23. August 2017

Endzeitspekulation: Falscher Prophet ist „perplex“

Quelle: idea.de

US-Prediger Harold Camping führte Menschen mit `Jüngstem Tag` in die Irre. Foto: Flickr.com

US-Prediger Harold Camping führte Menschen mit `Jüngstem Tag` in die Irre. Foto: Flickr.com

Oakland (idea) – „Perplex“ ist der US-Prediger Harold Camping (Oakland/Kalifornien), nachdem sich seine Vorhersage nicht erfüllt hat, dass sich der „Jüngste Tag“ am 21. Mai ereigne.

Dann sollte auch die „Entrückung“ stattfinden: Alle wahren Christen sollten zum Himmel fahren, während die Ungläubigen auf der Erde bleiben und sterben müssten. Doch der 21. Mai verging ohne diese Ereignisse. Den Weltuntergang sieht Camping für den 21. Oktober voraus. Der 89-jährige Präsident des weltweit tätigen christlichen Hörfunksenders Family Radio (Familienradio), ist nach Angaben seiner Frau „bestürzt“ und „etwas verwirrt“, dass seine Kalkulation der Entrückung aufgrund von Bibelstellen offensichtlich nicht stimmte. Viele seiner Anhänger hatten ihr Vermögen eingesetzt, um die Menschheit zu warnen. Unterdessen haben evangelikale Theologen in den USA gefordert, Camping solle für seine falsche Prophetie Buße tun. Dazu gehören führende Vertreter der mit mehr als 16 Millionen Mitgliedern größten protestantischen Kirche in den USA, des Bundes der Südlichen Baptisten. Der Leiter ihres Forschungszentrums LifeWay (Nashville/Bundesstaat Tennessee), Ed Stetzer, legte Camping nahe, sich öffentlich dafür zu entschuldigen, dass er viele Menschen in die Irre geführt habe.

Will Graham: Camping hat grundsätzlich recht, aber…

Albert Mohler (Louisville/Bundesstaat Kentucky) – Präsident des Theologischen Seminars der Südlichen Baptisten – ist nicht überrascht, dass Campings Vorhersage ausgeblieben ist. Menschliche Berechnungen des Termins der Wiederkunft Jesu müssten ins Leere laufen. Gleichgültig gegenüber dem Jüngsten Tag, der jederzeit eintreten könne, dürfe man deshalb aber nicht werden. „Herr, komme bald“, betet Mohler. Der Evangelist Will Graham – ein Enkel von Billy Graham – sagte, Camping habe insofern recht, als der Jüngste Tag tatsächlich bevorstehe. „Wir wissen nur nicht wann“, sagte er der Internet-Zeitung Christian Post. Rick Warren, Bestellerautor und Pastor der Saddleback-Gemeinde in Lake Forest (Kalifornien), teilte mit: „Keine Angst. Die Welt ging nicht unter. Siehe Markus 13,32.“ In diesem Bibelvers steht über die Wiederkunft Jesu: „Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.“

Hille: „Apokalyptischer Unsinn“

Diese Bibelstelle führte auch der Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Theologie, Rolf Hille (Heilbronn), an, als er sich gegen Endzeitspekulationen wandte. Sie seien ein immer wiederkehrendes Ärgernis, sagte er auf Anfrage von idea. Hille: „Man könnte geradezu vom ‚Gesetz der Erhaltung des apokalyptischen Unsinns’ reden, wenn man die Vorhersagen dieses selbst ernannten Endzeitpropheten liest.“ Auch der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Reinhard Hempelmann (Berlin). wies Campings Prophezeiungen als spekulative Bibelauslegung zurück: „Der Bibel kann kein Endzeitfahrplan entnommen werden.“

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