15. Dezember 2017

„In der Welt habt ihr Angst…“

PDF: In der Welt habt ihr Angst…

„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16,33)

Noch bevor Jesus diese Sätze spricht, prophezeit er seinen Jüngern, dass die Stunde kommen wird, wo ihr Glaube jämmerlich zerbrechen wird und wo sie ihn allein lassen werden. Schon beim Propheten Sacharja (13,7) steht der messianische Text „Schlage den Hirten, dass sich die Herde zerstreue…“.

Jesus wird hingerichtet und die Jünger werden wie Schafe auseinandergetrieben. Für die Jünger unvorstellbar! Und doch geschieht, was Jesus sagt. – So schwach ist der Mensch. – Aber Jesus weiß, dass sein Vater immer bei ihm ist. In dieser Gewissheit geht er durch das Leben bis zum Marterpfahl. Jesus – wahrer Mensch und wahrer Gott.

Die Gottverlassenheit am Kreuz („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“) ist kein Zeichen dafür, dass der Vater seinen Sohn im Stich gelassen hätte. Es ist der entscheidende Moment, wo der Sohn die Last der Sünde der ganzen Welt trägt.

In der Welt habt ihr Angst

Angst ist ein zutiefst menschliches Gefühl und äußert sich in tiefer Besorgnis. Da sitzt sprichwörtlich die „Angst im Nacken“ und greift zu, als hätte sie Arme und Hände. Der Mensch hat Angst, seine Arbeit zu verlieren oder an einer schweren Krankheit leiden zu müssen. Vielen macht es Angst, dass die Umweltkatastrophen zunehmen. Menschen haben Angst, die Religion des Islam könnte Europa überrollen. Manche haben sogar Angst, telefonieren zu müssen. Angst vor Trennung. Angst vor der Zukunft. Angst vor dem eigenen Versagen. Doch nichts macht dem Menschen mehr Angst als der Gedanke an den Tod. Sogar Jesus hat auf dem Ölberg im Blick auf das Ende seines Erdenlebens Blut und Wasser geschwitzt. Es ist keine Schande, wenn Christen zugeben, dass sie keine Helden sind, sondern oft von Angst verfolgte, niedergedrückte Menschen. Christen stecken mal mehr und mal weniger in tiefer Glaubensnot. – „In der Welt habt ihr Angst“.

Aber seid getrost…

Jesus weiß von unseren Ängsten. Deshalb tröstet er damals wie heute seine Nachfolger mit den Worten: „aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Das „Aber“ entlastet, es zeigt einen Ausweg aus allen Nöten und Ängsten. Jesus sagt Dir und mir: „Sei guten Mutes!“ In unserer modernen Medienwelt lässt sich der Mensch beeinflussen, hört und schaut wie gebannt auf Schreckensmeldungen. Jesus will Menschen zurüsten und ausrüsten für den Kampf gegen die Angst. Er sagt klipp und klar:
„ I c h habe die Welt überwunden“. Jesus sagt nicht, dass er irgendwann einmal tun wird. Nein! Während wir noch in dieser Welt kämpfen, hat er sie längst überwunden. Diese Zusage kann weder von Menschen noch vom Satan kaputt gemacht werden. Jesus ist die einzige Zu-versicht, die ein Mensch im Leben überhaupt haben kann. Diese Welt wird vergehen, die Worte Jesu werden ewig gültig sein. „Überwunden“ heißt im Griechischen: Besiegt. Jesus ist der Überwinder, der Sieger. Er allein setzt sich in der Weltgeschichte durch. Jesus stellt uns, seine oft von Angst geplagten Leute, auf ein festes Fundament. Er will uns vor dem gefährlichen Schwemmsand dieser Welt bewahren, von Irrlehren im christlichen Dunstfeld, von falschen Weltanschauungen und dubiosen Heilungs- und Reichtumsversprechen.
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Autor: Thomas Schneider
(Quelle: Zeitjournal Nr. 2 / Oktober 2010) © AG Welt e.V.