18. August 2017

Besuch eines „Gottesdienstes“ der Mormonen

PDF: Besuch eines Gottesdienstes der Mormonen

Kennen Sie auch die immer sehr gut gekleideten jungen Männer in dunklen Anzügen, weißen Hemden und Krawatte, die auf unseren Straßen meist mit dem Fahrrad unterwegs sind? Oft gehen sie auch von Haustür zu Haustür und führen Gespräche. Am Jackett tragen sie ein kleines Schildchen mit der Aufschrift „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“. Hinter dieser Bezeichnung steht die größte Kirche der Mormonenanhänger. Mich interessieren diese meist jungen Leute sehr und ich will eine ihrer Sonntagsversammlungen besuchen.

Ein Dreistunden-Programm

Um herauszufinden, wann und wo diese Veranstaltungen stattfinden, besuche ich die Homepage der Mormonen im Internet und bestelle einige Probeausgaben ihrer „Kirchenliteratur“. Die Angaben, die ich dort vorfinde, überraschen und verwirren mich so sehr, dass ich mich erst einmal intensiv mit der Materie auseinandersetzen muss. Einen üblichen Sonntags-Gottesdienst, wie wir ihn als Christen kennen, gibt es dort nicht. Vielmehr treffen sich die Mormonen jeden Sonntag zu einem etwa dreistündigen und dreigeteilten Programm. Von Ort zu Ort etwas unterschiedlich finden diese Veranstaltungen von ca. 9.oo bis 12.3o Uhr statt. Etwa 120 Personen sind gekommen. Jeder Besucher ist herzlich willkommen. Die ersten beiden Programmpunkte finden nach Männern und Frauen und zum Teil auch nach Altersgruppen getrennt statt. Erst in der letzten Veranstaltung sind wieder alle zusammen.

Lehre in Priestertum und Hauswirtschaft

In der ersten Stunde findet für Männer und Jungen die Priestertumsversammlung und für Frauen und Mädchen die Frauenhilfe (Frauenhilfsvereinigung) statt. Bei den Männern werden gemeinsam mit den Amtsträgern der Kirche (Apostel, Diakone, Priester, Älteste, Bischof,…) alle Fragen und Themen der Kirche besprochen und beschlossen. Die Frauen erhalten Unterricht in Kindererziehung, allgemeiner Gesellschaftslehre, Hauswirtschaft und ähnlichen Bereichen.

Sonntagsschule, Kollegium, Primarvereinigung…

Im zweiten Teil des Vormittags, der sich Sonntagsschule nennt, geht es dann in diverse Gruppen (Kollegium). Diese sind sortiert nach Interessen, Alter, Geschlecht, Anfänger, Fortgeschrittene und so weiter. Es gibt bis zu 12 verschiedene Klassen. Je nach Klasse wird hier sehr „hart“ gelernt. Themen sind in erster Linie die Geschichte des Mormonentums, die Lehre des Buches Mormon, Ahnenforschung, Handlungen für bereits Verstorbene, der Gründer Joseph Smith, Argumentation gegenüber Christen und vieles mehr. Kinder zwischen 3 und 12 Jahren besuchen während des ersten und zweiten Teils eine Primarvereinigung (Religionsunterricht).

Die wahre Kirche

Nach dem zweiten Teil folgt dann der dritte Block, die Abendmahlsversammlung, an der alle Anwesenden teilnehmen. In diesem Teil wird gesungen und gebetet, ein Chor singt und es wird auch gepredigt. Die Mitglieder bekommen Gelegenheit, ein „Zeugnis“ abzulegen. Die Zeugnisse enden in der Regel mit dem Satz: „Ich weiß, dass diese Kirche die wahre Kirche ist.“ Das Abendmahl wird mit Brot und Wasser (!) gefeiert.

Nur zwei Tempel in Deutschland

Die Veranstaltungen finden nicht (!) in Mormonentempeln, sondern in Versammlungsräumen statt, da es weltweit nur wenige Tempel gibt (in Deutschland nur in Frankfurt am Main und Freiberg/Sachsen) und nur ausgewählte Mitglieder dort Zutritt haben. Nichtmitglieder haben grundsätzlich keinen Zugang zum Tempel. Der Tempel dient als „Heilige Kultstätte“.

Trotz vieler Bedenken habe ich eine Veranstaltung der Mormonen besucht. Sie ist für mich als Christ fremdartig und mit der Bibel unvereinbar.

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Autor: Ernst-Martin Borst
(Quelle: Zeitjournal Nr. 4 / Dezember 2009) © AG Welt e.V.