15. Dezember 2017

Darf ein Christ für den Glauben kämpfen?

(AG WELT) Aus ZEITJOURNAL Nr. 3/2009 (Zeitjournal hier bestellen!)

Fotomontage idea-Fotoredaktion

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Zunehmend werden bekennende Christen auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit gewalttätigen Islamisten auf eine Stufe gestellt, missionarische Absichten und Tatbestände werden verwischt. Deshalb stellt sich die grundsätzliche Frage: Darf ein Christ überhaupt für den Glauben an Gott kämpfen?

 

Für welchen Glauben an welchen Gott?

Zuerst einmal muss sich ein Christ völlig im Klaren darüber sein, für welchen Gottesglauben er überhaupt eintritt, bevor er dafür kämpft. Denn auch bei manchen Christen kursieren seltsame Gottesvorstellungen, wie die eine, dass Christen und Muslime an denselben Gott glauben würden. Wer aber der Heiligen Schrift volles Vertrauen schenkt, kommt in der Glaubensfrage immer zu dem Gott, der Mensch geworden ist. Gott hat sich in die Niedrigkeit der Welt hineingegeben. Jesus, der Gottessohn, wird in einem schmuddeligen Viehstall geboren, ist von Geburt an auf der Flucht, zieht auf einem ausgeliehenen Esel in Jerusalem ein, hält in einem geborgten Raum sein letztes Abendmahl, wird für die Schuld aller Menschen blutig geschlagen und gekreuzigt und tot in ein fremdes Grab gelegt. Nach drei Tagen steht er leibhaftig von den Toten auf und lebt seitdem bei seinem Vater im Himmel. Er wird wiederkommen und Gericht halten über alle Menschen. Und jeder Mensch, der im Leben an ihn als den Gottessohn geglaubt hat, wird einmal ewig bei Gott sein. Das ist der Glaube, für den es sich zu kämpfen lohnt. Denn Gott will, dass kein einziger Mensch verloren geht, sondern über den Glauben zur Erkenntnis der Wahrheit kommt (1.Tim 2,4).

Die Bibel: Für den Glauben an Jesus Christus kämpfen…

Nach der Bibel, dem Wort Gottes, ist jedem Christen der Auftrag gegeben, für den Glauben an Jesus Christus zu kämpfen 1.Tim 6,12): „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens…“. Das Wunderbare ist: Christen müssen sich in ihrem Glaubenskampf keinen Sprengstoffgürtel umschnallen, um in den Himmel zu kommen. Wer Christus in seinem Leben angenommen hat, der muss „nicht mit Fleisch und Blut“ kämpfen, sondern darf frohen Herzens anderen Menschen den friedvollen Weg des Evangeliums zeigen, der aus der Finsternis zum Licht führt. Christen kämpfen für den Glauben, tragen aber eine ganz andere Waffenrüstung. Sie vertrauen, wie der Epheserbrief beschreibt (6,10ff), nicht der eigenen Stärke, sondern der Macht des einen Gottes. Christen sind umgürtet mit Christuswahrheit, gepanzert mit Gottes Gerechtigkeit, schützen sich im geistlichen Kampf mit dem Schild des Glaubens, dem Helm der Heilsgewissheit und dem Schwert des Geistes, dem Wort Gottes.

Schärfer als ein zweischneidiges Schwert

Im Brief an die Hebräer (4,12) steht: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es schneidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“ Das ist der biblische Kampf eines Christen für den Glauben.

Was nicht hineingehört

Was gehört nicht in den Glaubenskampf eines Christen?
1. Unter Christen hat sich die Sitte breitgemacht, sich für den Kampf des Glaubens nach dem Motto „Wer bekehrt besser?“ fit zu machen. Das ist unbiblisch, denn hier bestimmt nicht mehr der Heilige Gott selbst den Kampf, sondern menschliche Konzepte. Im Glaubenskampf kann nur einer Menschen verändern und zu sich rufen: Jesus Christus.
2. Arroganz, Überheblichkeit, egoistisches Denken und Missgunst lassen den Kampf des Glaubens für den Herrn der Welt in eine regelrechte Schlacht um Besserwisserei abgleiten und den Sieg dem Teufel in die Hände spielen.
3. Falsche Rücksichtnahme verleugnet im Kampf für den Glauben den Wahrheitsanspruch Gottes. Toleranz darf niemals zur Aufgabe der Grundwahrheit des Evangeliums führen. Toleranz hat immer beim Erdulden der anderen Glaubens- oder Weltanschauungsposition ihre klare Grenze.
4. Menschen mit einer anderen Weltanschauung oder religiösen Überzeugung herabzuwürdigen, zu verfolgen oder gar ihr Leben zu gefährden, darf niemals zum Glaubenskampf eines Christen gehören.

Mit dem Glauben an Jesus Christus, der nach dem Johannesevangelium (14,6) d e r Weg, d i e Wahrheit und d a s Leben ist, beginnt erst das Leben, das über den Tod hinausführt. Dafür, diese Botschaft weiterzusagen, lohnt es sich zu kämpfen und zu sterben.

Autor: Thomas Schneider

[Anmerkung der Redaktion AG WELT: Ein Kommentar muss nicht in jedem Fall mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.]