrhaus der Kirchengemeinde „Horoskopdeutung“ an. Eine „Intensivdeutung“, die neben der „umfassenden Deutung des Geburtshoroskops […] auch die gerade aktuellen Themen und Entwicklungen (Transite und Auslösungen) zur Sprache“ bringen sollen, kostet dem Leistungsnutzer bei einer Dauer von ca. 1 1/2 bis 2 Stunden 140 EUR.

Doch nun hätte ihr das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Westfalen die gewerbliche Tätigkeit im Pfarrhaus untersagt, weil Gewerbe in einem Pfarrhaus unzulässig seien und astrologische Beratung theologisch bedenklich wäre. Bis Ende August soll Lindemann ihr astrologisches Gewerbe auslagern.

In einer Leseprobe zu Lindemanns Horoskop-Buch heißt es auf astronova.de:

„Lassen Sie sich anstecken von der Freude über die klare innere Logik der astrologischen Prinzipien, die uns nicht nur unsere innerste, persönliche Eigenart aufschließen kann, sondern sogar die Wirklichkeit als geheimnisvolle Schöpfung Gottes. […] Entdecken Sie also und staunen Sie darüber, wie wir mithilfe von Erkenntniswegen der Astrologie das Echte, Wahre, Beständige in uns, das Selbst, das uns mit Gott und aller Schöpfung verbindet, erfahren können.“

Lindemann verweist mit einer eigenen Internetpräsentation auf ihre Veröffentlichungen in der „Zeitschrift für Gottesdienst und Predigt 2/2002“, in „Freie Psychotherapie 2/2008“, in „Schlangenbrut. Zeitschrift für religiös und feministisch interessierte Frauen. 102/2008″. Zur Bestellmöglichkeit ihres Buches „Die Handschrift Gottes lesen – Astrologie“ ergänzt sie: „Wer möchte, bekommt bei Angabe der genauen Geburtsdaten (Tag, Uhrzeit und Ort) für sich oder eine andere Person eine Horoskopzeichnung dazugelegt.“ Am 1. Januar 2011 kam Lindemann im Bayrischen Rundfunk zur Frage „Steht Gottes Wille in den Sternen? Suchtfaktor Zukunft“ zu Wort.

Ausführlich erklärt Lindemann ihr beratendes „Astrologieverständnis“. Auf eine „Vorbereitung“ über die Erläuterung der „Grundstruktur“ eines Geburtshoroskops folge die inhaltliche Vorstellung der „Hauptlebensthemen“ der Person, die ihr „im Rahmen der Vorbereitung an verschiedenen Stellen des Horoskops“ begegnet seien.
War die Vorbereitung fruchtbar, kehre „beim Horoskopeigner/in Ruhe, Vertrauen und Vorfreude ein“. Dies sei damit zu begründen, „weil wesentliche, ihn/sie umtreibende Empfindungen in treffende Begriffe gefasst worden“ wären.
Bei der sich anschließenden „strukturelle(n) Deutung des Horoskops“ würden die „Hauptlebensthemen immer wieder aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet“.
So würden in weiteren diagnostischen Ebenen „familiäre Verstrickungen des Kunden/der Kundin und seiner Einbettung in das Geflecht des familiären Mythen- und Wertesystems wahrgenommen sowie die Auswirkungen auf sein Alltags- und Beziehungsleben beschrieben“.
Den Höhepunkt bildet wohl dann die Besprechung spezieller „Anliegen“ auf dem Hintergrund des Horoskops. Nach Lindemann können solche Anliegen „berufliche Veränderungspläne, Probleme in der Partnerschaft, Schwierigkeiten einen Partner/in zu finden, finanzielle Entscheidungen, chronische Krankheiten, Suchtprobleme uä.“ sein. Abschließend erstellt die Astrologin die „astrologische Prognose“.

Astrologie bringe den Menschen, so die Pfarrfrau, „über seine eingefahrenen Muster so zum Stolpern, dass er in seine wahre Identität fallen kann“. Lindemann bietet zum erlernen der Astrologie Einzelunterricht an.

Einer der Buchrezensenten mit Namen „Eichler“ schreibt auf amazon.de:

„Die Verfasserin informiert… auf lehrreiche Weise über die Geschichte der Astrologie und über die Beziehungen von Astrologie und Kirche; … und sie bietet eine erhellende Meditation über das biblische Gleichnis von den `Anvertrauten Talenten`. Die `Zuordnung von Tierkreiszeichen, Planeten und Häusern`, `Kurzportraits der 12 astrologischen Urprinzipien` und eine `Kleine Deutungsanleitung für das eigene Horoskop` schließen das schön ausgestattete Buch ab.“

Im Programm der Dortmunder St.Petri-Nikolai-Kirchgemeinde war am 2. Februar 2011 zu lesen:

„Die Handschrift Gottes lesen – Astrologie, Buchvorstellung von und mit Christine Lindemann; Astrologie ist eine einzigartig wirksame Möglichkeit, die Gaben und das Persönlichkeitsgefüge eines Menschen in seiner Zeit zu begreifen – und sie hat eine lange christliche Tradition! Die Dortmunder Astrologin Christine Lindemann stellt ihr gleichnamiges Buch vor, das 2010 erschien und in der St. Petri-Kirche mit einer astrologischen Predigt seinen Anfang nahm“.

Die Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen e.V. warnt vor der Inanspruchnahme einer astrologischen Beratung:

„Astrologie ist der Versuch, aus der Stellung der Planeten das Wesen und das Schicksal von Menschen zu deuten und vorherzusagen. Aus biblischer Sicht ist zur Astrologie zu sagen, dass sie die Schöpfung mit dem Schöpfer verwechselt (Röm 1,25). Sie befragt die Sterne und den Kosmos, um etwas über den Menschen zu erfahren, statt sich auf Wort und Willen Gottes zu verlassen. Sie ist damit – auch in ihrer wissenschaftlich verbrämten Form – Aberglaube, das heißt: Glaube an Gott vorbei und folglich gegen Gott. Ihre „Prophezeiungen“ sind Falschprophetien mit gelegentlichen Zufallstreffern aufgrund menschlicher Kombination und Spekulation oder dämonischer Inspiration.

Die Bibel lehrt uns, dass die Sterne keine Götter sind, die Einfluss auf das Schicksal von Erde und Mensch nehmen könnten, sondern „Lampen“. Gott hat sie zur Beleuchtung sowie zur Regelung des Zeitrhythmus und der Navigation geschaffen, aber sie besitzen aus sich selbst heraus keine Macht (1. Mose 1,14-18; Jes 47,13f.; Jer 10,2f.). Macht üben hingegen finstere dämonische Mächte aus, sobald ein Mensch an einen übernatürlichen Einfluss der Sterne glaubt und sich Horoskope stellen lässt. Der Mensch meint, Informationen von den Sternen zu erhalten, doch in Wahrheit bekommen durch diesen Aberglauben die Dämonen die Möglichkeit, auf ihn einzuwirken. Er wird um sein Seelenheil betrogen.

Ferner ist der Mensch nicht nach dem Ebenbild des Kosmos geschaffen, sondern nach dem Ebenbild Gottes des Schöpfers (1. Mose 1,27). Der Lebensweg des Menschen ist nicht in den Sternen vorgezeichnet, sondern im Plan Gottes, der der lebendige Gott ist und ganz andere Wege führen kann, als die Sterne es „erahnen“ lassen (Ps 139). „Wie unerforschlich sind Gottes Wege!“ (Röm 11,33).

Astrologie ist – wie jede Form des Aberglaubens – ein Versuch des Menschen, sich selbst zu steigern, über seine Grenzen hinauszukommen. Der Mensch gelangt so aber nicht zu Frieden und Erlösung, sondern gerät in die Hände von Betrügern, Geschäftemachern und Scharlatanen, ja oft von dämonischen Mächten. Diese reden ihm ein, er könne wissen und sein, was allein Gott vorbehalten ist (1. Mose 3,5).

Außerdem ist die Astrologie (wie jede andere abergläubische Praktik) deshalb abzulehnen, weil sie zum Fatalismus (Schicksalsergebenheit) und Eudämonismus (pflichtvergessenes Glücksstreben) führt. Wir sollen aber nicht egoistisch unser Glück in den Sternen suchen und uns ihnen „ergeben“, sondern unserer Pflicht nachkommen und in Nächstenliebe für andere da sein. Nur Gott kann Grund und Ziel unseres Vertrauens sein.

Allen, die sich auf Horoskope, Talismane, Maskottchen, Hellseher, Zauberer u.ä. verlassen, ist mit dem Apostel Paulus zuzurufen: „Als wir unmündig waren, waren wir in der Knechtschaft der Elemente der Welt. Nun aber, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr noch: von Gott erkannt seid – wie wendet ihr euch denn wieder zu den dürftigen und schwachen Elementen, denen ihr von neuem dienen wollt?“ (Gal 4,3 u. 9). Und beim Propheten Jesaja heißt es: „Es sollen hertreten und dir helfen die Meister des Himmelslaufs und die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde! Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt, sie können ihr Leben nicht erretten vor der Flamme Gewalt. Denn es wird nicht eine Glut sein, an der man sich wärmen, oder ein Feuer, um das man sitzen könnte“ (Jes 47,13 f.).

Astrologie ist Zeichendeuterei und für Gott ein Gräuel, eine Abscheulichkeit (vgl. 3. Mose 20,27; 5. Mose 18,9-14; Kol 2,8). Der Mensch gelangt so nie zum Frieden, sondern endet in der Gottesferne und ewigen Verlorenheit. Wahren Frieden und Erlösung erlangt der Mensch nur durch den Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der am Kreuz von Golgatha sein Leben hingegeben hat, um jeden, der an ihn glaubt, mit Gott dem Vater zu versöhnen: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat“ (Johannes 3,16).“

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Kleines Esoterik – Handbuch