18. August 2017

DER MYTHOS el-AQSA-MOSCHEE

Warum der islamische Anspruch auf Jerusalem und den Tempelberg unberechtigt ist.

(AG WELT) Der Nahost-Konflikt berührt sicher auch den historisch weniger Interessierten, zumal oft einseitige Berichterstattung eher verwirrt als aufklärt. Viele Menschen spüren, dass sich hier etwas zusammenbraut und vielleicht schon bald außer Kontrolle gerät. Der folgende historische Abriss soll deshalb Licht ins Dunkel bringen – besonders im Hinblick auf die Geschichte der vermeintlich drittheiligsten Stätte des Islam auf dem Tempelberg in Jerusalem.

Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte die Problematik um die el-Aqsa-Moschee durch die zweite Intifada (arab. Intafada=sich erheben, abschütteln), die am 21.9.2000 begann, als eine israelische Patrouille im südlichen Gazastreifen von arabischen Steinewerfern angegriffen wurde. Diese wohl organisierten Provokationen wurden am nächsten Tag verschärft, als im Jerusalemer Vorort Mevasseret Zion Molotow-Coctails auf Zivilisten geworfen wurden. Erst sechs Tage später begab sich der damalige Oppositionsführer Ariel Scharon auf den Tempelberg, wozu er als israelischer Staatsbürger und Mitglied des Parlaments jederzeit das Recht hatte. Dieser Besuch auf Israels heiligstem Platz, der von den Muslimen als „al-Haram al-Sharif“ bezeichnet und als „heilig“ beansprucht wird, wurde dann von dem ehemaligen Terroristenführer Arafat propagandistisch missbraucht und zum Vorwand für den geplanten Aufstand, genommen. Beendet wurde diese dann so genannte El-Aqsa-Intifada erst nach einem Waffenstillstandsabkommen im ägyptischen Scharm el-Scheich im Februar 2005.

Wem gehören denn nun Jerusalem und der in seinem Zentrum liegende Tempelberg? Wie berechtigt ist der jetzt wieder verstärkt erhobene muslimische Anspruch auf die Stadt und die heiligste Stätte des Judentums?

Zur Erinnerung: Nach dem jüdisch-arabischen Krieg 1948 und dem Wiedererstehen Israels gemäß der prophetischen Bücher der Heiligen Schrift sah ein UNO-Beschluss zunächst die Internationalisierung Jerusalems vor. Doch Jordanien hielt sich nicht daran und annektierte den Ostteil der Stadt einschließlich des Tempelberges. Seit dem war dieses Gebiet mit seinen heiligen Stätten für Juden und Christen nicht mehr zugänglich. Erst mit der Befreiung des Ostteils Jerusalems sowie Judäas und Samarias (heute allgemein nur noch als „Westbank“ bezeichnet) durch die israelische Armee im Sechs-Tage-Krieg im Juni 1967 wurden die heiligen und unheiligen Stätten für alle, auch Muslime, wieder zugänglich. Allerdings kam es nach dem erfolgreichen Kampf zwischen dem kommandierenden Befehlshaber Moshe Dajan und den muslimischen Verantwortlichen für die Moscheen auf dem Tempelberg zu einem folgenschweren Abkommen, das bis heute nicht angetastet wird: Israel behielt für sich nur die staatliche und militärische Oberhoheit über den Tempelberg und überließ den Arabern die religiöse Aufsicht.

Stadt des Großen Königs

Gemäß der Bibel, – nach wie vor für Juden und Christen maßgebend – ist das ganze Land Israel (hebr. „Erez Jisrael“) Gottes Eigentum (Lev 25,23; Hos 9,3; Ps 83,13; Joh 1,11 u.v.a.). Seine Grenzen sind festgelegt u.a. in Gen 13,15 und Ex 32,13 und das Land dem jüdischen Volk zu „ewigem Besitz“ gegeben. (Bemerkenswert: auch der Koran bestätigt in den Suren 5,24 und 7,137 diesen Sachverhalt, nur dass es Allah war, der „den Kindern Israel“ den „Osten und Westen des Landes“ – gemeint ist das Land östlich und westlich des Jordan – „zum Erbe gab“.)

Als Zentrum dieses kleinen Landes – etwa so groß wie das Bundesland Hessen – und zugleich auch als Mittelpunkt des Gottesdienstes ist Jerusalem und der Tempel ausdrücklich hervorgehoben. Das Grundstück für den Bau hatte der ENGEL des HERRN dem König David auf dem Berge Morijah gezeigt (1. Kö 24). Dieses Land gehörte dem Jebusiter Arauna, der es dem König schenken wollte. Aber David bestand auf einem Kauf und zahlte ihm dafür 600 Goldschekel, ca. sechs kg Gold, sowie für die darauf befindliche Tenne weitere 50 Silberschekel (500g Silber). In Verbindung mit den heutigen Streitereien um den Besitz des Tempelberges ein wichtiger Vorgang!

Inspiriert durch den Heiligen Geist bereitete David den Bau nach himmlischem Abbild vor (1. Chr 28; s.a. Hebr 8) und übergab die Pläne seinem Nachfolger. Unter König Salomo wurde der Tempel gebaut und 955 v. Chr. fertig gestellt.

Jesus selbst nennt Jerusalem die „Stadt des großen Königs“ (Mt 5,35). Seit mehr als 3000 Jahren ist Jerusalem nicht nur die Stadt der besonderen Anbetung Gottes – übrigens auch für Menschen aus anderen Völkern (s. die Geschichte des Kämmerers aus Äthiopien in Apg 8,26ff) – sondern sie ist damit auch heiligster Ort und Zentrum des Judentums. Unstreitig ist, dass es sich hier nicht um einen Ort der Verehrung des altarabischen Mondgottes Allah handelt – was historisch und theologisch belegbar ist.

Mehr als 1.000 Jahre war Jerusalem auch die Hauptstadt Israels bzw. Judäas, ehe die Römer 70 n. Chr. unter Titus den Zweiten Tempel und den größten Teil der Stadt zerstörten. Doch in den Herzen der Juden verlor Jerusalem nie seine Bedeutung, was in Psalm 137 bewegend zum Ausdruck kommt. Nach der Zerstörung wurde die Stadt im Laufe der Zeit wieder aufgebaut. Bis auf wenige Ausnahmen während der Römerzeit gab dort immer eine mehrheitlich jüdische Bevölkerung, auch nach der arabischen Eroberung 638, sechs Jahre nach Muhammads Tod.

Während der römischen Oberhoheit war Jerusalem allerdings von christlichen Gebetsstätten geprägt. Auch auf dem Tempelplatz, stand eine Kirche; erbaut von Kaiser Justinian I. (527-565). Kaiser Justinian, der letzte Imperator auf dem oströmischen Kaiserthron, stellte als Alleinherrscher von Konstantinopel aus noch einmal die politische Einheit des Ostreiches mit Italien und Afrika her. Er gilt als größter Kirchenbauer nach Kaiser Konstantin. Der Wiederaufbau der Hagia Sophia in Konstantinopel ist sein größtes Werk – sie war für viele Jahrhunderte die schönste und größte Kirche des Abendlandes. Dieses Vorbild und andere Bauten von Kirchen waren überall im oströmischen Reich zu spüren (RGG III, Sp.575).

Kaiser Justinian, der den Juden nicht freundlich gesonnen war, ließ um 530 auch auf dem südlichen Bereich des Tempelbergs die dreischiffige byzantinische Basilika St. Maria bauen. An diesem Platz befanden sich einst die Hallen Salomos und die beiden unterirdischen südlichen Zugänge zum Tempelbezirk. Es war der Ort, an dem sich die erste christliche bzw. messianische Gemeinde von Juden, die zum Glauben an den auferstandenen Jesus gekommen waren, täglich versammelte (Apg 2,46). Und es war zugleich der Ort, von dem aus sich das Evangelium über die ganze damalige Welt und schließlich bis heute über die ganze Erde ausbreitete. Erst ab dem Jahre 135 lässt sich in Jerusalem eine rein heidenchristliche Gemeinde nachweisen!

Über die Basilika St. Maria erfährt man allerdings wenig, obwohl sie vom Grundriss her an Größe und Schönheit den vielen anderen Kirchen, die der Kaiser erbauen ließ, in nichts nachgestanden haben dürfte.

Das oströmische Reich hatte gegen äußere Feinde bis in die Zeit des aufkommenden Islam Erfolge, wurde dann aber durch Krisen im Innern (u.a. Finanznot und religiöser Zwist) mehr und mehr geschwächt. Als der persische Sasanide Chosrau II. Jerusalem im Jahre 614 eroberte und die Stadt den Juden zurückgab, wurden nicht nur 37.000 dort ansässige Christen in die Gefangenschaft nach Persien gebracht, sondern auch die Basilika St. Maria zerstört und als Ruine hinterlassen (Kath. Enzyklopädie). Schon drei Jahre später wurden die Juden erneut vertrieben und das christliche Patriarchat wieder errichtet.

In der Folge wechselte das Schicksal Jerusalems ständig. Im Jahre 638, also sechs Jahre nach dem Tod Muhammads, des „Propheten“ des Islam (=Unterwerfung), wurde die Stadt von dem Kalifen Omar (634-644) erobert und vorläufig dem islamischen Territorium eingegliedert. In den Jahren 691 und 692 ließ Omars Sohn und Nachfolger Kalif Abd el-Malik den Felsendom (Omar-Moschee) erbauen. Er wollte damit die Stadt aus handelspolitischem Interesse aufwerten, da Jerusalem am Rande des islamischen Machtbereichs lag und keine besondere Bedeutung hatte. Im Koran ist Jerusalem (arab. „al-Kuds“) dem entsprechend nicht erwähnt – in der Bibel dagegen mehr als 800mal!

Der Felsendom wurde auf dem Platz errichtet, auf dem einst der Tempel stand. Es gelang aber nicht, auch das ehemalige Allerheiligste zu überbauen. Wie der Archäologe Leen Ritmeyer nachweisen konnte, befand sich dieser heiligste Ort außerhalb der jetzt bebauten Fläche. Die von den Muslimen beabsichtigte Entweihung des Tempelareals war aber erreicht – ein vermeintlicher Sieg über das „ungläubige“ und verhasste Judentum. Auf der heute von Touristen bewunderten Moschee befinden sich in schöner arabischer Kalligraphie Surenverse, die sich gegen die „Ungläubigen“, vor allem Juden und Christen, richten.

Die von Chosrau II. als Ruine hinterlassene Basilika St. Maria dürfte nach erneuter Einrichtung des Patriarchats Jerusalem 617 wieder hergestellt und bis 711 als Kirche genutzt worden sein. Erst der Sohn des Kalifen Malik, Abd el-Wahd (705-715) entweihte das Gotteshaus in jenem Jahr und baute es zu einer Moschee um, indem er die typische Moscheekuppel auf das Dach der Basilika setzen ließ – 20 Jahre nach dem Bau des Felsendoms und 79 Jahre nach Muhammads Tod! Symbolisch bedeutete dies auch einen Sieg über die „ungläubigen“ Christen – gerade auch an diesem Ort. Die Basilika St. Maria wurde damit zu einem „Ort der Niederwerfung vor Allah“ (=Moschee), der schon in der vorislamischen Zeit in der Ka´aba von Mekka als oberste Gottheit unter 360 anderen Götzen verehrt wurde. Abd el-Wahd gab der neuen Moschee den Namen „el-Masgid el-Aqsa, was „die fernste Moschee“ bedeutet. Damit nahm er Bezug auf einen Koranvers (Sure 17,1): „Preis dem, der seinen Diener des Nachts entführte von der heiligen Moschee zur fernsten Moschee, deren Umgebung wir (Allah) gesegnet haben, um ihm (Muhammad) unsere Zeichen zu zeigen.“ Seine Absicht war eindeutig: Die el-Aqsa Moschee sollte in seinem Sinne interpretiert die im Koran genannte „fernste Moschee“ sein.

Die Reise, die nie war

Den zuvor genannten Surenvers (17,1) deuten Muslime als Hinweis, dass der „Prophet“ im Jahre 621 eine „Nachtreise nach Jerusalem“ und von dort bis in den siebten Himmel unternommen habe. Tatsächlich gibt es keiner historische Anhaltspunkte dafür, dass Muhammad jemals in Jerusalem war. Da der Prophet des Islam bereits 632 starb, kann der Koran nicht die Kirche St. Maria meinen, da diese erst im Jahre 711, also 79 Jahre nach seinem Tod zur Moschee el-Aqsa wurde. Der Felsendom kommt ebenfalls nicht in Frage, weil dieses Gebäude noch nicht einmal erbaut war.

Korankommentatoren waren sich dieser Tatsache durchaus bewusst und behaupteten, mit der „fernsten Moschee“ sei Jerusalem gemeint. Einen Hinweis gibt es jedoch im Kommentar von M. bin Umar bin Waqid „Kitab alMaghazi“ (London 1966): Demnach gab es in al-Dji´rana – einem Ort zwischen Mekka und Taif zwei Moscheen, von denen eine „die nächste Moschee“, die andere „die fernste Moschee“ hieß. Demnach geht es also gar nicht um Jerusalem.

Für diesen Sachverhalt spricht auch, dass Muhammad schon im Februar 624 verbot, in Richtung Jerusalem zu „beten“. Er hatte die in Medina lebenden Juden nicht von seiner neuen Religion überzeugen können, darum wurde Jerusalem für ihn unwichtig. Damit drückte er nicht nur seine Geringschätzung für die den Juden heilige Stadt aus, sondern auch gegenüber den Juden selbst, die er aus Medina vertrieben bzw. ausgerottet hatte.

Nach dem Hadith führte der „Erzengel Gibril“ (fälschlicherweise oft mit „Gabriel“ verglichen) den „Propheten“ von der Ka´aba in Mekka über Jerusalem in den siebten Himmel. Dabei ritt Muhammad „in Riesensprüngen“ auf dem geflügelten pferdeähnlichen Tier Buraq. In Jerusalem angekommen, befestigte er das Tier an der Westmauer des Tempelberges („Klagemauer“), was dazu führte, dass die Muslime heute diese mächtige Wand „Buraq-Mauer“ nennen! „Als ich in Jerualem alles Nötige vollendet hatte, brachte man mir eine Leiter“, erzählte Muhammad. Mit seinem “Freund“ Gibril stieg er auf dieser Leiter bis zu einem der Himmelstore empor, wo sie von dem „Engel“ Ismael empfangen wurden. Die weitere Erzählung verliert sich dann einerseits in Details, geht andererseits aber über wichtige Dinge in Kürze hinweg. Im untersten Himmel traf Muhammad „seinen Vater“ Abraham! Im zweiten Himmel sah er „seine Vettern“(!) Jesus und Johannes. Im dritten Himmel bemerkte er einen „dicken Mann“, den Gibril ihm als seinen „Bruder“ Josef, den Sohn Jakobs vorstellte. Nähere Einzelheiten werden nicht erwähnt. Und so geht es fort. In den weiteren Himmeln traf er dann noch u.a. seinen „Bruder“ Moses, „einen Mann mit gebogener Nase“. Im siebten Himmel schließlich sah er noch einmal Abraham, diesmal auf einem Thron sitzend und von abertausenden Engeln umgeben. Dort wurde der Prophet nun endlich auch zu Allah geführt, der ihm und seinen Nachfolgern – ohne nähere Erklärung – für jeden Tag fünfzig Gebetsrunden vorschrieb.

Danach begann auch schon wieder der Rückweg. Erneut traf er auf Moses, der ihn in einem merkwürdigen Gespräch über die zuvor aufgebrummten Gebete verwickelte. Auf den Rat Moses verhandelte Muhammad noch einmal mit Allah über die hohe Zahl der Gebetsrunden. Nach einigem Hin und Her ließ sich Allah 45 Gebete abhandeln, so dass schließlich nur noch fünf tägliche Gebetsrunden übrig blieben – bis heute. Wer diese getreu einhalte, bekäme dann den Lohn von 50 Gebeten!

Diese eigenartige Geschichte bestätigt nach Meinung der Muslime nicht nur die Würde ihres Propheten bei Allah, sondern begründet auch den Anspruch auf Jerusalem für den Islam!

Doch schon damals bezweifelten die Menschen diese abenteuerliche Reise Muhammads. Sie hielten ihn für verrückt! Darauf kam die Sure 53,1-4 auf ihn herab, in der Allah selbst ihn in Schutz nahm: „Bei dem Stern, da er sinkt, euer Gefährte (Muhammad) irrt nicht und ist nicht getäuscht, noch spricht er aus Gelüst. Er (der Koran) ist nichts als eine geoffenbarte Offenbarung …“ Als sich andere ebenfalls lustig machten, verteidigte ihn sein Schwiegervater Abu Bkr: „Bei Allah, wenn er es selbst sagt, so ist es auch wahr …!“

Spätere Überlieferungen lassen Muhammad Jerusalem ausführlich beschreiben, so dass man ihm habe glauben müssen. Aber ausgerechnet seine junge „Frau“ A´isha, Abu Bkrs Tochter, damals neun Jahre alt, war über diese merkwürdigen Gerüchte erstaunt und beteuerte, dass ihr Eheherr in der besagten Nacht das gemeinsame Bett nicht verlassen habe und meinte: „Muhammads Körper wurde nicht vermisst, sondern Allah ließ seinen Geist reisen“ (aus dem Hadith nach al-Bukhari). Auch für die Muslime aus seiner nächsten Umgebung blieb die „Himmelfahrt nur eine Vision von Allah“.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass unter Muslimen Legendenbildungen zum eigenen Ruhm eine lange Tradition haben. Sie finden im Volk, aber auch bei „Gelehrten“ des Islam weitaus mehr Zuspruch als historische Tatsachen.

Die weitere Geschichte

Die zur Moschee gemachte Basilika St. Maria blieb bis in die Kreuzfahrerzeit hinein ein „Ort der Niederwerfung vor Allah“. Im Juni 1099 wurde Jerusalem von den Kreuzfahrern erobert, eine kirchliche und staatliche Ordnung nach europäischem Muster eingeführt und das Königreich Jerusalem (Gottfried von Bouillon) gegründet. Die ehemalige Kirche wurde zunächst als Königspalast genutzt. Der spätere König Balduin II. von Jerusalem (1118-1131) überließ 1118 dem von Hugo von Payens gegründete Templerorden (Militia Templi) einen Flügel des nun „Templum Salomonis“ genannten Gebäudes, das bis 1129 zu einer Festung ausgebaut wurde.

Nachdem der Kurde Saladin die arabische Welt zum Heiligen Krieg gegen die Christen mobilisieren konnte, erlitten die Kreuzfahrer in der Schlacht bei Hattim am See Genezareth 1187 eine so schwere Niederlage, dass sie den Fall von Jerusalem hinnehmen mussten. Das Gebäude der Templer wurde wieder zur Moschee umgestaltet und am 9.10.1187 erneut Allah geweiht.

In einem Dritten Kreuzzug (1189-1192) versuchte König Richard Löwenherz vergeblich, Jerusalem zurück zu erobern. Erst Kaiser Friedrich II. (1212-1250) unternimmt es, mit diplomatischen Mitteln das Ziel der Kreuzzüge zu erreichen. Er schließt mit dem ägyptischen Sultan El-Kamil 1229 in Jaffa einen Vertrag, aufgrund dessen Jerusalem (ohne Felsendom und el-Aqsa Moschee) und weitere Gebiete zurück gewonnen werden. Papst und Patriarch von Jerusalem lehnen allerdings diese Lösung ab.

Nach weiteren vergeblichen Versuchen, die Gebiete zu halten, unterliegen die Kreuzfahrer schließlich 1291 den ägyptischen Mameluken (ehemals Sklaven türkischer und kaukasischer Herkunft, die als Soldaten am Nil an die Macht kamen und den sunnitischen Islam stärkten). Die Templer geben 1303 ihren letzten Stützpunkt, die Insel Ruad vor Tortosa, auf. Das Ende der Kreuzfahrerstaaten sollte für die einheimischen Christen unter der islamischen Herrschaft erhebliche Folgen haben: sie wurden zu Dhimmis, zu Bürgern mit nur wenigen Rechten.

Anfang des 16. Jh. findet die Herrschaft der Mameluken ein Ende, als der osmanische Sultan Selim I. (1512-1520) in einem raschen Siegeszug Syrien, Palästina und das Niltal unterwirft. Bis zum Ende des I. Weltkriegs bleibt nun Jerusalem Teil des osmanischen Reiches. Die Situation ändert sich erst, als nach dessen Niederlage der Nahe Osten in Mandatsgebiete aufgeteilt und von den Siegern England und Frankreich bis zu den arabischen Staatsgründungen verwaltet wird. Das inzwischen fast menschenleere und öde Territorium des biblischen Israel wurde seit Ende des 19. Jh. von Juden durch Einwanderung systematisch besiedelt und wieder kultiviert.

Kein Interesse vor 1967

Wie unwichtig die beiden Moscheen auf dem Tempelberg für die Muslime im abgelegenen
Jerusalem bis in unsere Zeit waren, belegen Bilder des Bonfils Studio Beirut von 1875, die einen menschenleeren und verwahrlosten Platz zeigen, auf dem das Unkraut zwischen den Steinen hervorsprosst. Der Felsendom zeigt deutliche Spuren des Verfalls. (Die Restauration erfolgte erst in der Mitte des 20. Jh., und die Kuppel erhielt in den 1960er Jahren ihre Vergoldung dank einer Spende des jordanischen Königs Hussein.) Bemerkenswert sind auch die Beschreibungen zu den vorgenannten Bildern: „Mosquee d´Omar et tribunal de David“ oder „Al Aqsa Mosque – Note overall disrepair and lack of use“. Auf einem anderen Bild dagegen sieht man eine größere Menge Juden, die an der „Western Wall“ beten. Bestätigt wird der allgemeine Zustand des Landes auch durch Tagebuchaufzeichnungen von Mark Twain, der das Heilige Land 1867 bereiste: „Es ist ein trostloses Land. Es gibt kaum einen Baum oder Strauch, der Schatten spendet.“

Weiterhin ist bemerkenswert, dass bis in unsere Tage hinein islamische Würdenträger und Autoritäten nicht den Weg zu ihren „Heiligtümern“ in Jerusalem fanden – auch nicht während der illegalen jordanischen Besatzungszeit von 1948-1967 – abgesehen von einer Ausnahme: Der Vater König Husseins, der Emir und spätere erste König von Jordanien, Abdallah, wurde 1951 bei einem Besuch in Jerusalem in der el-Aqsa ermordet. Er hatte eine Verständigung mit Israel gesucht und musste diese mit seinem Leben bezahlen. Selbst in dieser Zeit wurde von den Arabern nichts unternommen, den Tempelplatz oder den Ostteil Jerusalems aufzuwerten. Ebenso gab es auch keinen Versuch, im „Westjordanland“ einen Staat „Palästina“ mit einer Hauptstadt Ost-Jerusalem zu gründen. Die PLO-Charta von 1964 belegt diese Tatsache.

Fazit

Für die islamische Welt wurde Jerusalem und die el-Aqsa Moschee erst nach dem 6-Tage-Krieg 1967 wichtig und zum Symbol des politischen Kampfes gegen Israel. Deshalb wurde ein Grund gesucht, den Krieg gegen Israel und seine heilige Stadt auch religiös zu untermauern. Nicht nur die Araber sind davon überzeugt, dass Jerusalem für den Islam eine heilige Stadt sei, sondern auch einige westliche „Islamwissenschaftler“ – obwohl Jerusalem in der wichtigsten Quelle des Islam nicht erwähnt ist. Das hängt – wie oben schon erwähnt – mit der obigen Legende zusammen, in der die angeblich himmlische Reise Muhammads, ein Jahr vor seiner Flucht („Auswanderung“) nach Medina (621), erzählt und auch von gebildeten Muslimen geglaubt wird.

Dieser Sachverhalt zeigt auch, dass gemäß Koran der Jihad, als 6. Säule des Islam ein äußerst wichtiges Element bei der Ausbreitung dieser Ideologie und Religion ist. Zusammengefasst ist dieser Sachverhalt in der Schari´a, dem Staatsgrundgesetz des Islam. Wohl nicht zu unrecht bezeichnet Leon de Winter diese Verbindung von gewalttätiger Ideologie und Religion der arabischen Wüstenstämme des 7. Jh. als „religiös verbrämten Faschismus“. Der „heilige Krieg“ ist eine bindende Pflicht (=Fardh Kifaya) für jeden Muslim und für jede muslimische Nation (s. Sure 9,41 + 112 u.a.). Der Sieg über die „Ungläubigen“, vor allem Juden und Christen, dokumentiert sich darin, dass Synagogen zerstört und wichtige Kirchen in Moscheen umgewandelt bzw. ebenfalls zerstört werden. Als Jordanien 1948 den Ostteil Jerusalems annektierte, wurden dort alle 58 Synagogen beseitigt. Auf dem Tempelplatz wird heute ebenfalls alles noch Vorhandene, was darauf hinweist, dass hier einst der Tempel stand, vernichtet bzw. auf Müllhalden beseitigt. Es wird nun sogar die frühere Existenz des Tempels von den Arabern verneint. So sagte erst kürzlich der Großmufti von Ostjerusalem, dass es einen jüdischen Tempel nie gegeben habe, obwohl ihm ein arabischer Beleg von 1935 darüber vorgelegt wurde. Lüge und Verschleierung von Tatsachen gegenüber „Ungläubigen“ wurden schon von einem der bedeutendsten „Theologen“ und Denker des Islam als Mittel im Kampf gerechtfertigt. Al-Ghazzali (1059-1111) sagte: „Wisse, dass die Lüge an sich nicht falsch ist. Wenn eine Lüge der einzige Weg ist, ein gutes Ergebnis zu erzielen, ist sie erlaubt. Daher müssen wir lügen, wenn die Wahrheit zu einem unangenehmen Ergebnis führt.“

Die Intoleranz der „Religion des Friedens“ zeigt sich in der Devise: „Der Islam herrscht, er wird nicht beherrscht!“ Deshalb duldet der Islam neben sich das viel ältere Judentum und Christentum nicht. Als Zeichen des Triumphs wurden die wichtigsten Kirchen des Abend- und Morgenlandes nach der Eroberung zu Moscheen umgewandelt. So die noch aus römischer Zeit stammende Johanniskirche in Damaskus – dort steht heute die Omajjaden-Moschee, in der Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch im Jahre 2000 den Koran küsste.

Die größte und herrlichste Kirche des Abendlandes, die Hagia Sophia („Heilige Weisheit“), wurde nach der überaus grausamen Eroberung von Byzanz (Konstantinopel) durch Sultan Mehmed II. „Fatih“ (=Eroberer) ebenfalls für „ewige Zeiten“ zur Anbetungsstätte des Götzen Allah umgewandelt. Bei der Plünderung stürzte das große Triumphkreuz herab, das später in die Eingangsstufen eingearbeitet wurde und seit dem von den Füßen der Besucher getreten wird. Im Jahre 1934 wurde die Hagia Sophia zu einem Museum umgewandelt. Am 1.12.2006 besuchte das Oberhaupt „Westroms“ Papst Benedikt XVI. die „Heilige Weisheit“, in der noch immer die Zeichen des Islam befestigt sind. Ein Gebet wagte er dort nicht – in der gegenüberliegenden „Blauen Moschee“ betete in Richtung Mekka – aber zu welchem Gott?

Im einstigen Kernland des christlichen Glaubens Kleinasien – die heutige Türkei – wurden nach der islamischen Eroberung fast alle Kirchen zerstört oder als Ruinen hinterlassen. Seit 1924 dürfen dort keine Kirchen mehr gebaut werden. Noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts waren dort 25 Prozent der Bevölkerung Christen, heute sind es kaum mehr als 0,2 Prozent, die Verfolgung und Unterdrückung überlebt haben oder der Zwangsevakuierung nach Griechenland widerstanden.

Ob die Christen in Europa endlich aufwachen? Es scheint nicht so. Selbst Kirchenführer und „christliche“ Politiker befürworten den Bau von immer mehr und immer größeren Moscheen auch in unserem Land, ohne eine Gegenleistung der Toleranz in den Herkunftsländern der Immigranten zu fordern. So sagte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Carstensen (CDU) am 9.10.2009 bei der Einweihung der großen Zentrumsmoschee mit 26 Meter hohen Minaretten in Rendsburg: „Ich bin stolz, eine solche Moschee in m e i n e m Bundesland zu haben … Die Moschee wird ein Symbol für Frieden und Freiheit sein.“ Mit keinem Wort wies er auf die Not der Christen in den islamischen Ländern hin.

Was nun den leidenschaftlichen Anspruch der Araber auf Jerusalem anbetrifft, so ist dieser historisch völlig unbegründet und zurückzuweisen. Christen, für die die Bibel maßgebend ist, sollten deshalb an der Seite Israels stehen und sich für die Wahrheit einsetzen.

Autor: H. Nowitzky

[Anmerkung der Redaktion AG WELT: Ein Kommentar muss nicht in jedem Fall mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.]