22. August 2017

Muslime zum christlichen Dank-, Buss- und Bettag (CH)

flagge_schweiz(AG WELT) Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist ein in der Schweiz staatlich angeordneter überkonfessioneller Feiertag, der seit 1832 am dritten September-Sonntag von allen christlichen Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde begangen wird. Buss- und Bettage haben in der Schweiz seit dem Spätmittelalter Tradition. 1796 beschloss die Tagsatzung auf Antrag Berns erstmals eine allgemeine eidgenössische Feier. In Luzern ist der Bettag als hoher Feiertag in seiner Bedeutung dem Karfreitag oder dem Weihnachtstag gleichgestellt.

Ein Novum

Der staatlich-kirchliche Feiertag sei – so ist in einem Beitrag des „Kirchenboten“ der Evangelisch-reformierten Kirchen Baselland zu lesen – in den vergangenen Jahren aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwunden. Die reformierte Synodalrätin Rosemarie Manser meint: „Unser Ziel ist, dass der Bettag wieder mehr wahrgenommen wird“. Sie ist mit Vertretern von römisch-katholischen und christkatholischen Kirchen, sowie der Kantonsregierung Mitorganisatorin des Feiertags. Erstmals beteiligt sich die Islamische Gemeinde Luzern (IGL) am gemeinsamen Aufruf von Kirchen und Regierung zum eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag am 20. September.

Moslem freut sich!

IGL-Sprecher Naser Callaku freut sich über die Mitwirkung der Muslime: „Sie ist ein Zeichen dafür, dass die abrahamitische Ökumene zwischen den drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam im Kanton Luzern lebt. Uns alle verbindet der Glaube an einen einzigen Gott. Deshalb gibt es für den Religionsfrieden keine Alternative zum Dialog.“ Die IGL vertritt sechs Moscheen und den Islamischen Frauenverein als Ansprechpartner für Öffentlichkeit und Behörden.

Politischer Bettag – „Besinnung auf die gemeinsamen Werte“

„Dass die Islamische Gemeinde – eine von mehreren islamischen Organisationen im Kanton – erstmals den gemeinsamen Bettagsaufruf mitunterzeichnet, spricht für das gute gegenseitige Einvernehmen der Religionsgemeinschaften im Kanton Luzern“, erklärt der CVP-Politiker und Regierungsrat Anton Schwingruber. Mit der Mitwirkung am Bettagsaufruf bringe die Luzerner Regierung zum Ausdruck, „dass ihr der Grundgedanke des Bettags, nämlich die Besinnung auf die gemeinsamen Werte unserer Gesellschaft, wichtig ist“, so Schwingruber weiter.

Christen und Muslime werben für gemeinsames Gebet

Neben dem gemeinsamen Aufruf soll eine öffentliche Plakataktion für Aufmerksamkeit sorgen. Neben einem offenen Geschenkkarton in Form eines Schweizer Kreuzes erscheint das diesjährige Motto «Sag schön danke!» in drei Sprachen: deutsch, albanisch – als meistgesprochene Sprache unter Muslimen in Luzern – und tamilisch, als Beispiel einer Sprache mit orientalischem Schriftbild. Damit Aufruf und Plakat «keine kommunikative Einbahnstrasse» bleiben, so Rosemarie Manser, sind weitere Aktionen geplant. So können Luzernerinnen und Luzerner ihre persönliche Dankesbotschaft auf Karten schreiben, die dann an Ballons gemeinsam in den Himmel steigen. Standaktionen zum Bettag am Samstag, 19. September: Entlebuch, Parkplatz Hotel Drei Könige; Hochdorf, vor dem Bellevuecenter; Luzern, Hertensteinstrasse 30; Sempach, vor dem Städlimärt; Willisau, Rathausplatz. Jeweils 10–12 Uhr.

[Anmerkung der Redaktion AG WELT: Eine Nachricht ist die Mitteilung über ein Ereignis und muss nicht in jedem Fall mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.]

Kommentar zur Nachrichtenmeldung – von Thomas Schneider

Wie bewertet der IGL-Sprecher Naser Callaku die Mitwirkung der Muslime? Er sagte: „Sie ist ein Zeichen dafür, dass die abrahamitische Ökumene zwischen den drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam im Kanton Luzern lebt. Uns alle verbindet der Glaube an einen einzigen Gott. Deshalb gibt es für den Religionsfrieden keine Alternative zum Dialog.“
Der Begriff „abrahamitische Ökumene“ geht auf die christlichen Theologen Hans Küng und Karl-Josef Kuschel zurück. Sie betonen damit die Notwendigkeit eines Dialogs im Sinne einer Ausweitung der innerchristlichen Ökumene auf die abrahamitischen Religionen. Dieser Begriff enthält also zwei sich verschränkende Komponenten: eine religionstheologische und eine politisch-ideologische, deren gemeinsames Hoffnungsziel der künftige Völkerfrieden ist. Das Programm einer „Abrahamitischen Ökumene“ ist jedoch aus politischen und theologischen Gründen zum Scheitern verurteilt.
Politisch liegt dem Bemühen eine Verkennung bzw. Verharmlosung des weltpolitischen Anspruchs des Islam zugrunde. Befürworter gehen von einer angeblichen Friedlichkeit des Islam als einer Religion der Toleranz aus. Man trennt den Islamismus vom Islam, weil der Islamismus ohnehin nur von einer kleinen Minderheit getragen werde. Damit verkennt man die gewalttätigen Aussagen in Mohammeds Botschaften, die maßgeblich die kriegerische Ausbreitung des Islam zu Folge hat. Der Islam will die weltweite Aufrichtung der Scharia. Der Jihad, der heilige Krieg, ist für jeden Moslem religiöse Pflicht.
Der biblische Irrtum der Befürworter „Abrahamitischer Ökumene“ liegt im Verständnis zur Person des Abraham begründet. Daraus resultiert die Gottesauffassung. Für Christen und Juden ist Abraham der Vermittler der Erwählungsgeschichte Gottes (1.Mo 12,2f; Apg 13,26). Juden verstehen den Segen als „vererbten“ Segen, Christen als den Frieden mit Gott, der im Sühnopfer Jesu Christi gegründet ist (Gal. 3,13f). Der Islam zeichnet Abraham als spirituellen Gottsucher und vertauscht Ismael und Isaak. Nicht Isaak sondern Ismael habe sich von Abraham opfern lassen.
Dem Unterschied im Verständnis Abrahams folgt auf Augenhöhe ein völlig anderes Gottesbild. Was ist für wen Gott? Für Muslime ist Allah der erhabene ferne Herr, dem sich Menschen im blinden Gehorsam unterwerfen. Die in den Suren des Koran beschriebene „Barmherzigkeit“ ist willkürlich und kann nur durch menschliche Opferdarbringung erlangt werden. Für Juden ist Gott der – in den Segnungen des mit Israel am Sinai geschlossenen Bundes – Gerechte. Juden haben (5.Mo 32,4, 5.Mo 7,9) die Gebote der Tora treu zu erfüllen. Christen glauben an den Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist. Im Evangelium des Johennes (1,12f) steht: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch2 und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Christen und Muslime glauben nicht an denselben Gott. Deshalb ist ein gemeinsames Gebet von Christen und Muslimen undenkbar. Die weltweiten Christenverfolgungen durch den Islam sind ein sichtbares Zeichen und eine Kosequanz aus dem koranischen Verständnis Allahs. Die zentralen Glaubensaussagen: die Gottessohnschaft Jesu Christi, die Dreieinigkeit und Jesu Opfertod am Kreuz weisen gläubige Muslime entschieden zurück. Wer solches lehrt, ist in den Augen von Muslimen ungläubig. Welchen Auftrag Muslime haben und was mit Ungläubigen geschehen soll, steht in vielen Suren des Koran (Allahs Befehle zur Islamisierung der ganzen Welt: 61,9; 48,28; 8,39; 2,193; Vorherbestimmung aller Muslime zum bewaffneten Kampf für Allah: 2,216; 22,78; 9,111; 4,76; 61,4; Kampfbefehle Allahs an Muhammed und die Muslime: 2,244; 9,123; 9,5; 9,29; 4,84; 8,65; Rechtfertigung der Angriffe gegen Ungläubige: 22,39; 2,190; 2,191; 2,194c; 9,12-14; 60,8-9; 9,36; 2,217; Wie Kampfbefehle Allahs ausgeführt werden sollen: 8,15-16; 8,45; Belohnungen Allahs für die Befehlsausführung: 4,74; 3,142; 3,195; 48,20-21; Was Allah zögerlichen Muslimen sagt: 9,38; 4,77; 9,83; 57,10; 47,20; 4,75; 3,167; 2,246; 49,9).

[Anmerkung der Redaktion AG WELT: Ein Kommentar muss nicht in jedem Fall mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.]