17. Oktober 2017

Gott braucht Atheisten…

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Atheisten haben ihre Sicht der Welt in die Öffentlichkeit gebracht. Vom 30. Mai bis 18. Juni 2009 sind sie mit einem roten Doppeldeckerbus durch 25 Städte Deutschlands getourt. Ihre Werbebotschaft: „ES GIBT (MIT AN SICHERHEIT GRENZENDER WAHRSCHEINLICHKEIT) KEINEN GOTT. – EIN ERFÜLLTES LEBEN BRAUCHT KEINEN GLAUBEN.“

Daraufhin hatte ein rheinischer Christ die Idee, den „Atheistenbus“ mit einem weißen „Christenbus“ zu begleiten und mit den Worten „Und wenn es ihn doch gibt …“ zum Nachdenken anzuregen. Anfangs waren die Fronten zwischen Gottesleugnern und Gottgläubigen sehr verhärtet. So sagte Carsten Frerk, der Leiter des Atheistenbusses und Chefredakteur des Humanistischen Pressedienstes:

„Wir denken übrigens darüber nach, ob Sie (damit meinte er den Christenbus) nur in einem Abstand von drei Kilometern hinter uns herfahren dürfen… Wir gucken uns jetzt mal an, wie Sie sich verhalten. Wir fahren keinen Kuschelkurs, ich muss nicht alle Menschen lieben.“

Philipp Möller, Grundschullehrer und Pressesprecher des Atheistenbusses meinte: „Wer weiterhin an das fliegende Spaghetti-monster, an Kobolde, an was auch immer glauben will,
könne das selbstverständlich gern tun.“ Wer an Gott glaube, solle drei Regeln einhalten: 1. Glauben ist keine Wahrheit und darf nicht an Kinder weiterverkauft werden. 2. Übt euch
(und damit meint er Christen) schleunigst in Toleranz. 3. Religion ist Privatsache. Sie muss privat finanziert und vom Staat getrennt sein. Wenn diese drei Regeln eingehalten würden, so der atheistische Pressesprecher, gäbe es auch keine Buskampagne.

Von den wenigen Atheisten, Freidenkern und Humanisten, die in den Städten zum Atheistenbus kamen, gab es herbe Kritik: „Warum traut ihr euch nicht auf den Bus zu schreiben: Es gibt keinen Gott. Punkt. Warum müsst ihr dazuschreiben: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit?“ Selbst Möller, der Hardliner unter seinesgleichen,
sagte zu einer atheistischen Stadtrundfahrt:

„Und wenn es Gott doch gibt… dann haben wir alle am Lebensende
ein ziemlich großes Problem“.

Die ganze Bustour über waren wir umringt von Journalisten, Mikrofonen und Kameras. Wann schenken säkulare Medien schon einmal Gott so große Aufmerksamkeit? Gott braucht Atheisten, um mit einem roten Doppeldeckerbus die schlafende Christenheit in Deutschland zu wecken. Aber sein Weckruf scheint nur bei wenigen angekommen zu sein. Bis auf Chemnitz in Sachsen waren es in den vielen großen deutschen Städten immer nur wenige Christen, die für den lebendigen Gott öffentlich Flagge zeigten. Für das Nachrichtenmagazin ideaSpektrum habe ich das Bustagebuch geschrieben, nachzulesen im Buch „Mit und ohne Gott“.

Hier ein paar Ausschnitte:

Rostock: Im Schritttempo fahren wir die schmale Strandpromenade in Kühlungsborn entlang. „Ach, Gott gibt’s auch noch?“, meint ein Mann auf der Terrasse eines Cafes. Ein etwa 7-jähriges Mädchen zeigt ganz aufgeregt auf den Bus und sagt laut, dass es alle hören können: „Siehste Mutti, Gott gibt’s doch!“….

Hamburg: Ein junger Mann sagt: „Ein Gott, der so viel Leid in der Welt zulässt, muss ein ziemlich großes Arschloch sein.“ Ich höre ihm lange zu und sage nur wenig. Dann sagt er staunend: „So lange hat mir noch nie einer zugehört.“ Wir verabschieden uns mit Handschlag….

Köln: Wir suchen das Gespräch mit Atheisten und Agnostikern. Interessant ist, dass fast jeder in seinem Leben „religiöse Erfahrungen“ gemacht hat. „Die 10 wichtigsten Gründe, die für den Atheismus sprechen“ werden mir überreicht. „Atheisten haben keine Angst vor der Hölle, weil es sie nicht gibt“, steht im 5. Gebot. Das 10. Gebot bestimmt, dass Atheisten „nicht an Einhörner, Osterhasen, Weihnachtsmänner, Feen, Engel oder Gott“ glauben. Man will die Welt „entmissionieren“, steht auf einem Flugblatt….

Frankfurt: Mit einer Malerin, die mit einem großen Leinwandrahmen unterwegs ist, kommt unser Mitarbeiter von den „Gideons“ ins Gespräch. Ihr Gottesglaube ist durchsetzt mit esoterischen und buddhistischen Vorstellungen. Sie hat Krebs, sagt sie, und trage sehr schwer daran. Als Hilfe angeboten wird, gibt sie ihre Telefonnummer, damit sie in eine der christlichen Gemeinden eingeladen werden kann. Während unserer Straßenaktion spielt die Turmuhr der Alten Nikolaikirche das Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Gott ist auch in der Börsenmetropole Frankfurt!….

München: Einige Christen haben festgestellt, dass die Werbeschrift am Atheistenbus wegen starker Verschmutzung kaum noch zu lesen ist. Als ein Atheist entgegnet, dass sie ja helfen könnten, holten sie einen Schwamm und einen Eimer mit Wasser. Christen putzen vor laufenden Kameras den Atheistenbus. Die Botschaft von Jesus Christus, die Feinde zu lieben, wird praktisch….

Chemnitz: Ein Mann, der ständig zwischen dem Atheistenbus und dem Christenbus hin- und herwandert, sagt: „Wenn ich meiner Frau erzähle, was ich da gesehen habe, erklärt sie mich für total verrückt und ich muss aufpassen, dass sie nicht den Notarzt ruft.“ Seine Einschätzung: „Ihr Christen habt doch mehr auf dem Kasten! Was wollen denn die paar Atheisten dort. Wenn Presse, Funk und Fernsehen und eure Christen mit den weißen TShirts nicht dort stünden, wäre da kaum einer. Ich muss wahrscheinlich die Fronten wechseln. Willig nimmt er ein Neues Testament und geht weiter….

Berlin, Endstation: Der Atheistenchef der Buskampagne lobt unsere junge litauische Evangelistin mit den Worten: „Die bringt das so toll rüber!“ Dann lädt mich Frerk ein, ihn einmal in Berlin zu besuchen. Christen müssen mitten in diese Welt hineingehen und Atheisten, Freidenkern, Humanisten und Religionsgläubigen Jesus Christus als ihren Retter bezeugen. Mit Menschen anderer Weltanschauungen ins Gespräch zu kommen
gehört zum Christenleben wie der sonntägliche Gang zum Gottesdienst. Die Bustour war für mich persönlich eine große Bereicherung. Christen müssen den Auftrag ihres HERRN, Licht und Salz mitten in dieser Welt zu sein, ernst nehmen. Christen haben nicht den Auftrag, auf Andersglaubende solange einzuschlagen, bis sie sich endgültig gegen einen Weg mit Gott entschieden haben. In den drei Wochen bin ich vielen Menschen begegnet, die teilweise Schlimmes mit Christen erlebt haben. Wir müssen lernen zuzuhören, den Menschen in seiner schwierigen Lebenssituation zu verstehen und ihm das Angebot der Freiheit in Jesus Christus anzubieten.
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Autor: Thomas Schneider
(Quelle: Zeitjournal Nr. 3 / September 2009) © AG Welt e.V.