19. Oktober 2017

Harry Potter und kein Ende in Sicht

potterPressemeldungen zufolge habe der neue Potter-Film weltweit 104 Millionen Dollar (74 Mio Euro) eingespielt. Schon in der ersten Nacht hätten die Kinokassen kräftig geklingelt. Mit umgerechnet 15,7 Millionen Euro sei ein neuer US-Rekord aufgestellt worden. Mit „Harry Potter und der Halbblutprinz“ ist nach Vorlage der britischen Autorin J.K. Rowling nun das sechste Zauber-Epos um „Harry“ auf dem Markt.

Sogar der Vatikan lobt den Streifen
Nach den News von N24 habe sich sogar der Vatikan lobend zum neuen „Potter“ geäußert. In einer Filmkritik der „L’Osservatore Romano“ sei zu lesen, dass „Harry Potter und der Halbblutprinz“ den alten Kampf zwischen Gut und Böse deutlich mache und der Film „die richtige Balance“ gefunden hätte. Auch ohne Bezugnahme auf das „Transzendente“ mache er deutlich, dass das Gute das Böse besiegen solle „und dass das manchmal Kosten und Opfer erfordere“. Außerdem werde „die spastische Suche nach Unsterblichkeit, verkörpert durch Voldemort, gebrandmarkt“.

Einfach nur Phantasy?
Die Theologin Kerstin Rödiger stellt im Internet diese Frage und schreibt dazu (ein Auszug):

„Schon vor einiger Zeit tauchte der Vorwurf auf, dass Harry Potter zum Bösen, zu okkulten Praktiken oder Ähnlichem verführe. Aber es ist doch recht schwierig, irgendwo auf einem unserer Bahnhöfe das Gleis 9¾ zu finden… Die Welt des Harry Potter ist klar eine Fantasywelt, die wiederum genauso klar unsere Fantasie anregt.
Ganz nüchtern betrachtet ist Harry Potter ein Internats-, Jugend-, und Fantasybuch, das keine naturwissenschaftlichen Wahrheiten verkünden will. Oder wenn, dann liegt die Wahrheit auf der selben Ebene wie bei Hänsel und Gretel oder „Star Wars“. Daher sollten wir schleunigst aufhören, den Mächten in den Geschichten von Harry Potter eine äussere Realität zuzuschreiben. Dementoren, Zaubereien, Voldemort, das sind nicht Wirklichkeiten wie Sonne oder Regen. Wenn schon Realität, dann Realitäten in uns: Dementoren als Bild für deprimierende Gefühle, Voldemort als das Erleben des Bösen in mir selber. Genau so wie Hexen, Drachen und Feen in den Märchen der Gebrüder Grimm. Auf dieser Ebene spielt sich auch „Wahrheit“ ab, Harry Potter ist wohl genau darum ein solcher weltumspannender Erfolg, weil Rowling es schafft, diese menschlichen Wahrheiten anschaulich und in spannenden Bildern darzustellen.“

Die „Potter`sche“ Gesellschaft
Die Welt ist erfasst von der organisierten „Potter-Manie“. Viele Millionen Kinder und Erwachsene lesen „Harry`s Bestseller“, verpassen keinen „Potter-Thriller“, feiern mit Zauberumhängen und Zauberstäben „Harry-Potter-Partys“ und verwandeln Bildungseinrichtungen in Zauberschulen. Dunkle Künste und Magie faszinieren. Genau das wünschen sich die Medien: Faszination und Begeisterung. Es gehe ja schließlich um wunderschöne Märchen, die die Fantasie anregen, lehrreich für das Leben seien und das eigene Selbstbewusstsein stärkten.

Aus biblischer Sicht
Die Welt des „Harry Potter“ ist nun mal eine Welt der Zauberei, der Magie und der Hexerei. Übernatürliche Phänomene, permanente Angst vor Angriffen und ein fortwährender Abwehrkampf spielen in diesem Szenario die Hauptrollen. Der Reiz und die Sehnsucht, Übernatürliches menschlich in den Griff bekommen zu wollen, sind im Wesen von Magie und Okkultismus begründet und mit dem christlichen Glauben unvereinbar. Der Schritt vom Lesen, Hören und Sehen hin zum Ausprobieren ist kurz. Und das Einüben okkulter und magischer Praktiken steht dem Wort Gottes, dem Christen glauben, entgegen.

5. Mo 18,9ff: „9 Wenn du in das Land kommst, das dir der HERR, dein Gott, geben wird, so sollst du nicht lernen, die Gräuel dieser Völker zu tun,10 dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt 11 oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. 12 Denn wer das tut, der ist dem HERRN ein Gräuel, und um solcher Gräuel willen vertreibt der HERR, dein Gott, die Völker vor dir. 13 Du aber sollst untadelig sein vor dem HERRN, deinem Gott. 14 Denn diese Völker, deren Land du einnehmen wirst, hören auf Zeichendeuter und Wahrsager; dir aber hat der HERR, dein Gott, so etwas verwehrt.“

Offb 22,15: „Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und alle, die die Lüge lieben und tun.“

Was Christen brauchen ist kein Ausstrecken nach fragwürdigen oder okkulten Dingen, sondern ein festes Vertrauen zu dem hin, der sagt (1.Petr 5,8): „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.“

Thomas Schneider

[Anmerkung der Redaktion AG WELT: Ein Kommentar ist die persönliche, namentlich gekennzeichnete Meinung eines Autors und muss nicht in jedem Fall mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.]