22. August 2017

Sterne ohne Einfluss auf menschliches Verhalten

Quelle: idea.de

Statistiker überprüften Behauptungen von Astrologieforscher. Foto: Pixelio/Claudia Hautumm

Statistiker überprüften Behauptungen von Astrologieforscher. Foto: Pixelio/Claudia Hautumm

Darmstadt (idea) – Die Sterne haben keinen Einfluss auf menschliches Verhalten. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Statistiker der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP) in Roßdorf bei Darmstadt.
 

Sie untersuchten Studien des Industriellenerben und Astrologieforschers Gunter Sachs. Er hatte in seinem vor zwölf Jahren erschienenen Buch „Die Akte Astrologie“ behauptet, „den wissenschaftlichen Nachweis eines Zusammenhangs zwischen den Sternzeichen und dem menschlichen Verhalten“ erbracht zu haben. Die Statistiker fanden jedoch keinen Beleg für einen Einfluss der Sterne auf Partner- und Berufswahl, Scheidungen oder Todesursachen. In allen großen Datenmengen könne man „merkwürdige Effekte“ entdecken, erklären die Wiener Psychologen Ivo Ponocny und Elisabeth Ponocny-Seliger in der GWUP-Zeitschrift „Skeptiker“. So nehme etwa in Europa die Zahl der Störche seit Jahrzehnten ab, ebenso seien die Geburtenzahlen rückläufig. Dennoch sei dies kein Beleg dafür, dass der Storch die Babys bringe. Zwar gebe es einige schwache Geburtstagseffekte, die aber die Richtigkeit der Astrologie nicht belegten. So stimme es, dass „Schütze“- und „Widder“-Geborene oft Landwirte werden. Doch nicht die Sterne, sondern die Familienplanung ihrer Eltern sei dafür verantwortlich. Viele Väter und Mütter von Landwirten übten selbst diesen Beruf aus. Sie praktizierten eine Geburtenplanung, die den Zeitpunkt der Niederkunft in die weniger arbeitsintensiven Wintermonate verlege. Eine ähnliche Entwicklung zeige sich bei den Bildungsabschlüssen: Laut Sachs würden Menschen mit dem Sternzeichen „Krebs“ oder „Jungfrau“ seltener Akademiker als andere. Dieses Phänomen lässt sich, so die GWUP, plausibel durch das jüngere Einschulungsalter erklären. Da die Schule in der Regel im Spätsommer beginne, würden „Krebs“- und „Jungfrau“-Geborene gerade noch eingeschult und hätten Entwicklungsnachteile gegenüber älteren Klassenkameraden.

Akte Astrologie schließen

Fazit der beiden Wissenschaftler: „Weil Sternzeichen und Geburtstage aneinander gekoppelt sind, kann ein Geburtstagseffekt leicht als astrologischer Effekt erscheinen.“ Tatsächlich handele es sich aber um ein recht irdisches Phänomen. Die „Akte Astrologie“ könne man deshalb schließen, schreiben sie in der Zeitschrift der GWUP. Der Gesellschaft gehören über 900 Wissenschaftler und wissenschaftlich Interessierte ein, die sich für Untersuchungen parawissenschaftlicher Behauptungen einsetzen. In Roßdorf unterhält die Gesellschaft ein „Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken“.

[Anmerkung der Redaktion AG WELT: Der Beitrag muss nicht in jedem Fall mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.]