19. Oktober 2017

Sängerin Nena soll Osho-Fan sein

CD Cover

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(AG WELT) Nach Presseinformationen säkularer Medien soll sich die deutsche Popsängerin Nena (bürgerlich: Gabriele Susanne Kerner; *24. März 1960 in Hagen) als Anhängerin des indischen Guru Osho, dem Gründer der Bhagwan-Sekte, bekannt haben.
 


Vor zwei, drei Jahren hätte sie Osho für sich entdeckt. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte sie, dass sie sehr gerne seine Bücher lese und sich dort wiederfände, was ihr gut täte. Sie meditiere dynamisch körperlich, um sich zu entgiften, und träfe sich mit Leuten zur gemeinsamen Meditation. In Nenas aktuellem Video «Wir sind wahr» sind viele Personen zu sehen, die in organgefarbenen Kleidern Meditationsübungen präsentieren. Durch den Hit „99 Luftballons“ wurde Nena Mitte der 1980er Jahre international bekannt.
 

Auf der Internetseite der 49jährigen ist am 26. September 2009 zu lesen:

„Hörn se mal – Nach verschiedenen obskuren Meldungen auf diversen Internetseiten über eine angebliche „Mitgliedschaft“ von Nena in irgendwelchen Sekten, hier ein kurzes Statement von ihr dazu: Liebe Leute, ich mache keinen Hehl daraus: ich mags gerne spirituell und werds immer gerne spirituell mögen :-) Gleichzeitig bin ich aber vor allem Musikerin und Freigeist, und als solcher käme ich nie auf die Idee, mich irgendwelchen Dogmen zu unterwerfen oder, nur weil ich eine Meditationstechnik mag, „einer Sekte beizutreten“.
Dass dieser kleine aber feine Unterschied von sensationsbegeisterten Medien gerne mal ausgeklammert wird ist schade, aber was soll ich machen – vorsichtiger werden? Ich weiss es nicht. Vorsichtige Musiker sind doch langweilig, oder? Also, ich kann euch eins versichern: Ich werde niemals irgendeiner Sekte beitreten, der Gedanke ist völlig absurd. Aber ich würde euch gerne auch versprechen, dass ich weiterhin „unvorsichtig“ bleibe. Zumindest ein bisschen! Übrigens, fällt mir gerade ein: Ich könnte auch gar nicht einer Sekte beitreten, selbst wenn ich wollte, mein Keyboarder hat nämlich eine Insektenphobie ;-) Und mit diesem Kalauer der Woche verabschiede ich mich herzlichst, Eure Nena“

Osho: Gott sei nichts als eine Erfindung des Menschen

Die Bhagwan-Sekte gilt weltweit als umstritten. Besonders Gründer Osho stand im Zwielicht. Wegen seiner freizügigen Regeln nannte man ihn auch den „Sex-Guru“. Osho habe Dutzende Therapieformenentwickelt, die er seinen Jüngern näher brachte: Die Energie der Sexualität sei göttlich und sexuelle Blockaden müssten gelöst werden. Angeblich auch durch Massenorgien. Auch die Beatles sollen Anhänger der Sekte gewesen sein. Schauspielerin Eva Renzi habe in den Siebzigern die „Therapiegruppen“ in Indien besucht.

Der Bhagwan-Guro Osho starb im Alter von 58 Jahren [Judith M. Fox (2002), S. 37]. Er war gegen jedes Glaubenssystem und betonte den Wert der authentischen religiösen Erfahrung gegenüber der Zugehörigkeit zu einer Religion. In seiner Kritik des Christentums zum Beispiel sagte er, Jesus sei ein Rebell – er existiere nur außerhalb der Kirchenmauern, die sein Anliegen dogmatisch kanalisiert und damit leblos gemacht hätten [Joachim Süss (1996), S. 153]. Gott sei nichts als eine Erfindung des Menschen, Opium für das Volk [Osho, God is Dead, Now Zen is the Only Living Truth, Kapitel 1]:

„Es ist absolut notwendig, dass Gott tot sein muss. Aber ich möchte, dass ihr meine Auffassung kennt: Es war gut von Friedrich Nietzsche, Gott für tot zu erklären – ich aber sage, dass er überhaupt nie auf die Welt gekommen ist. Er ist eine Geschichte, eine Erfindung: keine Entdeckung. Versteht ihr den Unterschied zwischen einer Erfindung und einer Entdeckung? Eine Entdeckung hat mit der Wirklichkeit zu tun; eine Erfindung dagegen ist von euch fabriziert worden. Es ist eine vom Menschen fabrizierte Geschichte. Natürlich spendet sie Trost, aber Trost ist nicht das Richtige! Trost ist Opium. Er bewirkt, dass ihr euch der Wirklichkeit weiterhin nicht bewusst werdet, und das Leben fließt so schnell an euch vorbei – die siebzig Jahre werden bald vorüber sein. Jeder, der euch ein Glaubenssystem verkauft, ist euer Feind, denn das Glaubenssystem wird zu einer Barriere für eure Augen, ihr könnt die Wirklichkeit nicht sehen. Selbst der Wunsch, die Wahrheit zu finden, verschwindet. Aber am Anfang ist es bitter, wenn euch alle eure Glaubenssysteme weggenommen werden. Die Angst und Furcht, die ihr seit Jahrtausenden unterdrückt, die aber noch da ist, sehr lebendig ist, wird sofort wieder an die Oberfläche treten. Kein Gott kann sie zerstören, nur die Suche nach der Wirklichkeit und die Erfahrung der Wirklichkeit – nicht ein Glaube – kann alle eure Wunden heilen, euch zu ganzen Wesen machen. Und für mich ist der ganze Mensch der heilige Mensch.“ (Siehe auch dieses Video).

Der Weg zur authentischen religiösen Erfahrung läge in seiner Lehre darin, das Leben als Ganzes anzunehmen, es in allen seinen Facetten zu lieben und täglich zu feiern [Joachim Süss (1996), S. 162]. Meditation bedeute, ein Zeuge aller inneren Vorgänge zu sein, den Strom der Gedanken und Empfindungen an sich vorbeiziehen zu lassen, ohne sich weiter mit ihnen zu identifizieren [Joachim Süss (1996), S. 120]. Osho habe immer die öffentliche Meinung polarisiert wie kaum eine andere Gestalt im Bereich der neuen Religionen [Joachim Süss (1996), S. 27].

Osho Bhagwan hat in Poona (Stadt im indischen Bundesstaat Maharashtrahat) weiterhin großen Zulauf. Dort ist das größte Meditations- und Therapiezentrum der Welt. Der Kult hat nach wie vor Sannyasin (Schüler des spirituellen Lehrers Osho). Das ganze Streben eines Sannyasin ist auf Moksha, die Befreiung vom Karma (spirituelles Konzept, nach dem jede Handlung – physisch wie geistig – unweigerlich eine Folge hat) und vom Kreislauf von Geburt und Tod durch Vereinigung mit der höchsten Wirklichkeit (Nirvana = Nichts) gerichtet. In den indischen Religionen ist die Lehre des Karma eng mit dem Glauben an Samsara (Kreislauf der Wiedergeburten) verbunden. Im Hinduismus, Buddhismus und Jainismus bezeichnet Karma die Folge jeder Tat. Sannyas nennt man auch die letzte der vier Stufen dea Lebens eines Hindu, das der Dharma, die hinduistische Ethik, als Ideal vorsieht. Im letzten Lebensabschnitt ist es demnach angemessen, sich von allem Weltlichen zu lösen und sich heimatlos der Suche nach Erlösung zu widmen. Ein besonders asketisch (weltlich enthaltsam) lebender Sadhu ist ein Sannyasin. Sannyasins tragen traditionell orangefarbene Gewänder, wie sie im Video von Nena zu sehen sind.

[Anmerkung der Redaktion AG WELT: Eine Nachricht ist die Mitteilung über ein Ereignis und muss nicht in jedem Fall mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.]