23. August 2017

Quartalsmagazin Faszination Bibel

Großartig, endlich eine allgemeinverständliche Zeitschrift, die sich der Bibel widmet. Das selbstgesteckte Ziel klingt vielversprechend: „Wachsende Liebe zur Bibel. Den Schatz der Bibel aufschließen … Das Wort Gottes zum Leuchten bringen.“ (S.7).

Wer das 100 Seiten starke Heft gelesen hat, ist stellenweise jedoch ziemlich irritiert. So outen sich zwei der Herausgeber, die andere zum Bibellesen motivieren wollen als ausgesprochen Bibel Muffel. Ulrich Eggers: „Jenseits vom Beruf lese ich wenig in der Bibel und erwarte nicht viel von ihr…“ Martin Grundlach: „Als Teenager bin ich vom regelmäßigen Bibellesen abgekommen. Und habe bis heute nicht so richtig dahin zurückgefunden.“

Es wirkt seltsam, wenn jemand, der selber nicht gerne in der Bibel liest andere gerade dazu ermutigen will.

Dann bekennt Eggers, dass er lieber John Ortberg liest als die Bibel und Thomas Härry unterstützt ihn: „Muss jeder Bibel wichtig finden und gut kennen? Nein, nicht die Bibel, sondern Jesus Christus“ (S.38-41) Das hört sich nach dem altbekannten Spiel an, Jesus von der Bibel trennen zu wollen – man fragt sich nur wie das gehen soll.

Später werden uralte und längst geklärte Argumente gegen die Glaubwürdigkeit der Bibel präsentiert und bejaht: „Der Hase ein Wiederkäuer? Hier irrt die Bibel doch tatsächlich.“ (S.95) Auch Christel Eggers theologische Erkenntnis: „Ich habe viel gelernt … [Gott] sein Versagen zu verzeihen …“ (S.47) dürfte manchem Leser zu denken geben. Wer sich denn noch Christoph Schrodts verunklarenden Grundlagenartikel zur Inspiration vornimmt, weiß hinterher nur noch was Inspiration sicher nicht ist (S.26-29).

„Faszination Bibel“ ist offensichtlich ein „Aufatmen“ für Bibelleser.

Seit 115 Jahren wirbt der Bibelbund für die absolute Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der Bibel. Die bibelrelativierenden Parolen in der Zeitschrift „Faszination Bibel“ dienen eher einer Verunsicherung interessierter Gemeindeglieder. Christen mit Bibelkritik zum Bibellesen animieren zu wollen ist doch wohl ein seltsames Konzept.

Michael Kotsch