24. November 2017

„Ich glaube nicht, dass auf die Zeugen Jehovas die Verdammnis wartet.“

Ein Wort an Jehovas Zeugen - Quelle: www.lichtzeichen-shop.com

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(AG WELT) Gegenüber der Tageszeitung „Freie Presse“ sagte der wissenschaftliche Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Michael Utsch (Berlin), in einem gestern veröffentlichten Interview: „Ich glaube nicht, dass auf die Zeugen Jehovas die Verdammnis wartet“.

Auf die Frage der sächsischen Tageszeitung, wann genau eine Glaubensgemeinschaft als Sekte bezeichnet werden kann, antwortet Utsch, dass der Begriff Sekte „sowohl religionswissenschaftlich als auch im staatsrechtlichen Sinne nicht eindeutig definiert“ sei.

Dann nannte er aber doch eine Reihe von Kriterien, die seiner Ansicht nach für die Einstufung ausschlaggebend seien:

– der Exklusivitätsanspruch einer Religionsgemeinschaft („wenn nur die eigenen Anhänger auf das Paradies und Erlösung hoffen dürfen, alle anderen Menschen hingegen nicht“);

– wenn psychische oder physische Sanktionen beim Ausscheiden aus der Gemeinschaft drohen;

– wenn Manipulationstechniken zum Einsatz kommen (Meiden der öffentlichen Medien, ausschließliche Beschäftigung mit eigenen Publikationen).

Mit der Verwendung des Begriffes „Sekte“ für die „Zeugen Jehovas“ ist der Interviewpartner zurückhaltend. Jedoch seien, so Utsch, die „Zeugen Jehovas“ auffällig „wegen ihres Schwarz-Weiß-Denkens“, weil sie sich als Auswerwählte verstünden, die das kommende Weltgericht überleben würden.

Utsch weiter:

„Und wenn Sie sich mit ihren Texten beschäftigen, werden Sie feststellen, dass die Welt, in der Sie und ich leben, als sündig und verdorben dargestellt wird. Das wiederum hat eine gewisse Isolation zur Folge, die später für potentielle Aussteiger zum Problem werden kann.“

Angesprochen darauf, dass die „Zeugen Jehovas“ in Sachsen als Körperschaft des öffentlichen Rechts die gleiche Stellung genießen wie die Evangelische Kirche, entgegnete Utsch, dass sie die Möglichkeiten zwar hätten aber nicht nutzen würden. Eine Gemeinschaft, die „so wenig Berührungspunkte wie möglich mit dem Staat“ haben wolle, werde weder Religionsunterricht erteilen noch Steuern einziehen lassen.

Innerhalb der Gruppierung sei es so, dass das „strikte System für manche stabilisierend sein kann“, doch „wer Kritik äußert, wird Probleme bekommen“, so Utsch.

Michael Utsch, 1960 in Gießen geboren, promovierte 1995 in in Psychologie mit einer Arbeit über „Grundmerkmale wissenschaftlicher Religionspsychologie“, ist seit 1997 wissenschaftlicher Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen und Lehrbeauftragter an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.

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