22. August 2017

„Die Hütte“ oder W.P. Youngs Begegnung mit Gott?

PDF: Die Hütte – oder W.P. Youngs Begegnung mit Gott?

Der Roman erzählt die tragische Geschichte der Entführung und Ermordung der Tochter des „Helden“ Mackenzie Allen Philips (Mack). Der in seiner Trauer erstarrte Mack bekommt dreieinhalb Jahre nach dem Tod seiner Tochter einen Brief, in dem Gott ihn zu einem Wochenende in die einsame Hütte einlädt, in der Missy vermutlich ermordet wurde. Mack fährt allein in die Wildnis. Plötzlich verwandelt sich die öde Mörderhütte in ein tropisches Paradies mit perfekt eingerichtetem Wochenendbungalow. Gott begegnet ihm in Person zweier Frauen und eines Mannes. Wie ein Psychotherapeut fordert Gott Mack auf: „Es ist okay, … lass es einfach raus … Ich weiß, wie sehr du verletzt wurdest, und ich weiß, dass du wütend und verwirrt bist … “.

Häufig und ausführlich beschreibt Young Macks Mahlzeiten mit Gott. Im Rahmen einer Vertrauensübung und einer Abkürzung gehen Mack und Jesus über das Wasser eines Sees. Macks Furcht unterzugehen, führt Jesus auf dessen falsche Vorstellungskraft zurück. Einmal befindet sich Mack im Inneren eines Berges, wo er über Gott zu Gericht sitzt, ein andermal besteigt er einen Hügel, auf dem er unter zahllosen Lichtseelen seinem verstorbenen Vater begegnet. Mack vergibt seinem Vater von dem er als Junge gequält wurde, und dem Mörder seiner Tochter. Mack bereut auch sein falsches Verhalten, seine Schuld Gott gegenüber.

Am Ende seines Wochenendes mit Gott wacht Mack allein und unterkühlt in der armseligen Hütte auf. Er will nach Hause fahren und gerät in einen Unfall. Als er vier Tage später aus der Bewusstlosigkeit im Krankenhaus erwacht, ist er sich nicht mehr sicher, ob seine Begegnung mit Gott lediglich auf Halluzinationen oder Narkotika im Krankenhausbett zurückgeführt werden kann. Seltsamerweise aber wird Missys Leiche genau an dem Ort gefunden, die Gott ihm gezeigt hatte.

„Die Hütte“ bedient offensichtlich den Massengeschmack religiös ausgerichteter Menschen. Leicht verdauliche und allgemein akzeptierte religiöse Überlegungen werden dem Leser mit vielen Bildern und Gefühlen vermittelt: Gott ist überall. Keine Religion habe einen exklusiven Zugang zum Himmel. Feste Glaubenssätze oder biblische Wahr-heiten behinderten einen echten Glauben. Gott respektiere den freien Willen jedes Menschen auch in ethischen Alltagsfragen und stelle keinerlei Forderungen oder Gebote auf, nach denen die Erdenkinder sich zu richten haben. Gott sei reine Liebe, reines Verständnis und mache natürlich nie etwas, was dem Menschen weh tun könnte.

Dagegen steht z.B. 2Kor 12,7; Hebr 12,5ff; Offb 3,19. Zweifellos werden im Roman zahlreiche Wahrheiten über Gott vermittelt, die sich auch in der Bibel finden. Allerdings ist die Theologie doch sehr stark durch die subjektive Sichtweise des Autors bestimmt. Gott begegne dem Menschen kaum in einer organisierten Kirche oder Gemeinde, sehr wohl aber in der Natur, in Visionen und in anderen Religionen. Der „Große Geist“ der Indianer ist für Young lediglich ein anderer Name für Gott. Später bekennt Jesus: „Ich bin kein Christ.“ Auch wolle Gott keinesfalls Menschen zu Christen machen: „Jene, die mich lieben, kommen aus allen existierenden Systemen. Sie waren Buddhisten oder Mormonen, Baptisten oder Muslime …“.

An keiner Stelle findet sich ein positiver Bezug zur Kirche. Die Zehn Gebote und andere biblischen Regeln haben nach Young für den mit Gott lebenden Menschen keinerlei Bedeutung. In Jesus unterliegt der Mensch keinem Gesetz. Alle Dinge sind erlaubt.
Das Gottesbild ist genderbewusst und multikulturell uminterpretiert. Gott ist total menschlich, speist gerne, hält auch schon einmal einen Mittagsschlaf, benimmt sich tollpatschig bei der Arbeit und vor allem interessiert er sich nur für das Wohlbefinden des Menschen, von dem er sich alles gefallen lässt. Von Unnahbarkeit, Heiligkeit oder Gerechtigkeit Gottes findet sich bei Young keine Spur.

„Die Hütte“ wird von Lesern vollkommen unterschiedlich wahrgenommen. Positiv reagieren Menschen, die selber schweres Leiden in ihrem Leben erfahren haben, und postmodern geprägte Gläubige. Kritisch wird der theologisch denkende Christ an „Die Hütte“ herangehen und sich zu Recht an den unterschwellig vermittelten Aussagen über Gott, Bibel, Kirche und Heil stoßen.
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Autor: Michael Kotsch
(Quelle: Zeitjournal Nr. 3 / September 2009) © AG Welt e.V.