22. August 2017

Nudelsieb in Österreich religiöse Kopfbedeckung

Foto: wrw  / pixelio.de

Foto: wrw / pixelio.de

(AG WELT) Auf dem Porträtfoto seines EU-Führerscheins trägt der 35jährige Werbefachmann Niko Alm ein Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung. Er gehört der „Pastafari“-Religion an. Deren Gottheit, das „Fliegende Spaghettimonster“ würde migräne-induzierte Strahlungen aussenden, die nur durch das Tragen eines handelsüblichen Nudelsiebs abgeschirmt werden können.

Bereits 2008 brachte eine Broschüre des österreichischen Verkehrsministeriums Alm auf diese Idee. Darin werde erläutert, dass niemand auf dem Foto des Scheckkarten-Führerscheins eine Kopfbedeckung tragen dürfe, außer, sie sei religiös bedingt. Mit seinem Führerschein hat der Österreicher nun eine amtliche Bestätigung, dass ein Nudelsieb eine religiöse Kopfbedeckung ist.

Dennoch musste sich der Unternehmer zum Nachweis seiner psychischen Befähigung zum Führen eines Kraftfahrzeuges einer ärztlichen Kontrolle unterziehen. Letztlich musste der Amtsarzt dem Straßenverkehrsamt doch grünes Licht geben. Dort habe Alms Führerschein noch fast drei Jahre lang gelegen, bevor er ihm ausgehändigt wurde.

Die „Pastafari“-Religion wurde 2005 vom US-amerikanischen Physiker Bobby Henderson gegründet. Sie zählt zu den sogenannten „Spaßreligionen“. Im Unterschied zu den Religionen, in denen der Glaube die wesentliche Grundlage ist, agieren Spaßreligionen konzeptionell gegen jeden Religionseinfluss auf die Gesellschaft.

Wie Alm in einem Chat am 13. Juli sagte, sei der Zulauf zum Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien bisher „gut, aber nicht spektakulär“. Seine Aktionen richteten sich gegen keine Kirche. Er fordere „vom Staat echte Laizität“ und wolle lediglich „Gleichheit vor dem Gesetz“. Im richtigen Leben trage er kein Nudelsieb auf dem Kopf.

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