22. August 2017

Dalai Lama: Besser nicht die Religion wechseln

Quelle: idea.de

dalai_lama_wiki_luca_galuzziFrankfurt am Main (idea) – Der Dalai Lama, Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, hat sich für Religionsfreiheit ausgesprochen, gleichzeitig aber vom Religionswechsel abgeraten. Meist sei es besser, in der eigenen geistlichen Tradition zu bleiben, sagte der 74-jährige am 30. Juli in Frankfurt am Main.

Dort spricht er bis zum 2. August täglich vor etwa 10.000 Besuchern über die „Kunst des Lebens“. Der Lehrkongress wird von der Deutschen Buddhistischen Union veranstaltet, der rund 27.000 Menschen angehören. Presseberichten zufolge plädierte der Dalai Lama, der am 3. August an der Universität Marburg die Ehrendoktorwürde erhalten soll, für unbedingte Religionsfreiheit. Niemand habe das Recht, anderen eine Religion aufzuzwingen. Die Weltreligionen strebten letztlich nach demselben Ziel – dem Menschen zu helfen, friedlicher zu werden. Im Blick auf die Attraktivität des Buddhismus im Westen räumte der Dalai Lama ein, dass sich manche Menschen in einer ursprünglich für sie fremden Religion besser entwickeln könnten. Der Dalai Lama ist zweimal auf Kirchentagen aufgetreten – 1993 in München und 2003 in Berlin.

Ex-Buddhist warnt vor Bekehrung zum Buddhismus

Anfang dieses Jahres hatte der frühere Buddhist und britische Tibetologe Prof. Paul Williams (Bristol) Europäer davor gewarnt, zum tibetischen Buddhismus überzutreten. Er bekehrte sich vor 30 Jahren zum Buddhismus, übersetzte Bücher des Dalai Lama und wirkte als spiritueller Lehrer, bevor er wieder Christ wurde.
Im Blick auf Äußerungen des Dalai Lama, Christen sollten ihrer Tradition treu bleiben, sagte er, dies sage der Dalai Lama nicht, weil er alle Religionen für gleichwertig halte: „Er ist von der absoluten Überlegenheit des Buddhismus überzeugt.“ Er betrachte große Teile der Menschheit als zu unreif, um Buddha zu verstehen. Deshalb empfehle er der Masse, ihrer Religion treu zu bleiben. Williams widersprach in der Tageszeitung „Die Welt“ auch der Ansicht, dass man Christ und Buddhist sein könne: „Die spirituellen Wege sind unterschiedlich, ja unvereinbar.“