18. Dezember 2017

Liebt Gott auch ehemalige SED-Mitglieder?

PDF: Liebt Gott auch ehemalige SED-Mitglieder?

Ich kann diese Frage für mich mit einem eindeutigen JA beantworten. Doch habe ich den Eindruck, dass viele noch heute diese Frage nicht laut stellen.

Die Suche nach der Antwort begann für mich schon während des Lehramtsstudiums in den Fächern Musik und Deutsch in Leipzig. Als 1964 Geborene wurde ich damit groß, dass Glaube etwas für „Minderbemittelte“ und „Alte“ sei. Die großartige Musik Bachs, Händels und vieler anderer Komponisten wurde also in diese Ecke gestellt und daran zweifelte ich. „Sollte solch große Musik, die meist biblische Stoffe zum Inhalt hatte, von „Minderbemittelten“ hervorgebracht worden sein?“, fragte ich mich. Zumal uns zu Beginn des Studiums unmissverständlich klar gemacht wurde, dass wir ohne den mehrmaligen Besuch der Bach-Passion sowie des Weihnachtsoratoriums gar nicht erst zur Abschlussprüfung im Fach Musikgeschichte anzutreten brauchten. Und so wurden unsere Professoren – allesamt SED-Mitglieder – zu ersten Wegbereitern in Richtung Glauben.

Die friedliche Revolution 1989/90 brachte für mich zuerst Enttäuschung auf der ganzen Linie. Alles, was uns beigebracht wurde und was ich, die in einer sozialistischen Familie groß geworden war, für richtig hielt, war falsch. Die Politiker waren ein Haufen korrupter Krimineller. Damals habe ich für mich beschlossen: Nie wieder eine Partei, Organisation oder gar die Kirche. Ich bin der Herr über mein Leben. Die Sinnsuche ging natürlich weiter, auch die Esoterik spielte eine Rolle.

Inzwischen war ich Mutter geworden und als ich unser Kind in der Grundschule anmeldete, sah ich eine Einladung zur Christenlehre. „Kristin soll nicht mit diesen Bildungslücken aufwachsen, sie soll biblische Geschichte kennenlernen“, entschieden mein Mann und ich. Nachdem ich den Pfarrer gebeten hatte, das Vaterunser aufzuschreiben, damit ich es mit unserer Tochter auswendig lernen konnte, lachte er nur und versicherte uns, dass sie dies mit der Zeit lernen werde. Ich war total verunsichert. Aber der Pfarrer lud mich ein, wenn ich denn Fragen hätte, gemeinsam mit einer anderen jungen Frau, die sich auf die Konfirmation vorbereitete, das Johannes-Evangelium zu lesen. Gott sprach zu mir durch sein Wort und nach 2 Jahren ließ ich mich gemeinsam mit unserer Tochter in der Osternacht 1997 taufen.

Der weitere Glaubensweg ist geradezu atemberaubend. Ich staunte immer wieder, was Gott so mit mir vorhatte. Im Oktober 2000 begann ich eine berufsbegleitende Ausbildung zur Religionslehrerin und damit durfte ich Religionsunterricht erteilen. Nach dem Abschluss des Studiums begann ich in der Lehrerfortbildung im Fach Evangelische Religion zu arbeiten. Im Jahr 2005 wurde ich zur Fachberaterin für Evangelische Religion an Mittelschulen an der Sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig berufen. Seit nunmehr 9 Jahren gibt es in unserem Haus einen Hauskreis der Landeskirchlichen Gemeinschaft. Auch im persönlichen Leben durfte ich erleben, wie Gott mich durch Höhen und Tiefen begleitet hat.

Doch nun zurück zu den vielen anderen ehemaligen DDR-Bürgern. Vor 4 Jahren traf ich eine ehemalige Kollegin zum Frauenfrühstück und begrüßte sie freudig. Sie sah sich fast furchtsam um und zweifelte daran, ob sie überhaupt kommen dürfe. Diese Zweifel konnte ich ihr nehmen und lud sie zu kommenden Frauenfrühstückstreffen ein. Diese Begebenheit machte mir deutlich, wie ehemalige DDR-Bürger, SED-Mitglieder und (in diesem speziellen Fall) Lehrer noch voller Angst sind. Wir Christen müssen auf diese Menschen zugehen und ihnen von Gottes Liebe erzählen. Deshalb engagiere ich mich für Mission und Evangelisation.
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Autor: Elke Oldenburg
47 Jahre, verheiratet, 1 erwachsene Tochter, Lehrerin an einer sächsischen Mittelschule
(Quelle: Zeitjournal Jahresausgabe 2011) © AG Welt e.V.